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21.03.2012

19:15 Uhr

Actavis im Visier

Pharmabranche steht vor einer Milliardenübernahme

Der US-amerikanische Pharmakonzern Watson ist offenbar drauf und dran den Schweizer Konkurrenten Actavis zu übernehmen. Der Kaufpreis soll bis zu 5,5 Milliarden Euro betragen - das meiste davon übernommene Schulden.

Watson würde mit Actavis zur Nummer vier der Branche aufsteigen. PR

Watson würde mit Actavis zur Nummer vier der Branche aufsteigen.

London/FrankfurtIn der Generikabranche bahnt sich eine der bislang größten Übernahmen an. Der US-Konzern Watson will nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters für bis zu 5,5 Milliarden Euro den in der Schweiz ansässigen Konkurrenten Actavis übernehmen. Die Verhandlungen seien bereits weit fortgeschritten, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen am Mittwoch. Der größte Batzen des Kaufpreises sind übernommene Schulden, wie es in Verhandlungskreisen hieß. Hauptgläubiger von Actavis ist die Deutsche Bank.

Mit einem Zusammenschluss würde einer der weltweit größten Hersteller von Nachahmermedikamenten entstehen. Dem Pharmadatenanbieter IMS Health zufolge würde Watson mit Actavis zur Nummer vier der Branche aufsteigen. Sowohl Watson als auch Actavis gehören bereits zu den Top-Unternehmen der Branche. Beide Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab. Die Watson-Aktie legte rund sechs Prozent zu.

In der Generikabranche ist bereits seit einigen Jahren ein Konzentrationsprozess im Gange. So Übernahm 2005 der Schweizer Pharmariese Novartis den Holzkirchener Hersteller Hexal sowie das US-Unternehmen Eon Labs. 2010 kaufte der israelische Weltmarktführer Teva den Ulmer Hersteller Ratiopharm. Schon seit einiger Zeit galt auch Actavis als Kandidat für einen Zusammenschluss mit einem Rivalen. Auch über einen späteren Börsengang wurde spekuliert.

Für Watson wäre der Kauf von Actavis ein Riesenschritt. Im Jahr 2009 übernahm Watson die Arrow Group für rund 1,8 Milliarden Dollar, womit das Unternehmen auch stärker im europäischen Markt Fuß fasste. 2006 hatte Watson bereits für 1,9 Milliarden Dollar den Rivalen Andrx geschluckt. Mit einem Zusammenschluss könnten Actavis und Watson erhebliche Synergien erzielen, etwa im Produktionsverbund. Einem Insider zufolge seien rund 200 Millionen Euro an Einsparungen möglich.

Actavis war Anfang der Jahrtausendwende schnell und kräftig gewachsen. Im Jahr 2007 hatte die Deutsche Bank die Übernahme des damals noch in Island ansässigen Unternehmens durch den Milliardär Björgolfur Thor Björgolfsson finanziert. Seitdem ist das Geldhaus größter Gläubiger des Unternehmens. Kreisen zufolge betrugen die Schulden bei der Deutschen Bank zuletzt rund 3,5 Milliarden Euro. Das Institut wollte sich nicht dazu äußern.

Actavis und Watson kennen sich schon gut. Der ehemalige Actavis-Chef Sigurdur Oli Olafsson war im September 2010 als weltweiter Leiter des Generika-Geschäfts zu Watson gestoßen mit dem Ziel, die Geschäfte des Unternehmens außerhalb der USA voranzutreiben. Im vergangenen Jahr übernahm der Konzern dann die in Griechenland ansässige Specifar Pharmaceuticals für 562 Millionen Dollar. Watson-Chef Paul Bisaro hatte zuletzt im vergangenen Monat gesagt, er lote weitere Zukäufe aus, um das Generikageschäft oder das Geschäft mit Markenprodukten zu stärken.

Das vergangene Jahr schloss Actavis mit einem Umsatzplus ab. Rund 1,85 Milliarden Euro würden es wohl werden nach 1,75 Milliarden Euro 2010, hatte Actavis-Chef Claudio Albrecht unlängst in einem Reuters-Interview gesagt. Auch beim Gewinn habe Actavis Albrecht zufolge ordentlich zugelegt. Watson kam vergangenes Jahr auf Umsätze von etwa 4,6 Milliarden Dollar.

Von

rtr

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