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09.02.2016

19:58 Uhr

Additive Fertigung

3D-Druck erreicht den Maschinenbau

Zeitsparend und günstiger – 3D-Druck wird in Unternehmen zunehmend beliebter. Auch im Maschinenbau ist die Methode im Kommen. Schon warnen Experten: „Wer jetzt nicht mitmacht, ist in ein paar Jahren raus.“

Immer mehr Produkte werden im 3D-Drucker gefertigt. dpa

3D-Druck

Immer mehr Produkte werden im 3D-Drucker gefertigt.

FrankfurtEin maßgefertigter Laufschuh, nach ein paar Schritten auf dem Laufband gleich im Geschäft im 3D-Drucker geformt – der Sportartikelhersteller Adidas tüftelt an dieser Vision. Anderswo ist das schon Wirklichkeit: Flugzeugbauer und Medizintechnikfirmen setzen den 3D-Druck – oder sogenannte Additive Fertigungstechnologien – zum Teil schon serienmäßig ein. Auch Brillen und künftig vielleicht sogar ganze Autoteile kommen aus dem Drucker. Prognosen zufolge könnte sich das Marktvolumen in den kommenden Jahren verfünffachen.

Als Drucker, wie sie im Büro stehen, darf man sich die industriellen Anlagen natürlich nicht vorstellen. Bei der Additiven Fertigung werden Metall- oder Kunststoff-Pulver Schicht für Schicht verschmolzen und übereinandergelegt, bis etwa ein Bauteil oder Implantat in seiner gewünschten Form entsteht.

Autos von Airbus: Kleinwagen aus dem 3D-Drucker

Autos von Airbus

Kleinwagen aus dem 3D-Drucker

Bei Airbus stehen Produktion und Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand. Europas größter Flugzeugbauer beschreitet ungewöhnliche Wege, um sich zukunftssicher zu machen. Dazu gehört unter anderem ein Höhen-Weltrekord.

Im Unterschied zu herkömmlichen Methoden, bei denen ein Werkzeugteil beispielsweise aus einem größeren Metallblock gesägt oder gefräst wird, spart diese Methode Material. Die Technologie kann bionische – also der Natur nachempfundene – Formen kreieren, was Bauteile filigraner und leichter macht. Außerdem kostet es weniger Zeit und Geld, wenn einzelne Prozessschritte und Transportwege wegfallen.

Flugzeugbauer, bei denen jedes in der Luft eingesparte Gramm Treibstoff spart, sehen riesiges Potenzial und sind daher Vorreiter. So geht Airbus jetzt mit dem 3D-Druck in Serie und baut doppelwandige Benzinrohre aus Titan selbst. Das koste nur die Hälfte. Bauteile aus Edelstahl und Aluminium sollen bald ebenfalls aus dem 3D-Drucker kommen. General Electric (GE) rechnet damit, dass eine Verringerung des weltweiten Treibstoffverbrauchs um ein Prozent in der Luftfahrtindustrie zu Einsparungen von 30 Milliarden US-Dollar (27 Milliarden Euro) in 15 Jahren führen könnte.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

SLM Solutions, ein Unternehmen aus Lübeck, das seit 2011 mit der Technologie am Markt ist, zählt außer der Luft- und Raumfahrtbranche auch den Energiesektor, die Medizintechnik sowie die Automobilbranche samt Zulieferern zu seinen Kunden. Vorstandschef Markus Rechlin spricht von einem „Markt am Wendepunkt“: Industriekunden kauften nicht mehr nur kleine Maschinen, um mit der neuen Technologie zu experimentieren, sondern zunehmend mehrere und auch größere Anlagen. 2015 hat sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr etwa verdoppelt.

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