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17.10.2015

09:26 Uhr

Addyi

Erste Lustpille für die Frau hat Tücken

VonAstrid Dörner, Bert Fröndhoff

Ein leiser Start: Am Samstag kommt die erste weibliche Lustpille Addyi in den USA auf den Markt. Doch beim Lesen der Warnhinweise dürfte vielen potenziellen Nutzerinnen die Lust schon wieder vergehen.

Der Pharmahersteller Sprout sieht großes Potenzial für Addyi, das erste Mittel der Welt, das bei Frauen die Lust auf Sex steigern soll. ap

Addyi, Flibanserin

Der Pharmahersteller Sprout sieht großes Potenzial für Addyi, das erste Mittel der Welt, das bei Frauen die Lust auf Sex steigern soll.

New York, DüsseldorfEs ist ein Durchbruch mit Tücken: Addyi ist das erste Mittel der Welt, das bei Frauen die Lust auf Sex steigern soll. Doch ein Blick auf die Nebenwirkungen und die geringe Erfolgsquote lässt vielen Frauen die Lust auf Addyi auch schon wieder vergehen. So darf „Female Viagra“, wie sie in den USA salopp genannt wird, auf keinen Fall mit Alkohol eingenommen werden. Das sei eine geradezu „absurde Situation“, schrieb Psychiatrie-Professorin Leonore Tiefer von der New York University an die US-Arzneimittelbehörde FDA. Der Warnhinweis „sei lächerlich und zum Scheitern verurteilt“, heißt es in dem Brief vom Juli, der von dutzenden anderen Sexforschern unterzeichnet wurde. Wein oder Cocktails gehören für viele Paare einfach zu einem netten Abend dazu. Zudem wirkt Addyi nicht bei Frauen, in der Menopause, was den potenziellen Markt für das Mittel deutlich einschränkt. Und während Viagra bei fast jedem Mann wirkt, haben einer Studie zufolge nur zehn Prozent der Frauen von der Lustpille profitiert und das auch nicht sofort, sondern nach mehreren Wochen.


Die luststeigernde Pille wird zwar als "Viagra für die Frau" bezeichnet, dabei wirkt sie vollkommen anders. Bei den Potenzmitteln für Männer wird der Blutfluss im Glied stimuliert. Die erste weibliche Sexarznei setzt an der Psyche an: Deren Wirkstoff Flibanserin wirkt sich auf sogenannte Neurotransmitter im Gehirn aus, die verantwortlich für sexuelle Lust und Unlust sind.

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Dass Addyi nun überhaupt auf den Markt kommt, ist vor allem der Überzeugungskraft und der Hartnäckigkeit von Cindy Whitehead zu verdanken. Sie führt den Pharmahersteller Sprout und hatte stets ein Ziel: 26 zu 1. Was heißt: 26 zugelassene Medikamente gibt es für Männer, mit denen die ihre Sexualprobleme beheben können. Bis zur Zulassung von Addyi im August 2015 gab es für Frauen keines. Whitehead hat als CEO von Sprout eine geschickte PR-Kampagne installiert. Sie finanzierte zum Beispiel die von Frauenverbänden in den USA getragene Initiative "Even the Score", die für die Zulassung von Sexmedikamenten für Frauen wirbt. Ihre Kampfbereitschaft dokumentiert Whitehead gerne: Am Computerbildschirm in ihrem Büro hängen rosa Boxhandschuhe.

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