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20.06.2012

08:26 Uhr

Adidas im Shitstorm

Der rassistische Turnschuh

VonNils Rüdel

Vom Style-Objekt zum „Sklaven-Schuh“: Adidas hat in den USA einen Skandal ausgelöst – wegen eines neuen Modells, das an die Unterdrückung der Schwarzen erinnert. Der Konzern entschuldigte sich und zog eilig Konsequenzen.

Eines der wenigen Fotos, das im Netz noch verfügbar ist.

Eines der wenigen Fotos, das im Netz noch verfügbar ist.

WashingtonAußerhalb Amerikas würden sich Menschen wohl vor allem folgende Frage stellen: Warum in aller Welt braucht ein Turnschuh eine Kette, mit der man ihn am Schienbein festbinden muss? Fliegt er sonst weg? Geschichtsbewusste Amerikaner stellen sich dagegen eine viel größere und ernstere Frage: Kann ein Turnschuh rassistisch sein?

Ja, lautet die Antwort, und sie hat dem Sportartikelhersteller Adidas in den USA ein PR-Debakel sondergleichen eingebrockt. Die Zutaten: ein deutscher Weltkonzern, ein irrlichternder Designer, ein dunkles Kapitel der US-Geschichte und eine hyper-erregbare Internet-Öffentlichkeit.

Unternehmen im Shitstorm

Dell

Einen der ersten Shitstorms löste der amerikanische Blogger und Journalismus-Dozent Jeff Jarvis 2005 aus. Er postete seinen Frust über den Kundenservice und die Produkte des Computerherstellers Dell - andere Nutzer schlossen sich an. Über die „Dell Hell“ (Dell-Hölle) berichteten auch zahlreiche Medien.

Nestlé

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace startete 2010 eine Kampagne gegen den Schokoriegel Kitkat. Der Vorwurf: Durch die Nutzung von Palmöl werde der Regenwald und damit der Lebensraum der Oran-Utans zerstört. Das Schock-Video der Umweltschützer verbreitete sich rasant. Hersteller Nestlé ließ den Clip und die vielen Kommentare aus dem Netz löschen. Die Reaktionen darauf waren noch heftiger.

O2

Ein Blogger beschwerte sich 2011 wegen Netzproblemen bei dem Unternehmen - und bekam die Antwort, es handele sich um einen Einzelfall. Daraufhin startete er die Aktion „Wir sind Einzelfall“. Tausende Betroffene meldeten sich. O2 gestand bald ein, dass es nicht nur Einzelfälle gab und versprach, sein Netz auszubauen.

ING Diba

Nach einem Werbespot, in dem Basketballer Dirk Nowitzki eine Scheibe Wurst verspeist, fluteten Vegetarier und Veganer 2011 die Facebook-Seite der Bank. Nach einer Weile teilte das Unternehmen mit, alle Kommentare zu dem Thema zu löschen und die Diskussion damit zu beenden.

Henkel

Der Henkel-Konzern wollte 2011 im Netz das Design für eine limitierte Edition seines Spülmittels Pril bestimmen lassen. Das Unternehmen fand den Favoriten der Nutzer mit einem Grillhähnchen auf dem Etikett wohl unpassend und ließ eine Jury die beiden Designs mit den wenigsten Stimmen aus den Top 10 auswählen. Die Teilnehmer fühlten sich verschaukelt und machten ihrem Ärger im Internet Luft.

Schlecker

2011 geriet ein Brief des mittlerweile insolventen Unternehmens an die Öffentlichkeit, in dem es seinen neuen Slogan „For You. Vor Ort.“ mit dem „niedrigen bis mittleren Bildungsniveau der Zielgruppe“ verteidigte. Auf Facebook, Twitter und im Blog der Firma reagierten die Nutzer empört.

Es geht um das neue Turnschuh-Modell „JS Roundhouse Mid“ – lila Ungetüme mit einem Zusatzaccessoire: orangefarbene Plastik-Fußketten. Entworfen hat den Sneaker der angesagte US-Designer Jeremy Scott, und Adidas wollte das Modell im August auf den US-Markt bringen. „Verschärfe deinen Style“, hatten die Deutschen am Donnerstag vergangener Woche auf der Facebook-Seite geworben, „mit Sneakers so heiß, dass man sie am Knöchel festbinden muss“.

ARD-Markencheck: Nur ein kleiner Schatten auf der heilen Welt von Adidas

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Die ARD widmete sich in einer TV-Doku kritisch der Sportmarke Adidas.

Das Problem: Die Ketten ähneln fatal den Fußfesseln, mit denen in den USA früher Sklaven unterjocht wurden. Und so dauerte es nicht lange, bis sich Internet-Nutzer empörten und das Ganze von Tag zu Tag zu einem Shitstorm anwuchs. „Dumme Deutsche! Schaut in eure Vergangenheit“, schrieb eine Nutzerin auf der Facebook-Seite des Konzerns. „Ich werde nie wieder Adidas-Schuhe kaufen“, kündigte ein anderer an. Wieder einer schimpfte: „Ihr habt mein Bild von eurem Konzern komplett umgedreht. Ihr macht Euch Rassismus, Hass, Unterdrückung und das Böse zu eigen“.

Kommentare (23)

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R.W.

20.06.2012, 08:15 Uhr

Das Ganze erinnert sehr an den Karikaturenstreit, in dessen Folge Westeuropäer in Arabien ihr Leben verloren. Wird gegen Adidas jetzt auch eine Fatwa ausgerufen?

Um ein größeres PR-Debakel zu vermeiden, muss man sich wohl zum Schaden der Meinungsfreiheit, der künstlerischen Freiheit, der Geschmacksfreiheit etc. diesem Terror beugen. Damit zeigt man Erpressbarkeit und stärkt die Gegner von Vielfalt und Meinungsfreiheit.

Hitler hat seinerzeit auch Bau-Stile, Mal-Stile, Mode-Stile usw. als "krank" diffamiert und verboten. Die Amerikaner bewegen sich in diesem Fall auf dem gleichen Niveau...

plonkpirat

20.06.2012, 08:25 Uhr

Wurde auch langsam mal Zeit, diese rassistischen Artikel unter die Lupe zu nehmen und zu bannen. Da gibt es aber noch viel mehr, auf die man sein Augenmerk richten sollte. Auch offen zur Schau gestellten und getragenen Badehosen in den Freibädern erinnern sehr an die Bekleidung der gefangenen und in die USA verbrachten N...eubürgern Amerikas schwarzafikanischer Herkunft und Beute arabisch islamischer Sklavenjäger.Sollte man auch mal einen Shitstorm entfachen, oder die Dinger einfach nicht mehr öffentlichkeitswirksam tragen - oder so.

Account gelöscht!

20.06.2012, 08:30 Uhr

Typisch Ami(Gringo). Sofort wenn es geht Sammelklage gegen Adidas einreichen, würde sagen,da sind 200 Millionen angemessen. Rassismus, Demütigung und Hass sind sehr teuer.Bei Abzockerei durch "White collar Crime" conman ist das FBI
mit den Investigations nicht so schnell zur Stelle,wenn überhaupt. Dies behauptet einer, der schon seit 2 Jahren diverse Anzeigen gemacht hat und keinerlei Reaktion darauf erhalten hat.
So schauts nämlich aus.

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