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31.05.2012

17:46 Uhr

Adidas-Rivale

Nike will Umbro verkaufen

VonThomas Jahn, Lukas Bay

Der britische Sportartikelhersteller Umbro steht vor dem Verkauf, teilt Mutterkonzern Nike mit. Erst kürzlich hatten die US-Amerikaner den Briten ein wichtiges Sponsoring weggeschnappt.

Der ehemalige englische Nationalspieler Paul Gascoigne wirbt derzeit für Umbro, den Trikotsponsor des englischen Teams. Screenshot Umbro

Der ehemalige englische Nationalspieler Paul Gascoigne wirbt derzeit für Umbro, den Trikotsponsor des englischen Teams.

BeavertonZurück zu den Wurzeln: Nike trennt sich von Fußballspezialist Umbro und Schuhhersteller Cole Haan. Der weltweit größte Sportartikelproduzent konzentriert sich damit auf seine Kernmarke Nike. Mit dem Verkauf besitzt das US-Unternehmen nur noch die Bekleidungs- und Surfmarke Hurley, die Basketballmarke Jordan und die Lifestyle-Marke Converse als Töchter. „Wir bündeln unsere Ressourcen auf die besten Wachstumschancen für Nike“, sagte Mark Parker, Vorstandschef von Nike in einer Pressemitteilung. Offenbar haben Cole Haan und Umbro nicht die „spezielle Kundenbeziehung“, wie es Parker schreibt, die Converse, Jordan oder Hurley noch haben.

Der Verkauf soll bis Mai 2013 abgeschlossen sein, wenn das Geschäftsjahr von Nike endet. Einen Kaufpreis nannte Nike nicht. Es gibt auch noch keinen Käufer, die Ankündigung soll Interessenten anlocken. Beide Marken verzeichneten laut Nike im jüngsten Quartal Umsatzzuwächse bei fallenden Gewinnmargen. In der einer Telefonkonferenz im März mit Analysten lobte Finanzvorstand Donald Blair das „unglaubliche Wachstum und Potenzial“ von Converse und das „robuste Wachstum“ der Marke Nike – aber sagte kein Wort zu Cole Haan und Umbro. 

Wen Umbro derzeit sponsert

Manchester City

Die Citizens feierten diese Saison den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte und sicherten sich nach 44 Jahren wieder den Meistertitel. Das Sponsoring von Umbro läuft im Sommer 2013 aus.

Athletic Bilbao

Die Basken ballerten sich 2012 bis ins Finale der Europa League. Mit verhältnismäßig geringen Mitteln spielt Athletic auch einigermaßen erfolgreich in der spanischen Primera Devision.

Blackburn Rovers

Für die Rovers war es ein weniger erfolgreiches Jahr. Der englische Traditionsclub verabschiedete sich mit dem 19. Platz aus der Premier League. Nächstes Jahr muss der Club zweitklassig ran.

Southampton FC

Die "Saints" schaffen dagegen den Weg zurück in die oberste englische Spielklasse. Es wird wohl ihre letzte Saison in den rot-weißen Trikots von Umbro. Das Sponsoring läuft ebenfalls im Sommer 2013 aus.

Glasgow Rangers

Jahrelang war der schottische Meistertitel für das Team aus Glasgow reserviert. Kein Verein holte weltweit mehr Meistertitel. Es brachte nichts: Der Verein musste diese Saison Insolvenz anmelden.

Lille OSC

Die Nordfranzosen schlossen in der heimischen Liga als dritter ab. Im Trikot des Vereins läuft unter anderem der englische Nationalspieler Joe Cole auf.

England

Die drei Löwen auf der linken Brust, und das Umbro-Zeichen rechts. Die englische Nationalmannschaft läuft bei internationalen Turnieren mit der Ausrüstung aus Manchester auf.

Schweden

Einigermaßen überraschend konnten sich auch die Schweden für die Europameisterschaft 2012 qualifizieren. Auch die Skandinavier werden von Umbro ausgerüstet.

Irland

Vor der WM scheiterten die Iren nur an der Hand des französischen Stürmers Thierry Henry. Diesmal klappt es mit dem großen Turnier. Die grünen Trikots kommen vom Nachbarn aus England.

John Terry (FC Chelsea)

Wegen einem Rassismus-Skandal hat der Verteidiger nicht nur seine Rolle als Kapitän der englischen Nationalmannschaft verloren, auch sein Sponsorenvertrag stand lange auf dem Spiel.

Andy Carroll (FC Liverpool)

Der englische Nationalstürmer gehört ebenfalls zu den Werbegesichtern des britischen Sportartikelherstellers. In der Liga stürmt er für die Reds aus Liverpool.

Joe Hart (Manchester City)

England hatte in den vergangenen Jahren nicht besonders viel Glück mit Torhütern. Joe Hart ist die Ausnahme. Der Keeper spielt im Verein eine souveräne Saison und soll zum Rückhalt der Nationalmannschaft werden.

Nike steht derzeit gut da. Im März lieferte das Unternehmen solide Zahlen für das dritte Geschäftsquartal ab. Trotz der weltweit steigenden konjunkturellen Unsicherheit konnte Nike die Gewinne steigern und ein robustes Wachstum bei Schuhen und Sportbekleidung in den meisten Märkten vermelden. Obwohl Nike derzeit eine Spitzenstellung innehat, fürchten die US-Amerikaner aber nachlassende Margen. Höhere Rohstoffkosten etwa für Baumwolle, Plastik und Öl könnten die Bilanz belasten. Die meisten Verkäufe erzielt Nike mit seiner Stammmarke.

Umbro dagegen hat die Erwartungen enttäuscht. Die alteingesessene Marke aus Manchester sollte das Fußball-Profil der Amerikaner schärfen. Die Briten waren eine der ersten Firmen für Fußballausrüstung und stellt bereits seit 1924 Fußballschuhe und Zubehör her. Nike erwarb das Unternehmen erst vor vier Jahren für 582 Millionen Dollar. Vor wenigen Wochen hatte der US-Konzern angekündigt, Umbro ab 2013 als Trikothersteller des frischgebackenen englischen Meisters Manchester City abzulösen.

Cole Haan erwarb der Konzern mit Sitz in Portland im US-Bundesstaat Oregon 1988 für 95 Millionen Dollar. Die 1928 gegründete Traditionsfirma stellte ursprünglich nur Männerschuhe her, weitete aber in den siebziger Jahren sein Angebot auf Frauenschuhe, Handtaschen und Sonnenbrillen aus. Die Marke besitzt acht Flagship-Geschäfte, sieben davon in Amerika und einen Hauptladen in Tokio.

Nike wächst derzeit stark, allein im jüngsten Quartal stieg der Umsatz um 15 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Allerdings kämpft das Unternehmen wie die gesamte Branche mit steigenden Kosten für Material und Transport. Kürzlich brachte der Sportriese zwei neue Untermarken von Nike auf den Markt: Die Fitnesssoftware Nike + und die leichte Sportbekleidung FlyKnit. Von letzterer schwärmte Parker in der Analystentelefonkonferenz besonders: „Sie hat das Potenzial, alles zu verändern“. Die „radikal neuen Konzepte“ würden „ungeheuerliche Möglichkeiten“ eröffnen, so Parker. Anscheinend scheint das für Cole Haan und Umbro nicht mehr der Fall zu sein.

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