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27.05.2014

16:53 Uhr

Ägypten

Schrauben nach der Revolution

VonCaspar Tobias Schlenk

Ägypten wählt derzeit seinen neuen Präsidenten. Einer der wichtigsten Aufgaben des neuen Staatsoberhauptes wird es sein, die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu beseitigen. Bis es soweit ist, helfen deutsche Unternehmen.

Kinder mit der ägyptischen Flagge: Das Land ist im Umbruch, auch das Bildungssystem ist verbesserungswürdig. Reuters

Kinder mit der ägyptischen Flagge: Das Land ist im Umbruch, auch das Bildungssystem ist verbesserungswürdig.

Kairo Es sind die kleinen Probleme, in denen sich die Berufsschule am Stadtrand von Kairo von Ausbildungsstätten im Schwabenland unterscheidet. Eine Schülerin, die sich weigert Schutzkleidung anzuziehen – aus religiösen Gründen. Oder ein Schüler, der sich nichts von einer weiblichen Trainerin sagen lassen will. Kleine „kulturelle Differenzen“, nennt Bernd Sulz so etwas. Seit dem vergangenen Oktober bildet Sulz für Daimler Wartungsmechaniker aus. Das duale Ausbildungssystem hat der schwäbische Autobauer kurzerhand nach Ägypten exportiert.

Die in Ägypten ansässigen Unternehmen suchen derzeit verzweifelt nach Arbeitskräften – und doch sind viele junge Ägypter arbeitslos. Fast jeder dritte Ägypter unter 25 Jahren hat keinen Job, schätzen Experten. Es fehlt an einem guten Ausbildungssystem: „Die Forschungseinrichtungen der Universitäten sind veraltet und liegen weit unterhalb des Weltstandards“, sagt Rainer Herret, Geschäftsführer der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer. Auch die Schulbildung sei schlecht.

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Die Verbesserung des Bildungssystems und die Beseitigung der hohen Arbeitslosigkeit – das sind nur zwei der vielen Aufgaben für den neuen Präsidenten der zurzeit in Ägypten gewählt wird. Doch bis er nennenswertes erreicht, bleibt den Unternehmen keine andere Wahl als ihre Mitarbeiter selbst auszubilden. Ansonsten seien die Firmen „nicht in der Lage internationale Qualitätsstandards mit ihren lokal gefertigten Produkten zu erfüllen“, sagt Herret.

Und so bildet der deutsche Autobauer im Industriegebiet von Kairo 20 junge Ägypter aus. Die kleine Werkstatt im Erdgeschoss lässt die Schüler die Hektik der Großstadt vergessen: Es ist sauber und ruhig – in der Mitte stehen fünf Lehrlinge mit dem Trainer, dicht gebeugt über einen Motor. Langsam dreht der Trainer eine größere Schraube hinein. In der Ecke sitzt ein Mädchen an einem Computer und recherchiert, welchen Schritt sie am Motor als Nächstes tun muss. „Insgesamt sieht man den Fortschritt bei den Lehrlingen“, sagt Sulz, der in Ägypten auch für die Ausbildung des Wartungspersonals verantwortlich ist. Eine zweite Klasse soll demnächst beginnen. Die kleinen kulturellen Probleme haben Sulz und seine Kollegen gelöst.

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