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06.01.2005

09:45 Uhr

Änderungen beim Patentgesetz forcieren Umbau der Branche

Indische Pharmafirmen verstärken eigene Forschung

VonTillmann Neuscheler

Nach dem Boom der indischen IT-Industrie arbeitet die Pharmabranche des Subkontinents an einer ähnlichen Erfolgsgeschichte.

HB NEU DELHI. Mit der Produktion von Generika, also Kopien von Medikamenten, deren Patente abgelaufen sind, haben indische Unternehmen wie Ranbaxy, Wockhardt und Dr. Reddy’s Märkte auch außerhalb Indiens erobert: Bereits vor vier Jahren erwarb Ranbaxy die deutsche Generika-Sparte von Bayer, die Basics GmbH in Leverkusen. Als im Frühjahr der deutsche Generika- Hersteller Esparma zum Verkauf stand, erhielt Wockhardt den Zuschlag. Sobald die Inder ihre Nachahmerprodukte auf den Markt bringen, purzeln die Preise und die Originalmedikamente verlieren schnell Marktanteile. Jetzt beginnen die indischen Pharmaunternehmen, eigene Medikamente zu entwickeln.

Jahrzehntelang hatte die indische Regierung das Abkupfern durch eine laxe Patentgesetzgebung unterstützt. Nicht der Wirkstoff selbst, sondern lediglich das Herstellungsverfahren konnte patentiert werden. Wer einen anderen Weg fand, konnte Wirkstoffe getrost nachahmen. Das so genannte „Reverse Engineering“ entwickelte sich zu einer indischen Mode.

„Das wird in Zukunft so nicht mehr gehen“, sagt Tejendra Khanna, Aufsichtsratsvorsitzender von Indiens größtem Pharmaunternehmen Ranbaxy. Der ehemalige Handelsminister Indiens spielt auf eine Änderung der indischen Patentgesetze an, die den Umbau der indischen Pharmabranche antreibt. Ab dem kommenden Jahr muss Indien internationale Produktpatente honorieren, die nach 1995 vergeben wurden. Damit geht die Zeit des unbegrenzten Abkupferns zu Ende. „Die großen Hersteller wissen das seit zehn Jahren“, sagt Khanna, „seither arbeiten sie an eigenen Forschungsplattformen.“

Bislang hatten Indiens Pharmahersteller kaum Interesse an der Entwicklung eigener Arzneimittel. Auch bei Ranbaxy stammen noch fast alle Umsätze aus dem Generika-Geschäft: 972 Mill. Dollar Umsatz erzielte das Unternehmen aus Delhi im vergangenen Jahr – Eigenentwicklungen trugen gerade einmal sechs Mill. Dollar bei. Das soll sich ändern: „2012 sollen 40 Prozent unserer Umsätze aus Eigenentwicklungen stammen“, sagt Khanna.

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