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17.01.2008

13:11 Uhr

Ärger für Pharmakonzerne

Gerichte machen Generika den Weg frei

VonSiegfried Hofmann

Sowohl in der EU als auch in den USA könnten Patente bald wesentlich leichter angreifbar sein. In Europa setzt vor allem die Politik die Pharmahersteller unter Druck, in den Vereinigten Staaten weicht ein Gericht nach dem anderen die Gültigkeit von Patenten auf.

Gerichte weichen Arzneimittelpatente auf. Foto: dpa dpa

Gerichte weichen Arzneimittelpatente auf. Foto: dpa

FRANKFURT. Während in Europa die EU-Kommission Druck auf die Pharmakonzerne entfaltet, sorgen in den USA Gerichtsentscheidungen und die aggressiveren Strategien der Generikafirmen für Zweifel an den Patentpositionen der Originalhersteller.

Das nächste prominente Opfer dieser Entwicklung könnten der US-Konzern Wyeth und die Schweizer Nycomed-Gruppe mit ihrem Topprodukt Protonix (Pantoprazol), dem einstigen Besteller von Altana, werden. Dem Magenmedikament mit zuletzt etwa vier Mrd. Dollar Jahresumsatz droht im ungünstigsten Fall schon in diesem Jahr massive Generika-Konkurrenz auf dem US-Markt. Ausgerechnet an Heiligabend hatte der israelische Pharmahersteller Teva angekündigt, trotz offener Patentverfahren mit einer eigenen Protonix-Variante auf den US-Markt zu gehen.

Setzt Teva das Vorhaben in die Tat um, würde das Geschäft mit dem Bestseller bereits zwei Jahre vor dem regulären Patentablauf unter die Räder kommen. Vor allem die Nycomed-Gruppe, die sich Ende 2006 mit der 4,6 Mrd. Euro teuren Übernahme von Altana Pharma verstärkte, müsste in diesem Fall Strategie und Finanzplanung neu durchrechnen.

Kenner der Branche schätzen, dass Wyeth jährlich etwa eine halbe Mrd. Euro an Lizenzgebühren überweist, die dann schneller als erwartet zusammenschrumpfen würden. „Der finanzielle Effekt wäre erheblich“, sagt Michael Seewald, Pharmaexperte der Ratingagentur Standard & Poor’s. Ob es am Ende tatsächlich zu diesem „worst case“ kommt, entscheidet sich in den nächsten Tagen in Verhandlungen zwischen Teva und den Kontrahenten Wyeth und Nycomed.

Die Gefechtslage ist nach wie vor kompliziert. Der eigentliche Rechtsstreit um das Pantoprazol-Patent wird erst im Laufe des Jahres, möglicherweise sogar erst 2009 entschieden. Und bei Nycomed gibt man sich kämpferisch: „Wir sind extrem zuversichtlich, dass das Patent hält“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Bereits im September scheiterten Nycomed und Wyeth allerdings mit dem Versuch, Teva per einstweiliger Verfügung von der Vermarktung einer Nachahmerversion abzuhalten.

Der zuständige Richter bescheinigte dem Generikahersteller vielmehr, ernsthafte Fragen zum Pantoprazol-Patent aufgeworfen zu haben. Das interpretieren Fachleute als Indiz für mögliche Schwächen in der Patentposition. Für den Finanzinvestor EQT und die Brüder Strüngmann waren die Risiken beim Pantoprazol-Patent 2006 ein Grund, im Bieterwettbewerb um Altana Pharma Nycomed das Feld zu überlassen.

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