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19.02.2013

16:14 Uhr

Ärger mit Klimaanlagen

Daimlers S-Klasse droht Verkaufsstopp

Der Autokonzern will die Jagd auf die Konkurrenz eröffnen. Doch nun droht Ärger mit dem Daimler Flaggschiff. Für die Klimaanlagen der S-Klasse nutzt der Konzern ein umstrittenes Kältemittel. Die Zulassung ist in Gefahr.

Produktion von S-Klasse-Fahrzeugen in Sindelfingen. dpa

Produktion von S-Klasse-Fahrzeugen in Sindelfingen.

StuttgartDem Autobauer Daimler droht im Streit mit den Behörden über Pkw-Klimaanlagen weiterer Ärger. Denn auch das im Sommer auf den Markt kommende neue Flaggschiff von Mercedes-Benz, die Luxuslimousine S-Klasse, könnte die Verkaufszulassung verlieren. Vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) wurde die Fahrzeugzulassung auf Basis des umstrittenen neuen Kältemittels HFO 1234yf erteilt, wie ein Daimler-Sprecher am Dienstag bestätigte. Dieses Kältemittel will der Autohersteller jedoch wegen Sicherheitsbedenken nicht mehr in die Klimaanlagen einfüllen und nutzt stattdessen das seit vielen Jahren gebräuchliche, aber als Klimakiller verschrieene Mittel R134a.

Damit riskieren die Schwaben, dass das KBA in Flensburg Fahrzeug-Zulassungen widerruft und den Verkauf einiger Mercedes-Baureihen in Deutschland untersagt. Auch die neuen Mercedes-Kompaktbaureihen A- und B-Klasse sowie den neuen Sportwagen SL liefert Daimler - entgegen den behördlichen Zulassungen und den ursprünglichen Plänen - mit dem klimaschädlicheren Kältemittel aus.

Einen Verkaufsstopp durch das KBA will Daimler zwar abwenden, aber das Kältemittel HFO 1234yf keinesfalls mehr nutzen. „Die Verwendung von HFO 1234yf kommt nicht infrage“, sagte der Sprecher. „Wir sind in Gesprächen mit der EU-Kommission und dem Kraftfahrtbundesamt und sind überzeugt, dass wir eine Lösung finden werden“, sagte er. Über Details der Lösung wollte er keine Angaben machen.


Daimler steckt in der Zwickmühle: Wie andere Autobauer wollte der Stuttgarter Hersteller ab Jahresbeginn schrittweise auf das von den US-Chemiekonzernen DuPont und Honeywell entwickelte Kältemittel HFO 1234yf umsteigen, da sich bei Tests als zuverlässig erwiesen hatte. Das klimaschädlichere Gas R134a soll spätestens 2017 in der EU aus allen Neuwagen verbannt werden - das sieht seit dem 1. Januar eine EU-Richtlinie zum Klimaschutz vor. Doch bei Crashtests von Daimler im Spätsommer 2012 entzündete sich das neue Kältemittel in Mercedes-Benz B-Klasse-Modellen und führte zu Verätzungen. Das Risiko sei für die Autofahrer zu groß, entschied Daimler, rief mehrere hundert Autos zurück und tauschte das neue Kältemittel gegen das alte, klimaschädlichere aus.

Dafür erntete der Konzern Beifall von ungewohnter Seite: Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, teilt die Sicherheitsbedenken von Daimler gegen das neue Kältemittel. „Wir warnen davor seit Jahren“, sagte Flasbarth im Interview mit Reuters. „Die Tests von Daimler haben nur unsere Befürchtungen bestätigt und legen nahe, dass wir die Risiken sogar noch unterschätzt haben“, urteilt der Umweltexperte.

Daimler riskiert im Streit mit den Behörden in Flensburg und der EU viel: Denn mit den neuen kompakten Mercedes-Modellen der A- und B-Klasse sowie dem neuem Modell der S-Klasse will der Stuttgarter Autobauer seine Aufholjagd auf die davongezogene Konkurrenz von BMW und Audi beginnen. Bei diesen neuen Fahrzeugen ist Daimler daher zum Verkaufserfolg verdammt, der mögliche Widerruf der Zulassungen würde diesem Angriff zuwiderlaufen. Der Plan von Konzernchef Dieter Zetsche könnte dann scheitern: Er will bis spätestens 2020 die an die Wettbewerber verlorene Marktführerschaft bei Premium-Autos mit Mercedes-Benz wiedererlangen.

 

Von

rtr

Kommentare (5)

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Ingrid

19.02.2013, 18:35 Uhr

......wer spricht überhaupt noch über diesen Laden? Es lohnt nich mehr. Es war einmal. Am besten ab nach China. Weitere Worte sind nicht mehr nötig.

Ronny

19.02.2013, 19:00 Uhr

Da haben Dupont und Honeywell auf jeden Fall geschickte Lobbyarbeit geleistet,
Die Brennbarkeit ist nichtbdas alleinige Problem, extrem gefählich sind Verätzung von Haut, Augen und Atemwegen. Kleinste Mengen können beispielsweise zur Erblindung führen.
Eine Füllung kostet zwischen 120-150 € da es nur zwei Anbieter gibt.
CO2 kostet fast gar nichts und ist vollkommen ungefährlich, doch viel Geld verdienen läßt sich damit nicht. Es bleibt jedoch die Wirkung als Ozon-Killer, was jedoch möglicherweise nicht so tragisch ist, da die Mengen im Vergleich zu anderen Emmitenten, wie Fabrikanlagen, Heizungen und Motoren vergleichsweise gering sind. Für HFO 1234yf liegt allerdings erstmal gar keine Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Interessant wäre es zu wissen, welche Abgeordneten in Berlin oder Lobbytown (=Brüssel) direkt oder indirekt Beraterverträge mit Dupont und Honeywell haben.

Ludwig500

19.02.2013, 23:16 Uhr

Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich eher den Aussagen eines etablierten Automobilherstellers, der in Sicherheitsfragen oft eine Vorreiterrolle eingenommen hat, oder einer EU-Behörde glauben schenken soll, dann muss ich nicht lange überlegen. Wie der Vor-Schreiber schon auzsführt, je nach Stimmgewalt der Lobbyisten sind die Brüsseler Sesselpuper für oder gegen alles. Hauptsache sie liefern hin und wieder einen Arbeitsnachweis in Form einer Verordnung ab.
Ich hoffe, dass Daimler standhaft bleibt. Sicherheit geht vor Unternehmensinteressen.

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