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04.07.2014

01:27 Uhr

Äußerungen zu angeblicher Übernahme

VW-Chef ärgert sich über Daimler-Manager

Nach Aussagen des Lkw-Vorstands bei Daimler plant VW die Übernahme eines US-Nutzfahrzeugherstellers. Die Wolfsburger dementieren verägert und werden sich wohl beim Stuttgarter Konkurrenten beschweren.

VW-Chef Martin Winterkorn: „Genug damit zu tun, die Integration von Scania voranzubringen“ dpa

VW-Chef Martin Winterkorn: „Genug damit zu tun, die Integration von Scania voranzubringen“

PotsdamVolkswagen hält sich die Möglichkeit einer Übernahme eines weiteren Lkw-Bauers offen, will vorerst aber sein Geld zusammenhalten. „Wir haben genug damit zu tun, die Integration von Scania voranzubringen“, sagte Konzernchef Martin Winterkorn am Donnerstagabend am Rande der Präsentation des neuen Mittelklassewagens Passat in Potsdam.

„Wir haben zwar eine volle Kasse, aber 16 oder 17 Milliarden Euro für Paccar auf den Tisch zu blättern...?“, fügte Winterkorn hinzu, ohne den Satz zu beenden. Volkswagen hatte Ende März 17,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Geld benötigt Europas größter Autokonzern vor allem für Investitionen in neue Automodelle und die weitere Modernisierung der Produktion.

Wolfgang Bernhard, Lkw-Vorstand bei Daimler, hatte mit Äußerungen über angebliche Pläne von VW zur Übernahme von Paccar für einen Affront gesorgt. Mehrere Analysten berichteten, Bernhard habe auf einer Veranstaltung in Berlin gesagt, der Wolfsburger Konzern bereite den milliardenschweren Kauf des US-Nutzfahrzeugkonzerns vor.

Nach Aussagen des Daimler-Managers plant VW, die Übernahme im kommenden Jahr anzugehen. Bernhard berief sich den Analysten zufolge auf mehrere ernstzunehmende Quellen, die ihm von den VW-Plänen berichtet hätten. Volkswagen wies dies entschieden zurück.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Auf die Frage, ob er je erlebt habe, dass sich ein Manager eines konkurrierenden Konzerns über angebliche Pläne eines anderen öffentlich in dieser Art geäußert habe, antwortete Winterkorn: „Noch nie.“ Ein Konzerninsider sagte, Volkswagen werde Bernhards Vorgehen nicht unkommentiert lassen. Es wurde erwartet, dass VW bei Daimler in Stuttgart vorstellig wird, um sich über Bernhard zu beschweren.

VW will aus seinen Lkw-Töchtern Scania und MAN eine schlagkräftige Allianz schmieden, die es mit den führenden Lastwagenbauern Daimler und Volvo aufnehmen kann. Mit einer Übernahme von Paccar würde VW den Abstand zum Weltmarktführer aus Stuttgart verringern und bekäme zugleich auf dem wichtigen US-Markt einen Fuß in die Tür. Dort sind die Wolfsburger bisher im Lkw-Geschäft nicht präsent.

Von

rtr

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