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23.12.2014

11:11 Uhr

Agrarchemie

Bayer hält weitere Übernahmen für möglich

Im Agrarchemie-Geschäft schließt der Konzern Bayer weitere Übernahmen und Fusionen nicht aus. Bayer CropScience belegt unter den großen Agrarchemie-Unternehmen aktuell weltweit den dritten Platz.

Nach dem US-Konzern Monsanto und Syngenta aus der Schweiz belegt Bayer CropScience unter den großen Agrarchemie-Unternehmen aktuell weltweit den dritten Platz. dpa

Nach dem US-Konzern Monsanto und Syngenta aus der Schweiz belegt Bayer CropScience unter den großen Agrarchemie-Unternehmen aktuell weltweit den dritten Platz.

FrankfurtBayer hält im Agrochemiegeschäft trotz stark gefestigter Branchenstrukturen weitere Übernahmen und Fusionen für möglich. Zu einem möglichen Interesse an der Landwirtschaftschemie-Sparte des US-Rivalen Dupont hielt sich der Chef von Bayer CropScience, Liam Condon, im Interview mit der „BörsenZeitung“ (Dienstagausgabe) allerdings bedeckt.

„Sie werden verstehen, dass ich dazu nichts sage“, entgegnete Condon auf die entsprechende Frage. Bei DuPont fordert seit einiger Zeit der Investor Nelson Peltz einen radikalen Umbau, der auch eine Abspaltung der Agrochemie-Sparte einschließt. Das Landwirtschaftschemie-Geschäft der Amerikaner schwächelte zuletzt deutlich.

Bayer CropScience belegt unter den großen Agrarchemie-Unternehmen aktuell weltweit den dritten Platz nach dem US-Konzern Monsanto und Syngenta aus der Schweiz. Danach folgt der US-Konzern DuPont. BASF und Dow Chemical rangieren mit ihren Agrochemiesparten mit einigem Abstand dahinter.

150 Jahre Bayer

Anfänge als Farbenfabrik

Die Geschichte des Weltkonzerns Bayer beginnt 1863 in Wuppertal-Barmen. Der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färber Johann Friedrich Weskott gründen die Firma „Friedr. Bayer et. comp.“. Sie stellt zunächst synthetische Farbstoffe her.

Expansion und Umzug

Das Unternehmen wächst schnell, ebenso die Produktpalette – etwa um ein Medikament namens Aspirin. Bereits 1881 wird die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“. Im Zuge der Expansion zieht das Unternehmen 1912 nach Leverkusen um, dem heutigen Hauptsitz.

Die Wirren der Weltkriege

Weil Deutschland während des Ersten Weltkriegs international isoliert ist, schließen sich 1916 Bayer, BASF und Agfa zu einer Interessensgemeinschaft zusammen, die beispielsweise die schlechte Versorgung mit Rohstoffen verbessern soll. 1925 fusionieren die Unternehmen zur I.G. Farbenindustrie AG. In der NS-Zeit ist die IG Farben eng mit dem Regime verknüpft.

Neustart ins Wirtschaftwunder

Nach Kriegsende lebt Bayer als eigenständiges Unternehmen wieder auf: 1951 wird nach Zustimmung der Alliierten die „Farbenfabriken Bayer AG“ neu gegründet. Die Firma profitiert vom Wirtschaftswunder und expandiert bald auch international. Sie entwickelt und vermarktet chemische Produkte, Kunststoffe, Arzneien und Pflanzenschutzmittel.

Großer Umbruch

1999 trennt sich Bayer von seiner Tochter Agfa, 2005 von großen Teilen des Chemiegeschäfts, die inzwischen unter dem Namen Lanxess eigenständig weitergeführt werden. Ausgebaut hat der Konzern hingegen das Geschäft mit Gesundheit und Agrarwirtschaft, unter anderem durch den Zukauf der Crop-Science-Sparte von Aventis sowie der Übernahme von Schering.

„Es besteht zumindest die theoretische Möglichkeit zu weiterer Konsolidierung“, sagte Condon, der seit zwei Jahren den Bayer-Teilkonzern steuert. Bayer und Syngenta seien im Pflanzenschutz sehr stark, Monsanto und DuPont seien hingegen im Saatgutmarkt breit aufgestellt. Dazu kämen zwei kleinere Firmen. „Allerdings hat heute jedes Unternehmen viel Freude an seinem Agrogeschäft und wird nicht freiwillig verkaufen.“

Das Geschäft von Bayer CropScience hat sich nach den Worten des Spartenchefs in diesem Jahr positiv entwickelt. „Wir schätzen aber, dass wir in diesem Jahr doppelt so schnell wachsen wie der Markt und entsprechend Marktanteile gewonnen haben“, sagte Condon.

Zielrendite (Ebitda-Marge) für den Bayer-Teilkonzern seien 24 bis 25 Prozent. „Wettbewerber nennen diese Zielmarge als langfristiges Ziel, wir sind dagegen schon da.“ In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres kam die CropScience-Sparte auf eine operative Rendite vor Sondereinflüssen von 27,3 Prozent.

Nachholbedarf sieht der Manager für den Teilkonzern noch bei einigen Kulturen im Saatgutgeschäft. Bei Baumwolle, Reis und Raps sei Bayer CropScience bereits Marktführer. „Auch bei Soja und Weizen streben wir das an, allerdings sehr langfristig.“

Im Geschäft mit Soja-Saatgut will Bayer die Position in Lateinamerika deutlich ausbauen. Langfristiges Ziel sei es, unter die Top drei zu kommen. „Bei Soja wollen wir binnen der nächsten zehn Jahre am Ziel sein, bei Weizen wird es länger dauern.“

Von

rtr

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