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11.10.2015

09:53 Uhr

Agrarroboter

Wie Bosch die Agrarbranche umkrempeln will

Bislang beschränkt sich Agrar-Hightech auf Traktor und Mähdrescher. Doch es kündigen sich neue Zeiten an. Bosch arbeitet an einem Agrarroboter, der die Ernte nicht nur übernehmen, sondern auch die Erträge erhöhen soll.

Der Agrarroboter Bonirob von Bosch könnte wie einst der Traktor und der Mähdrescher die Landwirtschaft revolutionieren. dpa

Sieht so die Revolution in der Landwirtschaft aus

Der Agrarroboter Bonirob von Bosch könnte wie einst der Traktor und der Mähdrescher die Landwirtschaft revolutionieren.

RenningenEs ist ein graues Ungetüm auf einem grünen Feld, das sich da im Schneckentempo fortbewegt. Ein klobiger Kasten auf vier Rädern, daran Drähte und Antennen – kein Fahrer weit und breit. Was auf den ersten Blick doch irgendwie seltsam deplatziert wirkt auf einem Zuckerrüben-Acker bei Stuttgart, ist tatsächlich Hightech; und der Technologiekonzern Bosch knüpft daran große Erwartungen. Mit dem Agrarroboter Bonirob soll der Ernteertrag quasi auf Knopfdruck erhöht werden. Noch ist das Gerät im Erprobungsstadium, 2018 könnte die kommerzielle Markteinführung im großen Stil erfolgen.

Ein 20-köpfiges Projektteam betreut das Produkt, es ist der erste Agrarroboter bei Bosch und wohl auch der erste im deutschen Markt mit so umfassenden Autopilot- und Analysefunktionen. Vorausgesetzt, all die Funktionen sind auch realitätstauglich.

Der Bonirob beseitigt Unkraut ohne Pestizide, mit kleinen Bolzen drückt er die Pflanzen in die Erde. „Das gibt den Nutzpflanzen daneben den entscheidenden Wachstumsvorteil“, sagt Entwickler Amos Albert. Was Unkraut ist, erkennt der Roboter über Sensoren und Kameras. Wächst beispielsweise Kamille als Beikraut neben den gewünschten Möhren, bekommt die Kamille gewissermaßen einen auf den Deckel – und ist raus aus dem Rennen um die fürs Wachstum so dringend benötigten Sonnenstrahlen.

Eine weitere Funktion betrifft die Auswahl des besten Saatguts. Bei der sogenannten Bonitur – daher der Roboter-Name Bonirob – soll in der Pflanzenzucht objektiv bestimmt werden, wie weit einzelne Gewächse sich entwickelt haben. Wie groß ist das Blatt, wie intensiv ist die Farbe einer Blume? Dann weiß ein Landwirt rasch, wo auf dem Feld sich die Pflanzen am besten entwickelt haben und somit das beste Material zur Weiterzucht ist. Diese automatische und objektive Analyse sei ein immenses Plus für höhere Ernteerträge, sagt Albert.

In einigen Kilometern Entfernung zum Feld sitzt der Manager Michael Bolle im neu errichteten, 300 Millionen Euro teuren Bosch-Forschungscampus. Er ist der oberste Forscher in dem Technologiekonzern, 1200 fest angestellte Biologen, Physiker oder Chemiker arbeiten in dem Campus unter seiner Leitung. Das Bonirob-Start-up ist formal gesehen nur ein kleines Rädchen in der riesige Forschungsoase, zugleich ist es aber ein Vorzeigeprojekt.

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