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11.11.2015

19:52 Uhr

Agrochemie

Durststrecke auf dem Acker

VonSiegfried Hofmann, Bert Fröndhoff

Die schwachen Märkte in der Landwirtschaft belasten die Agrochemie-Branche. Sie leidet unter Ertragseinbußen und Konsolidierungsdruck. Eine schnelle Trendwende ist für Konzerne wie Bayer, BASF oder Monsanto nicht in Sicht.

Für die großen Agrochemie-Konzerne ist die Lage schwierig. dpa

Durststrecke

Für die großen Agrochemie-Konzerne ist die Lage schwierig.

Frankfurt/DüsseldorfMehr als ein Jahrzehnt lang war das Agrargeschäft eine sichere Bank für die Chemiebranche. Ein wachsender Nahrungsmittelbedarf, steigende Getreidepreise und der Boom bei nachwachsenden Rohstoffen beflügelten die Nachfrage nach Saatgut, Pflanzenschutz und Düngemitteln. Die Umsätze der in diesem Bereich tätigen Unternehmen haben sich seit 2005 im Schnitt mehr als verdoppelt, die Erträge mehr als verdreifacht.

Doch inzwischen hat sich der Wind spürbar gedreht, wie unter anderem die jüngsten Quartalszahlen aus der Branche belegen. Im Schnitt verbuchten die Akteure in den ersten neun Monaten 2015 deutlich zweistellige Ertragseinbußen, wobei die europäischen Agrochemie- und Düngerproduzenten tendenziell noch etwas besser abschnitten  als ihre US-Konkurrenten.

BASF, Bayer, Dupont, Monsanto, Syngenta: Das große Umpflügen in der Agrochemie

BASF, Bayer, Dupont, Monsanto, Syngenta

Das große Umpflügen in der Agrochemie

Das sonst hochprofitable Geschäft der Agrochemie-Branche läuft schlecht – auch für deren Zulieferer. Unter den Herstellern von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln erwarten Analysten daher Übernahmen. Wer redet mit wem?

Auslöser für die Trendwende ist vor allem die deutlich verschlechterte Einkommenssituation in der Landwirtschaft, verursacht durch starke Ernten und rückläufige Getreidepreise. Die Weizenpreise in Nordamerika etwa sind seit 2012 um mehr als ein Drittel gesunken, die US-Preise für Mais noch stärker. Die Rezession in Brasilien, einem der führenden Agrarproduzenten, hat die Entwicklung  zusätzlich verschärft. Schwache Einkommen und die Abwertung des Real sorgen hier dafür, dass brasilianische Landwirte deutlich weniger in Pflanzenschutz und Saatgut investieren. Viele können sich die teuren, genmodifizierten Saaten nicht mehr leisten.

Das hat vor allem bei den in diesem Bereich stark engagierten US-Agrochemieriesen Monsanto, Dupont und Dow Chemical deutliche Spuren hinterlassen. Sie verbuchten in den ersten neun Monaten Ertragsrückgänge zwischen 12 Prozent (bei Monsanto) und gut 40 Prozent bei Dow – und  versuchen sich nun unter anderem mit M&A-Transaktionen besser aufzustellen. Dupont etwa verhandelt über eine Fusion seiner Agrosparte mit Syngenta. Dow prüft den Verkauf seiner Agrosparte. Monsanto hat nach dem gescheiterten Übernahmeversuch bei Syngenta seine Sparmaßnahmen verschärft und plant den Abbau von 2600 Stellen.

Das sind die größten Agrochemie-Hersteller

Syngenta

Umsatz 2014: 15,1 Mrd. US-Dollar (2013: 14,7 Mrd. US-Dollar)

(Quelle: Geschäftsberichte)

Bayer

Umsatz 2014: 12,6 Mrd. US-Dollar (2013: 11,7 Mrd. US-Dollar)

BASF

Umsatz 2014: 7,2 Mrd. US-Dollar (2013: 6,9 Mrd. US-Dollar)

Monsanto

Umsatz 2014: 15,6 Mrd. US-Dollar (2013: 14,8 Mrd. US-Dollar)

Dupont

Umsatz 2014: 11,3 Mrd. US-Dollar (2013: 11,7 Mrd. US-Dollar)

Dow Chemical

Umsatz 2014: 7,3 Mrd. US-Dollar (2013: 7,1 Mrd. US-Dollar)

Auch bei den deutschen  Anbietern Bayer und BASF entwickelte sich das Geschäft für die Landwirtschaft schwächer als ursprünglich erwartet. BASF etwa hatte zu Jahresbeginn noch ein deutliches Gewinnwachstum im Agrogeschäft prognostiziert, musste nun aber für die ersten neun Monate vier Prozent Ebit-Rückgang ausweisen. Bayer meldete stagnierende Agrar-Erträge.

Bei beiden Konzernen wurde die Entwicklung dabei  von der erheblichen Aufwertung des Dollar abgefedert, der im Jahresvergleich rund 20 Prozent gegenüber dem Euro zulegte. In Dollar gerechnet indessen sind ihre Umsätze im Agrobereich um gut ein Zehntel und die Erträge um etwa  Fünftel geschrumpft.

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