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26.06.2014

10:54 Uhr

Airbag-Probleme

General Motors bereitet nächsten Rückruf vor

Die Opel-Mutter General Motors hat Airbag-Probleme beim Chevrolet-Modell Cruze. Mehr als 30.000 Fahrzeuge müssen nun womöglich in die Werkstätten. Das macht dem japanischen Zulieferer Takata große Probleme.

Ein Chevrolet Cruze. Modelle der Baujahre 2013 und 2014 müssen zurückgerufen werden. Reuters

Ein Chevrolet Cruze. Modelle der Baujahre 2013 und 2014 müssen zurückgerufen werden.

DetroitEin Airbag-Rückrufskandal könnte dem japanischen Autozulieferer Takata in diesem Jahr erneut den Gewinn kosten. Unternehmenschef Shigehisa Takada bat auf der Hauptversammlung am Donnerstag die Aktionäre wegen der Probleme um Entschuldigung, äußerte sich aber nicht zu den Kosten. Die Affäre zieht unterdessen immer weitere Kreise: Die Opel-Mutter General Motors gab bekannt, den nächsten Rückruf wegen fehlerhafter Airbags vorzubereiten. Zulieferer ist auch hier das japanische Unternehmen, zu dessen Kunden auch Toyota, Honda, Nissan, Mazda, BMW, Chrysler und Ford gehören.

Konzernchef Takada erklärte, die Kosten würden noch berechnet. Für das laufende Geschäftsjahr hat Takata bislang einen Gewinn von umgerechnet 157 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. Experten rechnen mit Rückrufkosten von 500 Millionen Dollar in diesem Zeitraum, was für Takata zum zweiten Nettoverlust innerhalb von drei Jahren führen könnte.

Das Rückruf-Debakel von General Motors

13. Februar 2014

GM ruft in Nordamerika die ersten 778.000 Wagen wegen Problemen mit den Zündschlössern zurück. Der Schlüssel kann bei voller Fahrt in die „Aus“-Position zurückspringen. GM berichtet von sechs Toten bei Unfällen.

25. Februar 2014

GM weitet den Rückruf auf weltweit 1,6 Millionen ältere Wagen aus. In Europa sind einige Tausend Roadster Opel GT betroffen. Das Unternehmen räumt erste Versäumnisse ein. Nun ist die Rede von 13 Unfalltoten. Verbraucherschützer kommen auf weit höhere Zahlen.

12. März 2014

Aus internen Vermerken geht hervor, dass GM-Ingenieure schon 2001 während der Fahrzeugentwicklung über Probleme mit den Zündschlössern berichteten.

6. März 2014

Barra leitet eine interne Untersuchung ein. Zuvor war bekanntgeworden, dass die US-Sicherheitsbehörde NHTSA überprüft, ob GM den Rückruf verschleppt hat. In US-Medien häufen sich Geschichten von Unfallopfern.

17. März 2014

GM ruft weitere Autos wegen anderer Defekte zurück, etwa wegen Airbag-Ausfällen. Auch aktuelle Modelle sind nun betroffen. Wegen der Zündschlösser gehen die ersten Klagen von Unfallopfern und Autobesitzern ein, die den Wert ihrer Wagen geschmälert sehen.

19. März 2014

Die US-Regierung bestraft Toyota wegen der Pannenserie 2009/2010. Die Japaner müssen 1,2 Milliarden Dollar zahlen. Auch hier lautet der Vorwurf, der Konzern habe die Probleme zunächst vertuscht.

29. März 2014

GM ruft nun auch 1 Million Fahrzeuge neuerer Baujahre wegen der defekten Zündschlösser zurück. Damit steigt die Gesamtzahl für diesen Defekt auf 2,6 Millionen.

31. März 2014

Der nächste Ruf startet wegen ausfallender Servolenkungen. GM beordert nun wegen diverser Mängel insgesamt 6,3 Millionen Wagen in die Werkstätten. Die Kosten schnellen auf 750 Millionen Dollar hoch, später veranschlagt das Unternehmen 1,3 Milliarden Dollar.

2. April 2014

Bei zwei Anhörungen im US-Kongress wird Barra scharf angegangen. Antworten auf die Kernfrage, warum GM so lange mit dem Rückruf der Zündschlösser zögerte, hat sie jedoch nicht.

10. April 2014

GM beurlaubt zwei Ingenieure wegen der Zündschlösser. Zwei Wochen später wird die Entwicklungsabteilung umgebaut und deren Chef scheidet aus. Zwischenzeitlich gehen auch die Personalchefin und der Kommunikationschef.

23. April 2014

GM erklärt, die ersten Ersatzteilpakete mit Zündschlössern versandt zu haben. Nun starten die Reparaturen.

30. Juni 2014

Ein weiterer Rückruf betrifft 8,4 Millionen Wagen weltweit, die meisten davon in den USA. GM zufolge hätten diverse Wagen Defekte. „Unsere Kunden verdienen mehr als das, was wir ihnen mit diesen Wagen geboten haben“, erklärte Firmenchefin Mary Barra in Detroit.

Auch deshalb musste sich das Management auf der Hauptversammlung Fragen seiner Aktionäre stellen, deren Papiere seit Jahresbeginn fast 30 Prozent an Wert verloren haben. Die Anteilseigner seien auf das Unternehmen stolz gewesen, sagte der Lehrer Shinji Sakagami. Es sei ein Schock gewesen, als er erfahren habe, dass Menschen gestorben seien. „Ich denke nicht, dass ich die Aktien behalten werde.“ In den vergangenen fünf Jahren mussten mehr als zehn Millionen Autos in die Werkstätten, weil Takata-Airbags explodieren könnten.

Die Probleme nagen am Image des Konzerns. „Es gibt die Sorge, dass Aufträge von Autoherstellern wegen der Rückrufe zurückgehen könnten“, sagte Koji Endo, Analyst von Advanced Research.

Bei GM ist von den neuen Airbag-Problemen diesmal das Chevrolet-Modell Cruze betroffen. Rund 33.000 Fahrzeuge seines Verkaufsschlagers in Nordamerika der Baujahre 2013 und 2014 müssten womöglich in die Werkstätten. Es bestehe die Gefahr, dass der Fahrer-Airbag bei einem Unfall nicht ausgelöst werde.

GM hat bereits in diesem Jahr 21.000 Cruze-Wagen aus dem Modelljahr 2012 wegen Airbag-Problemen zurückgerufen. Insgesamt rief der Konzern 2014 weltweit rund 20 Millionen Autos zur Reparatur. Im Mittelpunkt der Pannenserie steht ein Zündschloss-Defekt, der seit Jahren im Unternehmen bekannt war und zu mindestens 13 Todesfällen geführt haben soll.

Von

rtr

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