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24.06.2011

09:52 Uhr

Airbus A380

China verhindert Kauf von Airbus-Flugzeugen

VonHolger Alich, Frank Sieren, Thomas Ludwig

ExklusivChina schiebt einen Riegel vor Bestellungen der Hong Kong Airlines beim Flugzeugbauer Airbus. Das Land will so gegen die neuen EU-Regeln für Emissionen im Luftverkehr protestieren. Airbus entgehen so Milliarden.

China nimmt Airbus in politische Geiselhaft, um gegen die neuen EU-Bestimmungen im Flugverkehr zu protestieren. Quelle: ap

China nimmt Airbus in politische Geiselhaft, um gegen die neuen EU-Bestimmungen im Flugverkehr zu protestieren.

Peking/Paris/BrüsselAuf der Pariser-Airshow gestern hatte Airbus-Chef Tom Enders noch gut lachen. In knapp einer Woche verkaufte sein Unternehmen 730 Flugzeuge im Gesamtwert von 72 Milliarden Dollar. „Mit Blick auf die Stückzahlen ist das die erfolgreichste Airshow aller Zeiten“, sagte Enders.

Was er nicht verriet: Bei einer wichtigen Order mit China wird sein Unternehmen in politische Geiselhaft genommen. Denn seit Wochen blockiert China nach Handelsblatt-Informationen eine milliardenschwere Bestellung, die am kommenden Dienstagmittag bei den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Premierminister Wen Jiabao unterschrieben werden sollte.

Laut Industriekreisen geht es um den Kauf von zehn Super-Airbus A380 im Katalogwert von knapp vier Milliarden Euro. Der Besteller ist dem Vernehmen nach die chinesische Fluggesellschaft Hong Kong Airlines.

Mit der Kauf-Blockade protestiert Chinas Regierung gegen die Pläne der EU, ab kommendem Jahr den Flugverkehr in den Handel mit CO2-Abgaszertifikaten aufzunehmen. China wirft den Europäern einen Alleingang vor. Ein Airbus-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern, denn „zu Kundenverhandlungen äußern wir uns nicht.“ Industriekreise werden deutlicher: „Die Drohung ist real.“

Die Chinesen fühlen sich besonders benachteiligt, weil die Grundlage für die Zuteilung von Emissionsrechten auf Basis des CO2-Ausstoßes der Jahre 2006 bis 2009 errechnet werden soll. Für die Emissionen, die das Volumen dieser Jahre übersteigen, sollen die Airlines Emissionszertifikate kaufen. Doch der Flugverkehr der chinesischen Airlines ist vor allem seit 2009 dramatisch gewachsen.

Deswegen rechnet allein Air China mit Mehrkosten von 800 Millionen Euro im Jahr. Der EU-Plan ist „unvernünftig und illegal“, sagt Chai Haibo, Vizepräsident der China Air Transport Association (CATA) „Wir sind absolut dagegen.“ Um ihrer Position Nachdruck zu verleihen, nutzen die Chinesen nun ihre Position als Airbus-Großkunde und drohen, den Deal platzen zu lassen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

24.06.2011, 11:23 Uhr

Glaubt eigentlich noch irgendjemand, daß CO2 tatsächlich das "Klima" steuert? Immerhin wird die CO2-Klimalehre jetzt schon im Kindergarten vermittelt.

Der Artikel des Handelsblatts ist verdienstvoll, weil er drei Fakten aufzeigt, die die meisten Leute nicht wissen:

1. "Verschmutzungsrechtehandel" ist ein Euphemismus, also eine beschönigende Formulierung, die etwas anderes sehr bizarres verdeckt. Denn in Wirklichkeit geht es darum, daß die EU - einst für die Sicherstellung des freien Handels geschaffen - für ganze Wirtschaftzweige ein totales Produktionsverbot verhängt hat. Von diesem Produktionsverbot sollen sich die Unternehmen durch Zahlungen freikaufen. Zahlen sie nicht - werden sie dichtgemacht oder - im Falle der Fluglinien - ausgesperrt. Daß die Zahlung über Zertifikate erfolgt, und diese gehandelt werden können, ist ein völlig nebensächlicher Randaspekt. Das Abwürgen und die Unterwerfung der Wirtschaft unter ein politisch-ideologisches Diktat ist das entscheidende Merkmal.

2. Dieses politisch-ideologische Diktat zeigt sich auch in der Verteilung der Zertifikate. Da werden nach Gutsherrnart welche zugeteilt oder auch entzogen. Damit werden Unternehmer und Verbände mundtot gemacht. Die Verfassungsgrundsätze des Eigentums und der Gleichbehandlung wurden praktisch ausgesetzt.

3. Außerhalb Europas ist die Idee, auf globaler Basis "Klimaschutz" betreiben zu wollen, mittlerweile tot. China, Indien, Japan, Kanada, die USA - sie alle haben sich mittlerweile von dem Projekt, für das 2012 auslaufende Kyoto-Abkommen ein Nachfolgepaket zu stricken, mehr oder weniger leise zurückgezogen. In den USA hat das Repräsentantenhaus dem Präsidenten untersagt, das IPCC zu finanzieren. Aber die Geisterfahrt der EU nimmt immer hysterischere Züge an. Unsere schlauen Kommissare Hedegaard und Oettinger ticken um die Wette.

Glaubt also noch jemand?

Worldwatch

24.06.2011, 11:27 Uhr

Das ist ja ein kluger Schachzug der Chinesen, und sogar ganz im Sinne der Europaeer.

Nur eben nicht im Sinne der EUDSSR.

Wunderbar, dass nun ausgerechtnet China, und mit Hilfe seiner Marktstellung, Druck macht auf die selbstgefaelligen Weltrettungstraeumer in Bruessel.

Evtl. gelingt ja von ausserhalb der EUDSSR, was innerhalb der Kommissarrats-"EU", durch abgeschaffte Demokratie- und Freiheitsrechte sowie vieler Rechtsstaatsprinzipien, nicht mehr sein darf. Naemlich, Sieg der Vernunft!

Monaco

24.06.2011, 13:08 Uhr

Was fuer ein Wahsinn den unser Umweltminister unterstuetzt...

Die EU im Alleingang (kein anderes Land macht mit) versucht eine zusaetliche Steuer fuer EU Buerger einzufuehren und keiner protestiert?

Ich waehle diejenige Partei in Zukunft, die diesen Umweltbloedsinn - wie die USA, Australien, Kanada, India, China, Russland ja auch - nicht mehr mitmacht.


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