Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2014

14:41 Uhr

Airbus A380

Was passiert mit dem Riesenvogel?

VonTobias Döring

Airbus stellt seinen Superjumbo A380 in Frage, rudert dann aber zurück. Die Anleger reagieren entsetzt, denn auch beim Gewinn des Konzerns hakt es. Was das Ende des größten Flugzeugs der Welt für Airbus bedeuten würde.

Größtes Passagierflugzeug der Welt

Airbus spekuliert über Ende von A380

Größtes Passagierflugzeug der Welt: Airbus spekuliert über Ende von A380

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfChaostage bei Airbus? Der europäische Flugzeugbauer hat es binnen 24 Stunden geschafft, seine Anleger und Arbeitnehmer gänzlich zu verunsichern. Am Mittwoch spekulierten Airbus-Finanzvorstand Harald Wilhelm und sein Chef Tom Enders auf einer Investorenkonferenz offen über die Einstellung der Produktion des Großraumjets A380. Noch dazu wurden die Börsianer von der überraschenden Verschiebung der Erstauslieferung des neuen Langstreckenfliegers A350 überrascht.

Die Papiere des Unternehmens brachen am Mittwoch um mehr als zehn Prozent ein – und rutschten am Donnerstag weiter ab. Obwohl am Morgen Fabrice Bregier versucht hatte zu retten, was zu retten ist. Sein Unternehmen werde eines Tages eine neue Version des Superjumbos anbieten, sagte der Chef der Airbus-Verkehrsflugzeugsparte. Die A380 werde länger oder mit anderen Triebwerken ausgestattet. Damit könnten dann auch andere Kunden angelockt werden, so Bregier.

Zunächst muss sich Airbus aber darum kümmern, nicht noch den wichtigsten treuen Kunden für den Riesenvogel zu vergraulen. Denn für den Chef der arabischen Fluggesellschaft Emirates, Tim Clark, sind die Spekulation um das Aus für das Modell ein Affront. Er sei mit den jüngsten Äußerungen des Flugzeugherstellers nicht besonders glücklich, sagte Clark am Donnerstag. Denn Emirates sei bereit, viel Geld in eine modernisierte Version der A380 zu investieren.

Das sind die besten Airbus-Kunden

Platz 10 – Emirates

Die Bestellung von Emirates ließ zum Ende des Jahres das Herz der Airbus-Verantwortlichen schneller schlagen. Denn die Araber orderten 50 Stück des Riesenfliegers A380, der im ganzen Jahr noch nicht verkauft worden war.

Rangliste nach Anzahl der bestellten Maschinen 2013, Quelle: Airbus

Platz 9 – Viva-Aerobus

Bei der mexikanischen Billig-Airline hat Airbus Konkurrent Boeing ausgestochen. Das Unternehmen will bis 2016 ihre komplette Boeing-Flotte gegen europäische Jets austauschen. Im Oktober bestellte Viva-Aerobus daher 40 Stück des A320neo und ein Dutzend herkömmliche A320 bei Airbus.

Platz 8 – Vueling

Der Billigflieger bereitet der British Airways- und Iberia-Mutter IAG viel Freude. Das Geschäft läuft gut, darauf lassen nicht zuletzt die Bestellungen schließen. 62 Mittelstreckenflieger A320 orderte IAG für Vueling, die sich ungefähr zur Hälfte auf Jets der herkömmlichen und der neuen Neo-Bauart aufteilen.

Platz 7 – ILFC

Das Flugzeug-Leasing-Unternehmen ILFC findet sich ebenfalls in der Top Ten der besten Airbus-Kunden. Die US-Gesellschaft aus Kalifornien bestellte bei den Europäern im Jahr 2013 50 Stück des Mittelstreckenjets A320neo und 15 A321.

Platz 5 – Turkish Airlines

Turkish Airlines erteilte den größten Auftrag seiner Geschichte – an Airbus. Insgesamt orderte die Gesellschaft 87 Flugzeuge: 53 Maschinen des A321neo, 25 herkömmliche A321, vier A320neo und fünf A330-300.

Platz 5 – Etihad

Die Golf-Airlines bestellten 2013 was das Zeug hält. Bei Airbus orderte Etihad insgesamt 87 Maschinen. Von den Mittelstreckenjets bestellten die Araber 26 Stück des A321neo und zehn A320neo. Mit 50 Maschinen des neuen A350 XWB will Etihad demnächst die Langstrecke bedienen. Dazu orderte die Fluggesellschaft eine A330-200F.

Platz 4 – Lufthansa

Die Deutsche Lufthansa teilte die größte Bestellung ihrer Unternehmensgeschichte auf und bestellte Flugzeuge bei Airbus und Boeing. Der europäische Luftfahrtkonzern konnte sich über die Order von 25 Langstreckenjets des Typs A350-900 freuen, die ab 2014 ältere A340-300 ablösen sollen. Zuvor hatte die Lufthansa bereits 100 Mittelstreckenflieger bestellt – 30 herkömmliche A320, 35 A320neo und 35 A321neo.

Platz 3 – American Airlines

Im Dezember 2013 schlossen sich American Airlines und US Airways nach langem hin und her zur neuen American Airlines zusammen. Anfang des Jahres hatte die alte American schon neue Airbus-Maschinen bestellt. 130 Mittelstreckenjets A321 sollen die fusionierte Fluggesellschaft in eine bessere Zukunft fliegen.

Platz 2 – Easyjet

Der Billigflieger rüstet auf: Easyjet orderte bei Airbus 144 Flugzeuge. Ausschließlich der Mittelstreckenjet A320 steht auf der Bestellliste. Mit den Maschinen verschiedener Baureihen will Easyjet Platzhirsch Ryanair weiterhin Druck machen.

Platz 1 – Lion Air

Mit der indonesischen Fluggesellschaft konnte Airbus im Jahr 2013 einen neuen Kunden hinzugewinnen. Und Lion Air schlug gleich richtig kräftig zu. Dir Airline bestellte insgesamt 234 Maschinen: 60 Stück des herkömmlichen Airbus A320, 109 A320neo und 65 Maschinen des A321neo. Lion Air wurde erst im Jahr 2000 gegründet und bedient insbesondere Ziele innerhalb der Insel-Nation Indonesien.

Bisher hat die Airline 140 Maschinen bestellt – das ist fast die Hälfte der bislang von Airbus lediglich verkauften 318 Stück. Die Araber sind der mit Abstand beste Kunde und hoffen nun darauf, dass der Trend zum Spritsparen auch den Jumbojet von Airbus erreicht und die A380 mit neuen Triebwerken von Rolls-Royce ausgestattet wird.

Doch das es so kommt, kann trotz der Aussagen von Bregier nicht als sicher gelten. Tom Enders hatte am Mittwoch klargestellt, dass sich eine Modernisierung des Großraumfliegers für den Konzern rechnen müsse. Der Vorstand werde „nicht zulassen, dass das unseren Gewinn belastet“. Die Entscheidung vertagte der Airbus-Chef in die Zukunft – kurz- bis mittelfristig werde sich der Flugzeugbauer festlegen.

„Airbus wird so oder so dazu genötigt sein, 2015 eine Entscheidung zu treffen“, sagte Analyst Yan Derocles von Oddo Securities in Paris. Die IG Metall warnt stellvertretend für die Arbeitnehmer die Unternehmensführung. Es wäre falsch, ein solches Zukunftsprojekt kurzfristig infrage zu stellen, sagte der Gewerkschaftschef des Bezirks Küste, Meinhard Geiken, am Donnerstag.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×