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01.04.2016

13:55 Uhr

Airbus A400M

Neue Probleme beim Pannen-Transporter

Das Verteidigungsministerium bestätigt neue Propeller-Probleme beim Airbus-Militärflugzeug A400M. In diesem Jahr sollten neun weitere Flugzeuge an die Bundeswehr ausgeliefert werden.

Die Auslieferungen des Militärtransporters an Deutschland hatten sich wegen unterschiedlicher Schwierigkeiten immer wieder verzögert. dpa

Airbus A400M

Die Auslieferungen des Militärtransporters an Deutschland hatten sich wegen unterschiedlicher Schwierigkeiten immer wieder verzögert.

BerlinDer Militärtransporter A400M von Airbus bleibt ein Sorgenkind. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte am Freitag einen Bericht der „Bild“-Zeitung, dass Probleme am Propellergetriebe des Flugzeuges aufgetreten seien. Deren Ursachen und Folgen würden derzeit von der Produktionsfirma der Triebwerke, einem italienischen Airbus-Unterauftragnehmer, analysiert, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Der Hersteller Airbus Military habe zugesagt, etwaige Mängel kostenlos zu reparieren.

Der Chef der Airbus-Sparte Military Aircraft, Fernando Alsonso, zeigte sich zuversichtlich, dass die für die Triebwerke zuständigen Firmen EPI und Avio Lösungen für die Mängel im „notwendigen Zeitrahmen“ finden. „Wir bleiben bei dem Ziel, 20 Flugzeuge in diesem Jahr auszuliefern“, versicherte er.

Die Airbus-Aktie gab in einem schwachen Umfeld vier Prozent nach.

Airbus Pannenflieger A400M

1982

Führende europäische Rüstungskonzerne gründen im Dezember 1982 das Future International Military/Civil Airlifter-Konsortium (FIMA) mit dem Ziel, den Bau eines gemeinsamen Militärtransporters zu prüfen. Die neue Maschine soll als Ersatz für die alternden Flieger Lockheed C-130 Hercules und Transall C-160 dienen.

Quelle: Wirtschaftswoche

1994

Das mittlererweile auf Euroflag umgetaufte Konsortium stellt das erste Modell der A400M auf der Flugschau in Farnborough. Der Name: Future Large Aircraft (FLA). Kurz darauf übernimmt der Flugzeugbauer Airbus das Programm.

1999

Airbus legt sieben Regierungen ein Angebot über feste Leistungen und Preise für den A400M vor.

2003

Nach schwierigen und lange dauernden Verhandlungen unterschreiben die Länder im Mai 2003 einen Vertrag über die Lieferung von 180 Maschinen.

2007

Der Bau des ersten Prototypen beginnt. Ende des Jahres gibt Airbus bekannt, dass sich der eigentlich für 2008 geplante Start der Serienproduktion wegen technischer Probleme um mindestens zwölf Monate verzögert.

2009

Im Dezember 2009 findet schließlich der Erstflug des Militärtransporters statt. Es ist längst ausgeschlossen, dass Frankreich wie geplant im Frühjahr 2010 die erste A400M erhält.

2009/2010

Die Situation spitzt sich zu: Airbus zweifelt wegen der immens erhöhten Belastung durch technische Probleme und Verzögerungen in der Entwicklung intern an der Realisierung des Projekts. In Medien ist von fünf bis elf Milliarden Euro Mehrkosten die Rede.

2010

Die beteiligten Länder einigen sich mit Airbus auf den Bau des Flugzeugs und akzeptieren eine Preiserhöhung. Die Produktion der ersten Serienmaschinen beginnt.

2013

Im August 2013 wird die erste A400M an das französische Militär ausgeliefert.

2015

Laut Medienberichten führen Produktionsprobleme dazu, dass 2015 maximal zwei statt fünf A400M an Deutschland ausgeliefert werden können. Auch die Franzosen und Briten sind von den erneuten Verzögerungen betroffen. Im Mai stürzt eine Maschine beim Werk im spanischen Sevilla wegen Softwareproblemen ab. Vier Mitglieder der Crew sterben, der Produktionsplan gerät durcheinander.

Als Problemfelder beim A400M wurden in der „Bild“-Zeitung Materialverschleiß und mangelnde Hitzebeständigkeit aufgeführt. Bei einer britischen Maschine hätte sich ein Triebwerk wegen Materialfehler während eines Fluges ausgeschaltet.

Nach Angaben des Ministeriums sind die drei A400M-Maschinen, die Deutschland bereits hat, in die Prüfungen einbezogen. Auch bestellte Maschinen, die noch in der Produktion seien, würden kontrolliert. Wann weitere Flugzeuge ausgeliefert werden, ist noch offen. „Wir haben noch keinen aktuellen Lieferplan für dieses Jahr“, sagte die Ministeriumssprecherin. Die von der „Bild“-Zeitung genannte Zahl von neun geplanten Auslieferungen dieses Jahr wollte sie nicht bestätigen. Auf der Internet-Seite der Bundeswehr wird diese Zahl aber genannt.

Ob es zu neuen Verzögerungen bei der Flugzeugübergabe kommt, ließ das Ministerium offen. Wegen früherer Erschwernisse liefen mit Airbus schon längere Zeit Kompensationsverhandlungen.

Der Airbus A400M ist ein propellergetriebenes, viermotoriges Flugzeug, das über längere Strecken im Tiefflug große Lasten befördern kann. Er soll die in den 60er-Jahren entwickelte Transall ablösen. Die Auslieferungen hatten sich wegen unterschiedlicher Schwierigkeiten immer wieder verzögert. Vor knapp einem Jahr war ein A400M in Spanien abgestürzt.

Vor wenigen Wochen hieß es in Parlaments- und Militärkreisen, die deutsche Luftwaffe denke über die Beschaffung von Flugzeugen anderer Hersteller in Ergänzung zu den A400M-Maschinen nach. Diese Erwägungen ständen aber nicht in Verbindung mit Lieferproblemen bei dem Airbus-Produkt. Vielmehr decke der A400M nicht alle Fähigkeiten ab, die die Luftwaffe abgedeckt sehen möchte.

Von

rtr

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