Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.03.2016

10:02 Uhr

Airbus

China soll dem Flugzeugbauer Schub verleihen

Weil China in den nächsten 20 Jahren mehr als 5000 neue Flugzeuge benötigt, expandiert Airbus kräftig in Fernost. Doch auch Konkurrent Boeing und ein chinesischer Newcomer wollen ein großes Stück vom Kuchen abhaben.

Der Flugzeugbauer rechnet in China mit einem weiter wachsenden Geschäft. Reuters

Airbus-Werk im chinesischen Tianjin

Der Flugzeugbauer rechnet in China mit einem weiter wachsenden Geschäft.

PekingTrotz einer sich abschwächenden Wirtschaft rechnet der Flugzeugbauer Airbus in China in den nächsten Jahren mit guten Geschäften. „Wir sind weiterhin optimistisch“, sagte Eric Chen, China-Chef von Airbus, am Dienstag vor einer Spatenstich-Zeremonie für ein neues Auslieferungszentrum in der ostchinesischen Stadt Tianjin. Getrieben von einer großen Nachfrage chinesischer Fluggesellschaften sollen in fünf Jahren 2000 Maschinen von Airbus in China in Betrieb sein, rund 750 mehr als derzeit.

Mit Zuwächsen von voraussichtlich zehn Prozent jährlich, werde der Flugzeugmarkt in China deutlich schneller als die chinesische Wirtschaft wachsen. Laut Chen können sich in China immer mehr Menschen Flugreisen leisten. Gelockerte Visabestimmungen für Chinesen haben zudem zu einem deutlichen Anstieg von Auslandsreisen geführt.

Wo Airbus Flugzeuge zusammenbaut

Vier Werke

Der größte europäische Flugzeughersteller Airbus baut in vier großen Produktionswerken auf drei Kontinenten Flugzeuge zusammen. Die Hauptproduktionsstätten.

Toulouse

Am Stammsitz von Airbus in der südfranzösischen Stadt mit mehr als 21 000 Beschäftigten in der Region werden auf mehreren Fertigungslinien die A320, A330, A350 und A380 endmontiert. Für die A320-Familie gibt es zwei Endmontagelinien.

Hamburg-Finkenwerder

Das Hamburger Werk in Finkenwerder ist mit 12 700 Beschäftigten die größte Produktionsstätte von Airbus in Deutschland. Für die Flieger der A320-Familie werden hier nicht nur Teile produziert, es gibt auch drei Endmontage-Linien. Eine vierte Linie soll in Hamburg entstehen, wenn die Produktion des Erfolgsschlagers A320 mehr als ohnehin geplant ausgeweitet wird. Auch an anderen Airbus-Programmen wie dem weltgrößten Passagierflugzeug A380 ist Hamburg beteiligt.

Tianjin

2008 eröffnete Airbus ein Werk als Joint Venture in der chinesischen Hafenstadt Tianjin. Dort werden von mehr als 400 Mitarbeitern ebenfalls Flugzeuge der A320-Familie montiert.

Mobile

Mit der Fertigungsstätte im US-Staat Alabama will Airbus dem Erzrivalen Boeing noch mehr Konkurrenz machen. Im Frühjahr 2016 soll dort der erste auf dem 470 000 Quadratmeter großen Areal montierte Mittelstreckenjet der A320-Familie ausgeliefert werden. 1000 Arbeitsplätze sind dort geplant.

Quelle: dpa

Airbus verzeichnete bereits in den vergangenen Jahren eine steigende Zahl von Großaufträgen chinesischer Airlines. Erst im Oktober, beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Peking, bestellten die Chinesen 130 neue Flieger des Typs A320 und A330 für 15,5 Milliarden Euro. Bereits im Sommer hatte Airbus 45 Maschinen der Reihe A330 nach China verkauft. Beide Seiten vereinbarten damals auch den Bau des neuen Auslieferungszentrums in Tianjin.

In dem neuen Werk sollen Flugzeuge des Typs A330 lackiert und mit Kabinenteilen ausgerüstet werden. Ab Ende 2017 sollen von dort zunächst 24 Maschinen jährlich an Kunden ausgeliefert werden. Airbus betreibt in Tianjin schon seit 2008 eine Montage für Flugzeuge der A320-Familie.

Airbus gegen Boeing: Der Luftkampf wird wieder enger

Airbus gegen Boeing

Der Luftkampf wird wieder enger

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr von Boeing steht Airbus davor, wieder Boden zum Rivalen gut zu machen.

Airbus erwartet, dass in den nächsten 20 Jahren 5400 neue Passagier- und Transportmaschinen in China benötigt werden. Bis 2034 werde das Land mit 1,7 Milliarden Passagieren pro Jahr die USA als größten Luftfahrmarkt der Welt überholen.

Doch auch andere wollen ein Stück von diesem Kuchen abhaben: Als Chinas Präsident Xi Jinping vergangenes Jahr in die USA reiste, bestellten die Chinesen auf einen Schlag 300 Maschinen bei Airbus-Konkurrent Boeing. Der US-Konzern kündigte damals ebenfalls an, sein erstes Werk in China eröffnen zu wollen.

Dass China Herstellern dazu drängt, ihre Produktion in der Volksrepublik zu verlagern, kommt auch dem Aufbau der chinesischen Luftfahrtindustrie zugute, weil Chinesische Hersteller schnell von den Marktführern lernen.

In Shanghai ist im November mit der C919 des staatlichen Herstellers Comac der erste Mittelstreckenflieger aus rein chinesischer Fertigung vom Band gelaufen. Das Flugzeug soll dieses Jahr zu seinem ersten Testflug starten und in drei Jahren in den kommerziellen Betrieb starten. Auch wenn Comac noch weit zurückliegt, warnen Experten Airbus und Boeing, sich vor der chinesische Konkurrenz in Acht zu nehmen. Schließlich bestimme in China der Staat, von welchem Flugzeugbauer die Staatsairlines künftig kaufen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×