Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2011

10:09 Uhr

Airbus

Frankreich attackiert Deutschland wegen A400M

VonHolger Alich, Markus Fasse

ExklusivDer Airbus-Betriebsrat ist sauer, weil Deutschland die Order des Militärtransporters A400M gekürzt hat. Eigentlich sollte das deutsch-französische Gemeinschaftsprojekt arbeitsteilig entstehen. Diese Regelung finden die Franzosen jetzt nicht mehr angemessen.

Airbus A400M: Deutschland hat weniger Transportmaschinen bestellt als erwartet. Französische Gewerkschafter sind deshalb sauer. Reuters

Airbus A400M: Deutschland hat weniger Transportmaschinen bestellt als erwartet. Französische Gewerkschafter sind deshalb sauer.

PARIS/MÜNCHEN. Die erneute Kürzung der deutschen Order des Militärflugzeugs A400M sorgt für Streit zwischen Deutschland und Frankreich. Die französischen Arbeitnehmervertreter fühlen sich über den Tisch gezogen. "Wir wollen das Thema der Arbeitsaufteilung zwischen den Airbus-Ländern beim nächsten europäischen Betriebsrat auf die Agenda setzen", sagte Airbus-Betriebsrätin Marina Lensky dem Handelsblatt. Grund für den Ärger: Vergangene Woche hatte der Haushaltsausschuss nach langem Hin und Her grünes Licht für die Bestellung der A400M für die Bundeswehr gegeben. Pro forma kauft Deutschland 53 Stück, doch letztlich sollen nur 40 Maschinen bei der Bundeswehr verbleiben, die 13 übrigen Maschinen sollen an Export-Kunden weiterverkauft werden.

Die Arbeitsaufteilung zwischen den Airbus-Standorten hängt aber an der Zahl der bestellten Maschinen. Und diese wurde auf Basis der ursprünglichen deutschen Order von 73 Flugzeugen vereinbart. Daher hat die deutsche Industrie einen höheren Arbeitsanteil an der A400M bekommen als Frankreich. Doch nun kauft Deutschland de facto nur 40 Maschinen und damit weniger als Frankreich, das 50 Flugzeuge bestellt hat. "So etwas darf nicht noch einmal passieren", schimpfte Airbus-Betriebsrätin Lensky.

Frankreichs Arbeitnehmer sind dabei nicht sauer auf ihre deutschen Airbus-Kollegen. Ihr Zorn richtet sich gegen die eigene Regierung. "Deutschland hat es wieder einmal verstanden, exzellent seine industriellen Interessen zu vertreten. Dazu scheint unsere Regierung nicht in der Lage zu sein", sagte die Gewerkschafterin. Denn die Änderung der deutschen Order in letzter Minute hat bis dato keinerlei Reaktion der französischen Regierung ausgelöst.

An den großen Arbeitspaketen sei nun vermutlich nicht mehr zu rütteln, ohne das Unternehmen erneut zu destabilisieren, so die Arbeitnehmervertreterin. Allenfalls Zulieferarbeiten könnten noch nach Frankreich geholt werden, sagte sie. "Wir wollen keinen Streit mit unseren deutschen Kollegen und den guten Kontakt bewahren", versicherte Lensky. "Wir wollen das Thema aber in aller Ruhe diskutieren können." Ein Airbus-Sprecher erklärte dazu nur: "Die Aufteilung der Arbeitsanteile ist Sache der Regierungen."

Die Strukturänderung der deutschen Airbus-Order droht aber noch an anderer Stelle für Ärger zu sorgen. Bei der Verteilung der Mehrkosten für das Programm wurde vereinbart, dass die Kundenstaaten an den Exporterlösen der A400M beteiligt werden sollen. Nun macht aber die Bundesregierung dem Flugzeugbauer Airbus beim Export des Militärtransporters Konkurrenz, denn Berlin muss nun die 13 deutschen Maschinen in den Markt drücken. Sprich, die Airbus-Partnerländer müssen sich vermutlich nun etwas länger gedulden, bis sie Geld aus A400M-Exporten sehen werden. Bis dato ist auch unklar, wer die eigens für die Bundeswehr spezifizierten A400M-Maschinen kaufen soll.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×