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24.02.2016

15:52 Uhr

Airbus gegen Boeing

Der Luftkampf wird wieder enger

VonCarsten Herz

Im ewigen Duell zwischen Boeing und Airbus haben die Amerikaner seit Jahren die Nase vorn. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr von Boeing stehen die Europäer davor, wieder Boden zum Rivalen gut zu machen.

Im Jahr 2016 will der Flugzeugbauer 650 Maschinen ausliefern. dpa

Neuer Airbus-Jet A350 XWB

Im Jahr 2016 will der Flugzeugbauer 650 Maschinen ausliefern.

LondonDer ganz große Auftritt bleibt Tom Enders verwehrt. Eigentlich hatte der Chef des europäischen Flugzeugherstellers Airbus gehofft, bereits an diesem Mittwoch den kompletten Verkauf des Bereichs Rüstungselektronik zu verkünden. Doch der Deal erweist sich als komplexer als gedacht, und das Geschäft mit der Sicherung von Grenzanlagen verbleibt ohnehin vorerst im Konzern. „Wir brauchen noch ein paar Wochen“, kündigte Enders in London an.

Dennoch steht der hochgewachsene deutsche Manager an der Spitze des Flugzeug-Giganten nicht mit leeren Händen da. Denn die Jahreszahlen, die Enders in einem Luxushotel nahe des Bahnhofs Paddington vorlegt, stehen in deutlichem Kontrast zu der grauen Bühnenwand, vor der das Management auf der Bühne Platz genommen hat. Die Aufträge sind erstmals eine Billion Euro wert, und selbst der Riesenflieger A380 wirft mittlerweile Gewinn ab. Trotzdem bleibt Enders vorsichtig.

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Im Duell zwischen Boeing und Airbus haben die Amerikaner seit Jahren die Nase vorne. Im Jahr des 100-jährigen Firmenjubiläums von Boeing schicken sich die Europäer an, wieder Boden auf den Rivalen gut zu machen. Mehr Gewinn, prall gefüllte Auftragsbücher: Enders sieht Airbus auf Wachstumskurs. 2016 will der Flugzeugbauer insgesamt 650 Flugzeuge ausliefern, nachdem bereits im vergangenen Jahr mit 635 Stück ein Rekord erzielt wurde.

Die wirtschaftliche Prognose fällt dennoch verhalten aus. Der Airbus-Chef sagte für das laufende Jahr nur einen stagnierenden Betriebsgewinn von rund 4,1 Milliarden Euro voraus. Als Begründung nannte er Kosten zum Hochfahren der Produktion neuer Passagierjetserien wie dem Langstreckenflieger A350 oder dem modernisierten Mittelstreckenmodell A320neo.

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Dennoch stehen die Europäer damit derzeit besser da als der Erzrivale Boeing, der in wenigen Monaten 100 Jahre alt wird. Denn nach Feiern ist beim amerikanischen Flugzeugkonzern derzeit keinem zumute: Zuletzt in reihte sich eine schlechte Nachricht an die andere. Die zivile Luftfahrtsparte der Amerikaner kündigte einen weiteren Personalabbau an und gab dabei zu, dass sein Unternehmen gegenüber Airbus ins Hintertreffen gerät.

Wo Airbus Flugzeuge zusammenbaut

Vier Werke

Der größte europäische Flugzeughersteller Airbus baut in vier großen Produktionswerken auf drei Kontinenten Flugzeuge zusammen. Die Hauptproduktionsstätten.

Toulouse

Am Stammsitz von Airbus in der südfranzösischen Stadt mit mehr als 21 000 Beschäftigten in der Region werden auf mehreren Fertigungslinien die A320, A330, A350 und A380 endmontiert. Für die A320-Familie gibt es zwei Endmontagelinien.

Hamburg-Finkenwerder

Das Hamburger Werk in Finkenwerder ist mit 12 700 Beschäftigten die größte Produktionsstätte von Airbus in Deutschland. Für die Flieger der A320-Familie werden hier nicht nur Teile produziert, es gibt auch drei Endmontage-Linien. Eine vierte Linie soll in Hamburg entstehen, wenn die Produktion des Erfolgsschlagers A320 mehr als ohnehin geplant ausgeweitet wird. Auch an anderen Airbus-Programmen wie dem weltgrößten Passagierflugzeug A380 ist Hamburg beteiligt.

Tianjin

2008 eröffnete Airbus ein Werk als Joint Venture in der chinesischen Hafenstadt Tianjin. Dort werden von mehr als 400 Mitarbeitern ebenfalls Flugzeuge der A320-Familie montiert.

Mobile

Mit der Fertigungsstätte im US-Staat Alabama will Airbus dem Erzrivalen Boeing noch mehr Konkurrenz machen. Im Frühjahr 2016 soll dort der erste auf dem 470 000 Quadratmeter großen Areal montierte Mittelstreckenjet der A320-Familie ausgeliefert werden. 1000 Arbeitsplätze sind dort geplant.

Quelle: dpa

Danach sorgte ein Bericht für Aufregung, wonach die amerikanische Börsenaufsicht SEC die Bilanzierungsmethoden des Unternehmens unter die Lupe nimmt. Und auch wirtschaftlich enttäuschte Boeing mit der Prognose, in diesem Jahr weniger Flugzeuge auszuliefern als 2015.

Der Zweikampf zwischen Boeing und Airbus wird damit wieder enger. Es geht um die Gunst der Kunden und viele Milliarden Euro – und den Thron des absatzstärksten Flugzeugbauers. Doch Enders behauptet, dass er keinen Gedanken daran verschwendet, welcher der beiden Hersteller vorne liege – und will sich deshalb auch nicht festlegen, ob und wann das Überholmanöver klappen kann.

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