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12.04.2006

12:27 Uhr

Airbus hat das Nachsehen

Chinesen vergeben Großauftrag an Boeing

Der chinesische Luftfahrtdienstleister CASC hat beim US-Flugzeugbauer Boeing 80 Maschinen des Kurz- und Mittelstrecken-Typs 737 bestellt. Es ist schon die zweite Großbestellung für die US-Amerikaner in diesem Jahr. Das verträgt sich nicht mit den Zielen von Konkurrent Airbus, die Hälfte des chinesischen Marktes zu erobern.

Eine 737 von Air China auf dem Flughafen Peking. Foto: AP

Eine 737 von Air China auf dem Flughafen Peking. Foto: AP

HB PEKING. Nach Boeing-Angaben vom Mittwoch liegt der Auftragswert für die 80 Maschinen laut Liste bei 5,2 Mrd. Dollar (4,3 Mrd Euro). Die Flugzeugbauer geben jedoch hohe Rabatte, speziell bei solch hohen Summen. Zuvor hatte die China Aviation Supplies Import and Export Group (CASC) bereits 70 Flugzeuge geordert. Die Maschinen würden an insgesamt acht chinesische Fluggesellschaften weiterverkauft oder verleast. Details müssten noch fixiert werden, hieß es. Boeing will die Flugzeuge ab dem Jahr 2009 ausliefern.

Boeing und Airbus buhlen derzeit um die chinesischen Airlines. Der Chef von Airbus China, Laurence Barron, hatte Ende 2005 deutlich gemacht, wie wichtig der Markt ist: „Jedes sechste Flugzeug, das dieses Jahr verkauft wurde, wird nach China gehen. Nächstes Jahr wird es jedes fünfte sein.“

China ist der am schnellsten wachsende Markt für Passagierflugzeuge weltweit und wird hinter den USA bald der zweitgrößte sein. In den kommenden 20 Jahren werde das Reich der Mitte 1 790 Maschinen benötigen, hat Airbus in Toulouse errechnet. Boeing geht sogar von 2 000 Flugzeugen aus. Der gesamte Auftragswert wird auf 230 Mrd.Dollar geschätzt.

„Wenn wir unseren momentanen Wachstumstrend fortsetzen, werden wir in acht Jahren 50 Prozent des chinesischen Marktes kontrollieren“, hatte Airbus-Manager Barron gesagt. Momentan liegt der Marktanteil von Airbus in China bei rund einem Drittel. Der Konzern hat sein erstes Flugzeug in China 1985 verkauft.

Im Dezember hatte Airbus das Verhältnis bei den Aufträgen zu seinen Gunsten verschieben können. Der europäische Flugzeugbauer hatte Maschinen mit einem Listenpreis von knapp 10 Mrd. Dollar (8,5 Mrd. Euro) an China verkauft. Dabei handelte es sich um die Kurz- und Mittelstrecken-Typen A319, A320 und A321. Die Maschinen werden in den kommenden Jahren an sechs chinesische Fluggesellschaften ausgeliefert: Air China, China Eastern Airlines, China Southern Airlines, Sichuan Airlines, Shenzhen Airlines und Hainan Airlines. Die A320-Familie, zu der alle genannten Modelle zählen, ist der Verkaufsschlager von Airbus und umfasst insgesamt vier Flugzeugtypen mit Sitzplätzen für 107 bis 185 Passagiere.

Airbus hatte die Chinesen mit der Zusicherung geködert, die Errichtung eines Montagewerks im Reich der Mitte zu prüfen. Sollte das Projekt verwirklicht werden, würden Airbus-Flugzeuge erstmals außerhalb Europas zusammengebaut werden. Branchenkenner warnten vor Technologieklau. Schon heute fliegt aber jeder zweite der rund 3 800 Airbusse weltweit mit chinesischen Teilen. So kommen die Türen für den A320 aus China.

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