Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.11.2011

09:17 Uhr

Airbus-Konkurrenten

China lockt deutsche Flugzeugbauer

VonMarkus Fasse

Boeing und Airbus bekommen neue Konkurrenz - vor allem aus China. Das erfreut auch die deutschen Zulieferer der Luftfahrtindustrie. Der Absatzmarkt verspricht Milliardengewinne, ist aber nicht ohne Risiko.

Eine Stewardess der Commercial Aircraft Corporation of China - kurz Comac: Angriff auf Boeing und Airbus. dpa

Eine Stewardess der Commercial Aircraft Corporation of China - kurz Comac: Angriff auf Boeing und Airbus.

SchanghDeutsche Flugzeugzulieferer dürfen sich Hoffnungen auf mehr Aufträge aus China machen. Die Staatsholding Comac wirbt um eine deutsche Beteiligung bei dem Aufbau einer eigenen Flugzeugindustrie. Das erklärten die Chinesen beim Besuch einer deutschen Wirtschaftsdelegation in Schanghai. China will mit dem Passagierjet C919 ab 2017 das Duopol von Airbus und Boeing knacken.

Bislang ist lediglich Liebherr mit Fahrwerken und Klimatechnik Zulieferer für die C919. Die Chinesen interessieren sich aber auch für deutsche Triebwerkstechnik und Kohlefaser. MTU-Chef Egon Behle prüft mit den Chinesen die Entwicklung eines Jetantriebs. "An der Ernsthaftigkeit besteht kein Zweifel", sagte Behle dem Handelsblatt. Er schätzt, dass die Chinesen einen "zweistelligen Milliardenbetrag" in die Entwicklung von Flugzeugturbinen stecken. Laut Comac liegen für die C919 bis Jahresende 200 feste Aufträge vor. Insgesamt sollen in China in den kommenden 20 Jahren mehr als 4000 Jets verkauft werden.

Wie solche Deals konkret ablaufen, lässt sich in diesen Tagen wunderbar in Schanghai erleben: Für viele der Anwesenden ist es eine Art "Blind Date": Dankbar umklammern sie ihre Teller mit Peking-Ente und Leberkäs', die Augen suchend auf mögliche Geschäftspartner gerichtet. Das heimatliche Weißbier soll die Unsicherheit nehmen.

Den zehn deutschen Luftfahrtunternehmern im "German Centre" in Schanghai stehen knapp 20 chinesische Kollegen gegenüber, denen es ähnlich geht. Auch sie lesen Visitenkarten und scannen ihre Gegenüber vor allem nach einem Gesichtspunkt: Wer ist für mich wichtig und nützlich?

"Deutsche Partner sind bei uns sehr willkommen", versichern die Manager des chinesischen Flugzeugbauers Comac bei der offiziellen Vorstellung der Anwesenden. Das Staatsunternehmen aus Schanghai ist der wichtigste Grund für die vom bayerischen Wirtschaftsministerium organisierte Kuppelei. Denn der Konzern hat einen Auftrag: Spätestens 2017 soll Comac mit dem in der Entwicklung steckenden Mittelstreckenjet C919 das Duopol von Airbus und Boeing knacken. Und dabei sollen die Deutschen helfen.

Industriepolitisch ist der Einstieg in die Luftfahrtindustrie für China ein bedeutender Schritt - das einstige Entwicklungsland drängt damit in die wohl prestigeträchtigste High-Tech-Domäne des Westens vor. Schon im Juli präsentierte Comac auf der internationalen Luftfahrtmesse in Le Bourget ein lebensgroßes Kabinenmodell des Airbus-Konkurrenten und elektrisierte damit die Branche. Viel Geld und noch mehr Ehrgeiz sind am Werk.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×