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24.02.2016

13:33 Uhr

Airbus mit Rekord-Aufträgen

Enders will nicht abheben

Ein Anstieg bei den Flugzeugverkäufen und Aufträge auf Rekordniveau haben Airbus ein deutliches Gewinnplus gesichert. Trotzdem blickt Konzernchef Tom Enders vorsichtig auf das laufende Jahr.

Der Airbus-Chef rechnet mit einem stagnierenden Gewinn. Reuters

Tom Enders

Der Airbus-Chef rechnet mit einem stagnierenden Gewinn.

London/MünchenDie anhaltende Kauflaune der Fluglinien beschert Airbus erstmals einen Auftragsbestand von über einer Billion Euro. Der Konzern will dieses Jahr mehr als 650 Flugzeuge ausliefern und rechnet weiter mit steigenden Bestellzahlen. „Der Rekord-Auftragsbestand unterstützt unsere Pläne, die Kapazitäten in der Zivilflugzeugproduktion zu erhöhen“, erklärte Vorstandschef Tom Enders am Mittwoch in London. Trotz des dicken Orderbuchs blieb er für das laufende Geschäftsjahr vorsichtig. Für 2016 sagte Enders einen stagnierenden Betriebsgewinn von rund 4,1 Milliarden Euro voraus. Hintergrund sind die Kosten zum Hochfahren der Produktion neuer Passagierjetserien wie dem Langstreckenflieger A350 oder dem modernisierten Mittelstreckenmodell A320neo.

An der Börse kam die Zurückhaltung nicht gut an, obwohl die Aktionäre für 2015 eine um zehn Cent auf 1,30 Euro je Anteilsschein erhöhte Dividende erhalten sollen. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Airbus-Aktie gab um mehr als zwei Prozent nach.

Airbus: Flugzeugbauer behält Geschäft mit Grenzsicherung

Airbus

Flugzeugbauer behält Geschäft mit Grenzsicherung

Airbus trennt sich von mehreren Geschäftsfeldern mit Rüstungselektronik. An der Sparte für Grenzsicherung will der Flugzeugbauer nun doch festhalten. Die Flüchtlingskrise soll dafür aber nicht der Grund sein.

Ab 2017 würden monatlich sieben Flugzeuge des Typs A330 gebaut, betonte der Airbus-Chef. Erst vor einem Jahr hatte Enders bekannt gegeben, die Fertigung des bis zu 300 Sitze fassenden Fliegers zu drosseln. Vor wenigen Wochen kündigte nun der Iran nach dem Ende der Sanktionen eine Bestellung von 45 Maschinen dieses Typs an. Analysten erwarten, dass die Renaissance der in die Jahre gekommenen Modellserie den Gewinn aufpolstern dürfte. „Wenn man annimmt, dass jeder A330 etwa 20 Millionen Euro Gewinn abwirft, dürfte das operative Ergebnis um fünf Prozent zulegen“, erklärte Rob Stallard von RBC Capital Markets.

2016 ist für Airbus ein Übergangsjahr zwischen älteren Modellreihen und modernisierten Typen. Beim Hauptumsatzbringer A320 zeigen sich die üblichen Schwierigkeiten. Turbinenlieferant Pratt & Whitney kämpft mit technischen Problemen, wodurch sich Auslieferungen bei Airbus in die zweite Jahreshälfte verzögern. Auch der Produktionshochlauf des A350 bleibe eine Herausforderung, bekräftigte Enders. Hinzu kommen Bedenken von Branchenexperten, dass Airbus und der Erzrivale Boeing nach Jahren mit immer dickeren Auftragsbüchern einen Dämpfer bekommen könnten. Konjunktursorgen und der niedrige Ölpreis könnten die Einkaufspläne der Fluglinien ändern.

Mit dem abgelaufenen Jahr zeigte sich Enders zufrieden. Der Riesenflieger A380 werfe erstmals in seiner Produktionsgeschichte Gewinn ab, die Einführung des A320neo komme voran und vom neuen A350 seien bereits 14 Maschinen ausgeliefert worden. „Wir werden unser Augenmerk auch künftig auf das Programmmanagement und die Bewältigung der Herausforderungen richten, die mit der Beschleunigung des A350- und A400M-Hochlaufs sowie dem Übergang zur A320neo-Version einhergehen“, erklärte Enders.

Wo Airbus Flugzeuge zusammenbaut

Vier Werke

Der größte europäische Flugzeughersteller Airbus baut in vier großen Produktionswerken auf drei Kontinenten Flugzeuge zusammen. Die Hauptproduktionsstätten.

Toulouse

Am Stammsitz von Airbus in der südfranzösischen Stadt mit mehr als 21 000 Beschäftigten in der Region werden auf mehreren Fertigungslinien die A320, A330, A350 und A380 endmontiert. Für die A320-Familie gibt es zwei Endmontagelinien.

Hamburg-Finkenwerder

Das Hamburger Werk in Finkenwerder ist mit 12 700 Beschäftigten die größte Produktionsstätte von Airbus in Deutschland. Für die Flieger der A320-Familie werden hier nicht nur Teile produziert, es gibt auch drei Endmontage-Linien. Eine vierte Linie soll in Hamburg entstehen, wenn die Produktion des Erfolgsschlagers A320 mehr als ohnehin geplant ausgeweitet wird. Auch an anderen Airbus-Programmen wie dem weltgrößten Passagierflugzeug A380 ist Hamburg beteiligt.

Tianjin

2008 eröffnete Airbus ein Werk als Joint Venture in der chinesischen Hafenstadt Tianjin. Dort werden von mehr als 400 Mitarbeitern ebenfalls Flugzeuge der A320-Familie montiert.

Mobile

Mit der Fertigungsstätte im US-Staat Alabama will Airbus dem Erzrivalen Boeing noch mehr Konkurrenz machen. Im Frühjahr 2016 soll dort der erste auf dem 470 000 Quadratmeter großen Areal montierte Mittelstreckenjet der A320-Familie ausgeliefert werden. 1000 Arbeitsplätze sind dort geplant.

Quelle: dpa

Die lahmende Produktion des Militärtransporters A400M hatte Airbus im ersten Halbjahr 2015 noch hohe Sonderlasten eingebrockt. Beim Bau des prestigeträchtigen A380 drehe Airbus weiter an der Kostenschraube, um 2017 auch bei weniger Auslieferungen als den 27 des vergangenen Jahres Geld damit zu verdienen, sagte Finanzchef Harald Wilhelm.

Im schwierigen Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft des Konzerns ist der Abwärtstrend vorerst unterbrochen, die Auftragslage habe sich zuletzt wieder gebessert, hieß es. Neuigkeiten zum laufenden Verkauf der Rüstungselektroniksparte brachte Enders nicht mit auf die Bilanzpressekonferenz nach London.

Insgesamt kletterten die Einnahmen der Toulouser 2015 binnen Jahresfrist um acht Prozent auf 64 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn (Ebit) vor Sondereffekten lag mit gut 4,1 Milliarden Euro nur knapp über dem Vorjahreswert. Das Konzernergebnis stieg um 15 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro.

Von

rtr

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