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19.01.2016

18:31 Uhr

Airbus stellt Produktion um

3D-Drucker sollen Zulieferer ersetzen

Der Flugzeughersteller Airbus beschreitet neue Wege in der Produktion. Nach dem Motto leichter, schneller, preiswerter kommen die ersten Bauteile aus 3D-Druckern. Das verringert die Abhängigkeit von Zulieferern.

Die neuen Fertigungstechniken könnten nicht nur die Produkte, sondern auch die Geschäftsmodelle von Airbus völlig verändern, glaubt Manager Peter Sander. dpa

Airbus Group

Die neuen Fertigungstechniken könnten nicht nur die Produkte, sondern auch die Geschäftsmodelle von Airbus völlig verändern, glaubt Manager Peter Sander.

HannoverFliegen wie gedruckt heißt ab sofort das Motto bei Europas größtem Flugzeughersteller. Im niedersächsischen Varel hat der Airbus-Konzern mit dem industriellen Einsatz von 3D-Druckern in der Produktion eine neue Ära eingeläutet. Bisher hat Airbus Bauteile komplett von Zulieferern bezogen, nun werden zunächst doppelwandige Benzinrohre aus Titan gedruckt. „Das ist ein echter Meilenstein, zumal sich die Kosten dadurch halbieren“, sagte Airbus-Manager Peter Sander bei einem Medienseminar am Dienstag in Hannover.

Nach Angaben des für Zukunftstechnologien zuständigen Managers stellt die Airbus-Tochter Premium Aerotech (PAG) die bisher aus Guss produzierten Rohre her. „Wir sind in Serie gegangen“, sagte Sander. Ab Mitte 2016 will Europas größter Flugzeugbauer auch Bauteile aus Edelstahl, ab 2017 aus Aluminium herstellen. Eine auf einer Messe in Las Vegas per 3D-Druck produzierte Flugzeug-Trennwand von 2,10 Metern Länge soll dann aus einem Stück hergestellt werden. Dazu gibt es auch Gespräche mit dem Hersteller eines extrem leistungsstarken Prototypen in Südafrika, der 2,10 Meter große Stücke produzieren kann. Sander: „Die Drucker werden permanent größer und doppelt so schnell.“

Wo Airbus Flugzeuge zusammenbaut

Vier Werke

Der größte europäische Flugzeughersteller Airbus baut in vier großen Produktionswerken auf drei Kontinenten Flugzeuge zusammen. Die Hauptproduktionsstätten.

Toulouse

Am Stammsitz von Airbus in der südfranzösischen Stadt mit mehr als 21 000 Beschäftigten in der Region werden auf mehreren Fertigungslinien die A320, A330, A350 und A380 endmontiert. Für die A320-Familie gibt es zwei Endmontagelinien.

Hamburg-Finkenwerder

Das Hamburger Werk in Finkenwerder ist mit 12 700 Beschäftigten die größte Produktionsstätte von Airbus in Deutschland. Für die Flieger der A320-Familie werden hier nicht nur Teile produziert, es gibt auch drei Endmontage-Linien. Eine vierte Linie soll in Hamburg entstehen, wenn die Produktion des Erfolgsschlagers A320 mehr als ohnehin geplant ausgeweitet wird. Auch an anderen Airbus-Programmen wie dem weltgrößten Passagierflugzeug A380 ist Hamburg beteiligt.

Tianjin

2008 eröffnete Airbus ein Werk als Joint Venture in der chinesischen Hafenstadt Tianjin. Dort werden von mehr als 400 Mitarbeitern ebenfalls Flugzeuge der A320-Familie montiert.

Mobile

Mit der Fertigungsstätte im US-Staat Alabama will Airbus dem Erzrivalen Boeing noch mehr Konkurrenz machen. Im Frühjahr 2016 soll dort der erste auf dem 470 000 Quadratmeter großen Areal montierte Mittelstreckenjet der A320-Familie ausgeliefert werden. 1000 Arbeitsplätze sind dort geplant.

Quelle: dpa

Für das neue Verfahren habe die Ausbildung der ersten 55 Ingenieure bereits begonnen. Neben dem 3D-Druck, bei dem die Strukturen Schicht für Schicht aufgebaut werden, soll auch die sogenannte Bionik künftig stärker zum Einsatz kommen. Sie ahmt Strukturen aus der Natur industriell nach – nach Angaben von Sanders halbiert sich das Gewicht der Teile. „Der 3D-Druck wird massiv nicht nur unsere Produkte ändern, sondern auch zu völlig veränderten Geschäftsmodellen führen“, glaubt der Manager. Er ist überzeugt: „Metall wird wieder konkurrenzfähig zur Kunstfaser“. Airbus hat sein Zentrum für die anspruchsvolle Kunstfaser-Produktion im norddeutschen Stade.

Von

dpa

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