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13.11.2015

17:25 Uhr

Airbus zahlt Entschädigung

13 Millionen Euro für die A400M-Pannen

Als Ausgleich für Pannen beim Militärtransporter A400M muss Airbus einem Medienbericht zufolge eine Millionensumme an die Bundeswehr zahlen. Außerdem sollen Mängel am Transporter kostenfrei behoben werden.

Airbus muss der Bundeswehr für Probleme beim A400M laut einem Medienbericht eine Millionenentschädigung zahlen. dpa

Airbus-Transporter A400M

Airbus muss der Bundeswehr für Probleme beim A400M laut einem Medienbericht eine Millionenentschädigung zahlen.

BerlinAirbus muss wegen der Probleme beim Transportflugzeug A400M laut einem Medienbericht eine Entschädigung von 13 Millionen Euro an die Bundeswehr zahlen. Das habe Rüstungs-Staatssekretärin Katrin Suder mit dem Konzern ausgehandelt, hieß es am Freitag bei „Spiegel Online“ ohne nähere Quellenangabe. Die Entschädigung würde demnach allerdings nicht einmal zehn Prozent des Stückpreises eines der Militärtransporter von rund 175 Millionen Euro umfassen. Das Verteidigungsministerium war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Der A400M sollte bei der Bundeswehr eigentlich schon vor Jahren die betagten Transall-Maschinen ersetzen. Die Auslieferung des Militärtransporters liegt jedoch weit hinter dem Zeitplan zurück. Bislang hat die Bundeswehr erst eine einzige flugfähige Maschine zur Erprobung erhalten, mehr als höchstens zwei Maschinen dürften die Streitkräfte dem Bericht zufolge auch im laufenden Jahr nicht mehr bekommen.

Die Einigung sieht laut „Spiegel Online“ zudem vor, dass Airbus Mängel an den zur Auslieferung anstehenden Maschinen kostenfrei beheben muss. Die Bundeswehr dürfe bis dahin 17 Prozent des Kaufpreises zunächst einbehalten, zudem gebe es pro Flieger eine Gutschrift von 2,2 Millionen Euro. Außerdem muss Airbus demnach die Maschinen kostenfrei modernisieren, von denen derzeit nur eine abgespeckte Version angeboten wird. So fehlen bislang Selbstschutzeinrichtungen zur Abwehr feindlicher Geschosse; auch für das Landen auf nicht betonierten Pisten gab es zunächst Einschränkungen.

Das Verteidigungsministerium wollte sich laut „Spiegel Online“ nicht zu der Einigung äußern, da mit dem Hersteller Stillschweigen vereinbart worden sei. Die Bundeswehr hatte insgesamt 53 der Transportmaschinen bestellt. Weitere A400M gehen an andere europäische Staaten. Nach dem Absturz einer für die Türkei bestimmten Maschine im spanischen Sevilla hatte auch der einzige A400M der Bundeswehr zeitweise am Boden bleiben müssen.

Airbus Pannenflieger A400M

1982

Führende europäische Rüstungskonzerne gründen im Dezember 1982 das Future International Military/Civil Airlifter-Konsortium (FIMA) mit dem Ziel, den Bau eines gemeinsamen Militärtransporters zu prüfen. Die neue Maschine soll als Ersatz für die alternden Flieger Lockheed C-130 Hercules und Transall C-160 dienen.

Quelle: Wirtschaftswoche

1994

Das mittlererweile auf Euroflag umgetaufte Konsortium stellt das erste Modell der A400M auf der Flugschau in Farnborough. Der Name: Future Large Aircraft (FLA). Kurz darauf übernimmt der Flugzeugbauer Airbus das Programm.

1999

Airbus legt sieben Regierungen ein Angebot über feste Leistungen und Preise für den A400M vor.

2003

Nach schwierigen und lange dauernden Verhandlungen unterschreiben die Länder im Mai 2003 einen Vertrag über die Lieferung von 180 Maschinen.

2007

Der Bau des ersten Prototypen beginnt. Ende des Jahres gibt Airbus bekannt, dass sich der eigentlich für 2008 geplante Start der Serienproduktion wegen technischer Probleme um mindestens zwölf Monate verzögert.

2009

Im Dezember 2009 findet schließlich der Erstflug des Militärtransporters statt. Es ist längst ausgeschlossen, dass Frankreich wie geplant im Frühjahr 2010 die erste A400M erhält.

2009/2010

Die Situation spitzt sich zu: Airbus zweifelt wegen der immens erhöhten Belastung durch technische Probleme und Verzögerungen in der Entwicklung intern an der Realisierung des Projekts. In Medien ist von fünf bis elf Milliarden Euro Mehrkosten die Rede.

2010

Die beteiligten Länder einigen sich mit Airbus auf den Bau des Flugzeugs und akzeptieren eine Preiserhöhung. Die Produktion der ersten Serienmaschinen beginnt.

2013

Im August 2013 wird die erste A400M an das französische Militär ausgeliefert.

2015

Laut Medienberichten führen Produktionsprobleme dazu, dass 2015 maximal zwei statt fünf A400M an Deutschland ausgeliefert werden können. Auch die Franzosen und Briten sind von den erneuten Verzögerungen betroffen. Im Mai stürzt eine Maschine beim Werk im spanischen Sevilla wegen Softwareproblemen ab. Vier Mitglieder der Crew sterben, der Produktionsplan gerät durcheinander.

Die Grünen-Verteidigungsexpertin Agniezka Brugger verwies in Berlin zudem auf Softwareprobleme beim A400M, was für die Planung von Einsätzen eine Vorlaufzeit von 50 Stunden erforderlich mache. Brugger forderte mit Blick auf die Pannenserie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf, „den Kuschelkurs mit der Rüstungsindustrie ein für alle Mal zu beenden“. Vor neuen Großaufträgen müssten im Vorhinein Entschädigungsansprüche festgelegt werden.

Von

afp

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