Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2011

11:00 Uhr

Airport BBI

Auch Protestwelle kann Flughafenbau nicht stoppen

VonSilke Kersting, Eberhard Krummheuer

In Berlin protestieren Bürger gegen den neuen Hauptstadt Berlin Brandenburg-International. -Flughafen Doch anders als die Bahnhofsvision "Stuttgart 21" ist der Airport BBI längst keine Planung mehr, sondern fast fertig. 2011 startet bereits der Probebetrieb. Für die Wirtschaft ist der Flughafen jetzt schon eine Erfolgsgeschichte.

NO! Berliner Bürger demonstrieren gegen die geplanten Flugrouten des neuen Grossflughafens Berlin-Brandenburg (BBI). DAPD

NO! Berliner Bürger demonstrieren gegen die geplanten Flugrouten des neuen Grossflughafens Berlin-Brandenburg (BBI).

BERLIN. Draußen wird gehämmert, Schweißfunken purzeln durch die winterkalte Luft. Drinnen, hinter provisorischen Holztüren, wohlige Wärme und eine fast feierliche Ruhe. Irgendwo summt ein Aggregat. Im Halbdunkel breitet sich über zwei Etagen die Gepäckverteilanlage aus, insgesamt zehn Kilometer lang und eines der Herzstücke des künftigen Großflughafens. Ihre Bänder laufen schon, fast lautlos. Einsam drehen einige Koffer die Runde. Sie kommen von nirgendwo, sie sollen nirgendwo hin. Doch eineinhalb Jahre vor der geplanten Inbetriebnahme von "BBI", dem Hauptstadt Berlin Brandenburg-International, -Flughafen haben die ersten Testläufe begonnen. Auch die erste Airport-Trinkwasserleitung, über die täglich eine Kleinstadt von 20 000 Einwohnern versorgt werden könnte, steht.

So wird der Airport im Südosten Berlins, der auch den Namen von Willy Brandt tragen soll, in den nächsten Wochen und Monaten Stück für Stück weitergebaut, - ungeachtet des beginnenden Wahlkampfgetöses vor der Landtagswahl in Berlin im September und des heftig aufflammenden Bürgerprotests gegen die von der Deutschen Flugsicherung präsentierten Flugrouten.

Viele Menschen fühlen sich getäuscht, weil sie sich außerhalb der Flugschneisen gewähnt hatten und jetzt um ihre Ruhe fürchten. Protestinitiativen formieren sich, in den Vororten Berlins und Brandenburgs wird demonstriert und mit jeder Woche scheint der Zorn und die Dynamik größer zu werden, angefeuert vom Protest grüner Spitzenpolitiker wie Renate Künast, die im nächsten Jahr Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ablösen will. Das alles erinnert an Stuttgart 21, doch anders als in Baden-Württemberg ist das Großprojekt in Berlin bis auf das letzte Drittel fertiggestellt.

"Kurze Flugzeiten nach Osteuropa und Asien, schnelle Umsteigezeiten, kurze Wege in die City: Der BBI bietet für die Hauptstadt die einmalige Chance, endlich die Langstrecken anzuziehen, die sie so dringend benötigt", sagt Flughafenchef Rainer Schwarz.

Denn aufgrund der um eine Stunde kürzeren Flugzeit gen Asien sparen die Airlines je nach Ziel vor allem das Personal für eine zweite Crew. Zur Jahreswende steht ein Meilenstein an: Das markante sechsgeschossige zentrale Terminalgebäude wird in diesen Tagen komplett verglast. Dann fällt der Startschuss für den Innenausbau. Unter dem Estrich liegt bereits weitgehend die Fußboden-Heizung, die größte Anlage der Welt. So ist es möglich, auch bei strengem Frost und Schneegestöber den Bau des Terminals voranzutreiben. Zu tun gibt es reichlich, denn das Gebäude mit seiner kathedralenhaften, allemal fußballfeldgroßen Empfangshalle umschließt einen Baukörper vom Volumen des Berliner Olympia-Stadions.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

norbert

02.01.2011, 13:02 Uhr

in zehn Jahren ist das Kerosin wahrscheinlich so teuer, daß kaum noch einer fliegen kann.
Und das ist auch gar nicht so schlecht, wozu müssen deutsche Michel an irgendeinen fernen Strand in irgendeine bettenburg fahren ? Gibt es nur dort Erholung ?

michael

02.01.2011, 13:38 Uhr

Der bericht über den bbi ist recht einseitig "abgefasst".
Der bbi beruht auf Lug und Trug ; so wurden zehntausende Anwohner schlicht betrogen und die Verwaltungsgerichtbarkeit bei der Erteilung des Planfeststellungsbeschlusses hinters Licht
geführt ! Auch wenn Sie als Handelsblatt schwerpunktmäßig die "wirtschaftlichen Dinge" sehen, sollten auch Sie zu einer sachgerechten berichterstattung finden ! Der bbi ist nicht nur die "größte" baustelle Europas ( ist sie das wirklich ? ) sondern auch der größte und teuerste staatlich gelenkte "betrugsfall" Europas.
Seien sie daher bitte nicht völlig überrascht, wenn im Laufe des Jahres 2011 das bundesverwaltungsgericht dies auch so sieht.

Andreas

04.01.2011, 17:50 Uhr

Der Kommentar von Michael ist treffend.
Der einseitig geschriebene Artikel ist der Grund dafür, warum es dem blatt so schwer fällt neue Abonenten zu finden. Das Schönreden wird aber auch dem Handelsblatt nicht gelingen. Der bbi in Schönefeld wird bestimmt noch viele Gerichte beschäftigen und als größter betrugsskandal in die Geschichte berlins bzw. brandenburg eingehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×