Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.11.2016

11:37 Uhr

Aixtron

US-Behörde droht mit Stopp von geplanter Übernahme

VonMartin Wocher

Grand Chip will Aixtron für 676 Millionen Euro kaufen. Doch eine US-Behörde hat Bedenken wegen der geplanten Übernahme durch den chinesischen Investor. Das letzte Wort hat wohl der US-Präsident.

Der Unternehmenssitz des Spezialmaschinenbauers Aixtron steht in Herzogenrath bei Aachen. dpa

Spezialmaschinenbauer

Der Unternehmenssitz des Spezialmaschinenbauers Aixtron steht in Herzogenrath bei Aachen.

Berlin/WashingtonGegen die umstrittenen Übernahmepläne des deutschen Chipanlagen-Bauers Aixtron durch einen chinesischen Investor gibt es nun auch politischen Widerstand in den USA. Die US-Behörde CFIUS habe beiden Firmen mitgeteilt, dass es ungelöste nationale US-Sicherheitsbedenken gegen den Zusammenschluss gebe, teilte Aixtron am Freitagabend mit. Deshalb sei Aixtron nahe gelegt worden, das Fusionsvorhaben aufzugeben. Andernfalls werde dem US-Präsidenten, der in der Sache das letzte Wort hat, empfohlen, die Freigabe nicht zu erteilen.

Der Investor Grand Chip Investment (GCI) und Aixtron hätten aber entschieden, der Rücknahmeempfehlung nicht zu folgen. Der US-Präsident habe nun 15 Tage Zeit, über das Vorhaben zu entscheiden. GCI und Aixtron würden weiter aktiv im Verhandlungswege nach Möglichkeiten suchen, die US-Sicherheitsbedenken auszuräumen.

Nach Einschätzung aus Branchenkreisen ist mit dem Einspruch der US-Behörde die Übernahme von Aixtron so gut wie gescheitert. Ob Präsident Barack Obama die Entscheidung seiner Behörde in den kommenden 15 Tagen noch einmal kippen werde, sei mehr als fraglich, heißt es. Aixtron werde zwar noch einmal alles versuchen und erst einmal das Votum des Bundeswirtschaftsministeriums abwarten – aber die Hoffnung, den Verkauf doch noch durchzusetzen, sinkt in Richtung Null.

Aixtron-Übernahme: „Das totale Tohuwabohu“

Aixtron-Übernahme

Premium „Das totale Tohuwabohu“

Die Eigner des Maschinenbauers wollen Aixtron gegen alle Widerstände an die Chinesen verkaufen. Der US-Geheimdienst und die Bundesregierung sehen das anders. Der Industriestandort Deutschland leidet unter dem Streit.

Die ganze Vorgehensweise sei jedenfalls überaus dubios und gefährde auf lange Sicht auch den Wirtschaftsstandort Deutschland, heißt es in Branchenkreisen. Schließlich habe Aixtron jahrelang ohne Einwände seine Maschinen nach Asien und nach China geliefert. Jetzt auf einmal zu behaupten, dabei sei dort zu viel Wissen angehäuft worden, um den Verkauf an einen chinesischen Investor zu blockieren, sei mehr als fraglich. Aixtron, so die Vermutung, sei in die Mühlen der Politik geraten. Die greife in den Markt ein, lasse das Unternehmen aber dann mit den Konsequenzen allein, so der Vorwurf. Die amerikanische Konkurrenz habe nun leichtes Spiel, den Markt zu übernehmen.

Grand Chip will den angeschlagenen Chipanlagenbauer aus Nordrhein-Westfalen für 676 Millionen Euro kaufen. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte aber im Oktober eine bereits erteilte Genehmigung des Vorhabens zurückgezogen und eine monatelange Prüfung angekündigt. Auslöser sollen Medienberichten zufolge US-Geheimdienste gewesen sein, die die hiesige Behörde über einen möglichen militärischen Einsatz der Halbleiter informiert hätten, die auf Aixtron-Anlagen produziert werden. Das Ministerium hatte lediglich erklärt, es habe bis dahin nicht bekannte sicherheitsrelevante Informationen erhalten. Aixtron hatte indes mögliche Sicherheitsbedenken zurückgewiesen und erklärt, 30 Jahre lang seien für Aixtron-Anlagen Exportgenehmigungen erteilt worden. In China stünden heute hunderte solcher Anlagen, die von Aixtron und auch dem US-Konkurrenten Veeco stammten.

Für Aixtron stellt sich nun die Frage, wie es weitergeht. Schließlich braucht das Unternehmen angesichts der roten Zahlen im laufenden Geschäft eine Perspektive. Eine Variante ist, sich von bestimmten Technologiebereichen zu trennen und das Unternehmen damit kleiner zu fahren. Welche Sparten davon betroffen sein könnten und wie viele Arbeitsplätze ein solcher Schnitt kosten würde – dafür ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu früh.

Die US-Behörde CFIUS hat die Aufgabe, Übernahmen mit Blick auf Folgen für die nationale Sicherheit zu prüfen. Experten zufolge kommt es nur sehr selten vor, dass sie Fusionsvorhaben unmittelbar stoppt. Üblicherweise werden die beteiligten Firmen über den Widerstand der Behörde informiert und ziehen dann selbst den Antrag auf Genehmigung der Übernahme zurück.

Mit Material von Reuters.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×