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10.05.2012

19:18 Uhr

Akio Toyoda

Die Rückkehr des japanischen Autoriesen

VonMartin Kölling

Nach den Krisenjahren feiert der japanische Autobauer Toyota ein beeindruckendes Comeback. Im laufenden Geschäftsjahr könnte der Gewinn eine Billion Yen übersteigen. Der Vater des Erfolgs: Akio Toyoda.

Akio Toyoda während einer Pressekonferenz. AFP

Akio Toyoda während einer Pressekonferenz.

Akio Toyoda scheint die eine Volksweisheit über Familienunternehmen zu widerlegen. Der Gründer baut das Unternehmen auf, heißt es. Sein Sohn führe es zur Blüte und sein Enkel verspiele das Erbe. Doch Akio Toyoda, der Enkel des Firmengründers, hat Toyota in den drei Jahren seiner Amtszeit aus der schwersten Krise des größten japanischen Autobauers geführt.

Schon im März abgelaufenen Bilanzjahr 2011 übertraf Toyota mit einem Betriebsgewinn von 356 Milliarden Yen (3,4 Milliarden Euro) die Erwartungen der Märkte. Für 2012 sagt das Unternehmen sogar eine Verdreifachung des operativen Gewinns auf 1.000 Milliarden Yen voraus. Die Gewinnmarge würde damit auf 4,5 Prozent steigen, obwohl Toyota im Gegensatz zu den deutschen Autobauern unter einem starken Yen leidet.

Asiens Autohersteller

Wachstumsstark und clever

Viele kleinere Autohersteller aus Fernost haben Ambitionen, sich in den nächsten Jahren zu Weltmarken zu entwickeln:

SAIC (China)

Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) ist in Deutschland als VW-Partner bekannt, zeigt aber immer mehr Eigenständigkeit. 2011 wurden mehr als vier Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

SAIC (China)

Damit hat sich der Absatz seit 2005 vervierfacht. SAIC könnte als einer der ersten chinesischen Anbieter auf dem Weltmarkt bestehen. In Großbritannien verkauft SAIC unter der zugekauften Marke MG Rover bereits Autos.

BAIC (China)

Die Beijing Automotive Industry Corporation Group (BAIC Group) ist das Pekinger Gegenstück zu SAIC. BAIC kooperiert mit Daimler und Hyundai. In Europa ist sie zuletzt als möglicher Käufer für die schwedische Marke Saab ins Gespräch gekommen.

BAIC (China)

Der fünftgrößte chinesische Autobauer ist eine Kooperation mit der russischen AMS Group eingegangen, um den Markt des Nachbarlands für die eigenen Produkte zu erschließen.

Chery (China)

Chery ist wie BAIC und SAIC ein Staatsbetrieb, kommt aber etwas flippiger daher und ist der Exportchampion unter den Chinesen. Das Unternehmen setzt konsequent auf Absatz in anderen Schwellenländern und betreibt eigene Fabriken beispielsweise in Indonesien, der Ukraine oder der Türkei.

Chery (China)

Mit rund 800 000 abgesetzten Autos liegt Chery im chinesischen Ranking auf Platz sieben. Durch konsequente Ausgaben für eigene Entwicklung sichert sich der Anbieter eine solide Position im unteren Marktsegment.

Geely (China)

Der Ehrgeizling unter Chinas Autofirmen befindet sich nicht in Staatshand, sondern ist ein Privatunternehmen. Im Laufe des Jahres will das Unternehmen sein Topmodell Emgrand in Großbritannien und Italien auf den Markt bringen.

Geely (China)

Das ist konsequente Fortsetzung einer Strategie, die sich bereits 2010 im Kauf der schwedischen Traditionsmarke Volvo gezeigt hat: nicht kleckern, sondern klotzen – und konsequent auf Qualität setzen.

Tata (Indien)

Indiens wichtigstes Industrieunternehmen Tata strebt längst nach mehr als nur dem Rang eines regionalen Marktführers. Mit der Übernahme der britischen Luxusmarken Jaguar und Land Rover schrieb das Unternehmen 2008 Industriegeschichte.

Tata (Indien)

Der Konzern stellt im Jahr nur gut eine Million Fahrzeuge her. Doch mit Jaguar und Land Rover setzen die Inder auf internationales Wachstum und wollen zum ernst zu nehmenden Rivalen von BMW werden.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Für VW-Boss Martin Winterkorn ist er einer der gefährlichsten Konkurrenten: Hyundai-Kia ist auf dem Vormarsch. Der fünftgrößte Autokonzern will 2012 erstmals die Sieben-Millionen-Schwelle überschreiten. Die Koreaner zählen zu den am schnellsten wachsenden Autokonzernen der Welt.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Im vorigen Jahr steigerte der Konzern seinen Absatz weltweit um 15 Prozent. Hyundai-Kia verzeichnete damit drei Jahre hintereinander je zweistellige Zuwachsraten.

Die Märkte sind sogar noch optimistischer. Christopher Richter von CLSA Asia-Pacific sagt für 2012 einen Betriebsgewinn von 1.170 Milliarden Yen voraus. Die Firma beginne, viel besser auszusehen, sagt Richter. „Immer mehr Anleger sind der Meinung, dass Toyota sich zurückgemeldet hat.“

Hinter dem Erfolg steht ein Mann, den viele japanische Kommentatoren bei seinem Amtsantritt im Jahr 2009 als verhätschelten Enkel betrachtet hatten: Akio Toyoda. Nach schwachem Start gewinnt der 56-jährige Statur als Unternehmensführer. Toyoda sei ein Visionär, meint gar der Chef eines kleineren westlichen Zulieferers von Toyota: „Akio könnte zum Steve Jobs der Autoindustrie werden.“

Der Vergleich klingt zwar reichlich verwegen. „Es ist schwer, ein Steve Jobs zu sein, wenn man eine Firma von der Größe Toyotas führt“, sagt Kurt Sanger, Auto-Analyst der Deutschen Bank in Tokio. Aber auch er meint, dass Toyoda Toyota gut tut. „Es gibt Zeichen des Wandels – und ich mag sie.“

Allen voran rangiert einer der wichtigsten Punkte: die Refokussierung Toyota auf Produkte und erfolgreichen Verkauf. Seit seinem Amtsantritt predigt Toyoda, dass das Unternehmen zu seinen Wurzeln zurückkehren müsse. Lange klang der ehemalige MBA-Student dabei nebulös akademisch: Toyota müsse bessere Autos bauen, Autos, die den Kunden ein Lächeln abverlangen, weil sie die Erwartungen übererfüllen.

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