Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.03.2012

12:55 Uhr

Aktie steigt stark

EADS verdoppelt Gewinn und Dividende

Streit mit der Bundesregierung, starke Konkurrenten und Rückschläge in der Rüstungssparte: EADS muss so manche schlechte Nachricht verkraften. Heute legt der Konzern die Bilanz für 2011 vor und die sorgt für gute Laune.

Ein Kampfflugzeug vom Typ Eurofighter Typhoon: EADS im Aufwind. dapd

Ein Kampfflugzeug vom Typ Eurofighter Typhoon: EADS im Aufwind.

ParisWie sehr muss das den scheidenden EADS-Chef Louis Gallois gewurmt haben:  Sein Letzter großer Auftritt vor der Presse stand im Zeichen des Zoffs mit den Anteilseignern, genauer gesagt mit einem, der erst demnächst dazustoßen wird: der deutschen Bundesregierung. Wie gerne hätte Gallois, der fast fünf Jahre lang EADS alleine geführt hat, diesen lästigen Streit ad acta gelegt! Aber so musste er gleich in der ersten Frage auf der Bilanz-PK auf den Brief des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundeswirtschaftministerium, Peter Hintze, eingehen, den das Handelsblatt vergangene Woche veröffentlich hat. "Dieser Brief ist sicher nicht angemessen und nicht in Übereinstimmung mit der Governance einer börsennotierten AG," stellt Gallouis höflich, aber bestimmt fest. "Innerhalb unseres Unternehmens existiert dieses Denken nicht mehr -  wir arbeiten ohne Nationalflaggen auf dem Tisch." Tatsächlich hat Gallois zusammen mit dem deutschen Airbus-Chef Tom Enders das nationale Denken überwunden, und daruf ist er stolz: "Wir suchen die besten Leute für jede Aufgabe." Etwas versöhnlicher sagt er, EADS wolle sich "als guter Unternehmens-Bürger verhalten, aber in jedem Land, nicht nur in Deutschland. Wir müssen alle Länder berücksichtigen, in denen wir aktiv sind."

EADS-Aktionärsstruktur mit politischer Brisanz

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Für Gallois ist das ein schwieriger Spagat: Er will den Streit mit der Bundesregierung eher dämpfen ls hochlaufen lassen, aber zugleich die mühsam errungene größere Unabhängigkeit des UNternehmens von der Politik verteidigen. Deshalb relativiert er die Auseinandersetzung: "Alle Staaten, in denen wir aktiv sind, üben Druck auf uns aus, damit wir dort mehr Jobs und Forschungsaktivitäten schaffen. Aber wir müssen im besten Interesse des Unternehmens entscheiden." Und dann kommt der Wink mit dem Zaunpfahl: "Aus vier mittelgroßen europäischen Unternehmen haben wir in den vergangenen Jahrzehnten einen Giganten geformt, der den USA die Stirn bieten kann. Das ist eine der brillantesten europäischen Erfolgsgeschichten, und das sehen sicher auch die Regierungen so."

Die Frage nach seiner Reaktion auf die deutsche Drohung, Darlehen einzufrieren oder gar zurückzufordern, beantwortet Gallois nur höchst diplomatisch: "Herr Hintze hat ja gesagt, dass wir in konstruktiven Gesprächen sind." Finanzchef Ring schiebt nach: "Das ist kein billiges Geld und erst recht sind es keine Subventionen. Auf dem markt würden wir diese Kredite billiger bekommen." Was die Frage aufwirft, warum Airbus das Regierungsgeld dann nimmt - aber darauf kommt nur der etwas nebulöse Hinweis auf "bessere Risikostreuung."

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

smarty_32

08.03.2012, 08:38 Uhr

Wenn Enders Plan der Verlagerung umgesetzt wird, ist der EADS Konzerneinkauf und der Finanzbereich in Frankreich. Jeder halbwegs informierte kann sich ausmalen welche konsequenzen folgen werden. die profunden Redakteure vom Handelsblatt offenbar aber nicht.
Wenn der Einkauf in Frankreich angesiedelt wird, ist die letzte Tarierungssicherung im franz.-deutschen Konzern gelöst. Bedeutet die mittelständische Industrie bekommt weniger auftrage und man baut in Frankreich diese Industrie auf.
Wenn der Konzernbereich Finanzen nach Toulouse verlagert wird, sind zukünftige F&E Budgets der einzelnen Werke nicht mehr gerecht verteilt. Dann wird Hamburg zu einem ein Röhrenlieferant verkümmern und darf maximal der Lufthansa die neuen Maschinen übergeben.
wie blöd ist unsere Regierung sich immer wieder über den Tisch ziehen zu lassen.
Egal ob Siemens in Südkorea vs. Alstom zum Schnellzug (Franz. Geheimdiesnt hatte das Angebot abgefangen).
Die Arie Areva-Siemens, dann das hinterlistige Geschäft mit Hoechst AG (einst 5x größer als Sanofi). usw usw.
SCHLUSS!

Account gelöscht!

08.03.2012, 10:11 Uhr

Na,dann können wir uns auf den kommenden Irankrieg ja richtig freuen,dann wird´s vielleicht nächstes Jahr noch besser!Ach,wenn´s der Rüstung gut geht soll man feiern und sich nicht von Miesepetern in die Suppe spucken lassen.So ist die Welt nun mal und Menschen werden sie wohl kaum ändern.Nicht wahr???

Hans

08.03.2012, 13:37 Uhr

Risiken kennen die Manager der "To big to fail" Unternehmen nicht. Bei denen geht es immer nur nach oben, wenns mal nach unten geht, ist der Staat schuld.

Wenn die USA Armee mehr als 120.000 Soldaten abbaut, dann glaubt EADS, die nehmen noch alle Maschinen ab. Da die USA massiv an Neuanschaffungen für das Militär sparen, will EADS seine Präsenz natürlich aufbauen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×