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16.04.2013

19:24 Uhr

Aktienpaket im Verkauf

Daimler entledigt sich letzter EADS-Anteile

Die eine Hälfte seiner Anteile hatte Daimler bereits verkauft, nun will der Autobauer auch den Rest seiner Aktien auf den Markt werfen. Kreisen zufolge wurden die Papiere mit einem geringen Abschlag am Markt angeboten.

Ein Eurofighter von EADS: Daimler verabschiedet sich von seinen restlichen Anteilen. dapd

Ein Eurofighter von EADS: Daimler verabschiedet sich von seinen restlichen Anteilen.

Frankfurt/London/StuttgartDaimler steigt mit dem Verkauf eines milliardenschweren Aktienpaktes endgültig beim Flugzeug- und Rüstungskonzern EADS aus. Früher als erwartet wirft der Stuttgarter Autobauer 61,1 Millionen EADS-Aktien im Wert von gut 2,2 Milliarden Euro auf den Markt und bietet sie über Nacht institutionellen Investoren zum Kauf an, wie Daimler am Dienstag nach Börsenschluss mitteilte.

Der mit schwachen Absatzzahlen in Europa und China kämpfende Autohersteller will den Milliardenerlös in sein Kerngeschäft stecken und sichert damit seine Dividendenfähigkeit. "Wir werden den Erlös der Veräußerung in das globale Wachstum unserer Geschäftsfelder und den Ausbau unserer technologischen Spitzenposition investieren", sagte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber. Daimler war im Jahr 2000 eines der Gründungsunternehmen von EADS, Herzstück des deutsch-französischen Unternehmens ist der Flugzeugbauer Airbus.

Die EADS-Zahlen im Überblick

Der Konzern

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat 2012 deutlich mehr Geld verdient. Der Erfolg geht zu einem großen Teil auf das Konto der Tochter Airbus. Daneben gibt es drei weitere Sparten. Insgesamt beschäftigt EADS weltweit mehr als 133.000 Menschen. Das Geschäft der Divisionen im Überblick.

Airbus

Der Flugzeugbauer mit Sitz in Toulouse ist der Goldesel des Konzerns. Der Boeing-Rivale steht mit Erlösen von fast 38,6 Milliarden Euro für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. 2012 verdiente Airbus vor Zinsen und Steuern (EBIT) gut 1,2 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so viel wie 2011. Mit gut 69 000 Beschäftigten arbeitet mehr als jeder zweite EADS-Mitarbeiter für den Flugzeugbauer. Ein wichtiger Airbus-Standort ist Hamburg.

Eurocopter

Der Hubschrauberhersteller ist 2012 gemessen am Umsatz die zweitgrößte Sparte des Konzerns. Die Erlöse wuchsen um 16 Prozent auf den Rekordwert von fast 6,3 Milliarden Euro. Das EBIT stieg um 20 Prozent auf 311 Millionen Euro. Verantwortlich für das Plus war vor allem das Wartungsgeschäft, die Zahl der ausgelieferten Hubschrauber sank 2012 von 503 auf 475. Auch Eurocopter spürt hier vor allem Kürzungen von Rüstungsausgaben. Das Unternehmen mit Sitz im französischen Marignane beschäftigt knapp 20 800 Menschen.

Astrium

Die Raumfahrttochter ist inzwischen die drittstärkste Division des Konzerns. Der Umsatz des Unternehmens mit Hauptsitz in Paris stieg vor allem wegen des Service-Geschäfts um 17 Prozent auf gut 5,8 Milliarden Euro. Das EBIT stieg ebenfalls um 17 Prozent auf 312 Millionen Euro. Astrium steht vor allem für die europäische Trägerrakete Ariane, aber auch für den Bau von Satelliten. Die Sparte beschäftigt weltweit rund 16 600 Menschen.

Cassidian

Die Rüstungstochter bekommt die Sparzwänge in vielen europäischen Ländern besonders deutlich zu spüren. Die geplatzte Fusion mit BAE Systems machte zudem Hoffnungen der EADS-Spitze zunichte, Zugang zu weiteren Märkten zu bekommen. Der Umsatz von Cassidian sank 2012 leicht um 1 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro, das EBIT brach allerdings um 57 Prozent auf 142 Millionen Euro ein - vor allem wegen der Kosten für den Umbau und Jobstreichungen. 2011 war die Sparte mit Sitz in der Nähe von München gemessen am Umsatz noch die Nummer 2 im EADS-Konzern. Cassidian hat rund 20 900 Beschäftigte.

Zuletzt hatte der französische Medienkonzern Lagardere ein Aktienpaket von 7,4 Prozent an EADS versilbert, einen Teil der Papiere schnappte sich EADS gleich selbst. Auch aus dem Bestand von Daimler will sich der Konzern bedienen: EADS selbst wolle Aktien für rund 600 Millionen Euro kaufen, teilte der Autobauer mit.

Die Transaktionen sind Teil der Konzernreform, auf die sich die staatlichen und privaten EADS-Eigner nach der gescheiterten Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems Ende vergangenen Jahres geeinigt hatten.

Mit dem Umbau der Aktionärsstruktur will EADS künftig unabhängiger von der Politik werden, EADS war häufig Anlass für Gezänk zwischen den Regierungen beiderseits des Rheins. Deutschland und Frankreich sollen künftig Aktienpakete über je zwölf Prozent halten, Spanien reduzierte jüngst seinen Anteil um 1,15 Prozentpunkte auf vier Prozent.

Daimler hatte angekündigt, seine restlichen Anteile an EADS ab Juli abzutreten. Die begleitenden Banken verzichteten nach Angaben des Unternehmens nun jedoch auf die Einhaltung der entsprechenden Sperrklauseln, zu denen sich Daimler im Dezember verpflichtet hatte. Die Preisfestsetzung für die zum Kauf angebotenen Aktien soll am Mittwoch erfolgen.

Das ist die Aktionärsstruktur von Daimler

Weitgehend im Streubesitz

Anders als bei Konkurrenten wie Volkswagen oder BMW befinden sich die Aktien des Autobauers Daimler weitgehend im Streubesitz. Dritte könnten so leichter die Macht übernehmen.

Kuwait größter Investor

Nach dem Ausstieg des arabischen Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi ist Kuwait Daimlers größter Investor - mit 7,6 Prozent direktem Anteilsbesitz. Renault und Nissan besitzen jeweils 1,54 Prozent des Aktienpakets.

Institutionelle Investoren halten größten Anteil

Den größten Anteil halten institutionelle Investoren wie Banken mit insgesamt 68,8 Prozent. Private Aktionäre sind mit 20,5 Prozent an Daimler beteiligt.

Ankerinvestoren bei anderen Autoherstellern

Andere deutsche Autobauer haben solide Ankerinvestoren: BMW hat die Familie Quandt im Boot, die fast die Hälfte der Papiere besitzt. Europas größter Autobauer Volkswagen etwa ist über den Familienclan Porsche/Piëch und das Bundesland Niedersachsen abgesichert.

Finanzkreisen zufolge wurden die Papiere am Dienstagabend in einer Spanne von 36,20 bis 37 Euro offeriert. Mit den Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley sei eine Barabwicklung vereinbart worden: Diese ermögliche Daimler bis zum Jahresende 2013 an einem möglichen Kursanstieg der EADS-Aktie teilzuhaben.

Die Beteiligung an EADS hatte Daimler immer wieder hohe Verluste eingebrockt, bei Investoren hatten sich die Schwaben damit zudem immer wieder Kritik wegen der Produktion von militärischen Gütern eingehandelt. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs von EADS kräftig gestiegen: Anfang Januar wurden die EADS-Papiere zu 30 Euro gehandelt, am Dienstag gingen sie mit 37,20 aus dem Handel.

Von

rtr

Kommentare (1)

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EADS

16.04.2013, 21:43 Uhr

Eine gute, wenn auch tragische, Entscheidung aus EADS auszusteigen. Gut, weil es wirtschaftlich nicht mehr viel Sinn machte und DAIMLER die Verkaufserlöse besser im Mobilitätsbereich auf Rädern investieren kann. Tragisch, weil es das letzte Überbleibsel von Edzard Reuters Gemischtkonzernphilosophie war. Diese Strategie beherrschen aber Asiaten besser, als Deutsche. In Asien ist es völlig normal Chancen wahrzunehmen und sich nicht in Monogebilden zu verlieren. In Deutschland ist es seltener so der Fall.

Hoffentlich investiert Daimler die EADS-Erlöse weise.

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