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08.03.2006

14:07 Uhr

Aktionärsstruktur

EADS kann auf den Staat verzichten

Airbus-Mutter EADS hält eine Beteiligung europäischer Staaten für überflüssig. Stattdessen wünscht sich der Konzern, dass der Streubesitz von derzeit knapp 35 Prozent steigt. Der Wunsch geht vielleicht schon nächstes Jahr in Erfüllung. Großaktionäre könnten sich von Anteilen trennen – darunter auch Daimler-Chrysler.

HB PARIS. Aus Sicherheitsgründen müssten Staaten keinen Aktionärsstatus haben, sagte EADS-Co-Chef Thomas Enders am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Paris. Die 15-prozentige Beteiligung Frankreichs sei „eher ein historisches Erbe“.

Eine Änderung des Aktionärskreises steht EADS nach Einschätzung von Experten 2007 ins Haus. Dann will der Medienkonzern Lagardère seinen – mit Frankreich gebündelten – Anteil von derzeit 15 Prozent verringern. Auch Daimler-Chrysler soll Interesse haben, einen Teil seines 30-Prozent-Anteils zu versilbern. Die Nachricht sei nicht Lagardères Verkaufswunsch, sondern seine Absicht, EADS-Großaktionär zu bleiben, sagte allerdings EADS-Co-Chef Noël Forgeard. Enders fügte hinzu, EADS habe „keinen Hinweis darauf, dass Lagardère und Daimler-Chrysler die Führung bei EADS aufgeben“ wollten.

Erhebliche Finanzmittel benötigt EADS möglicherweise bald als Airbus-Großaktionär: Der britische Flugtechnikkonzern BAE Systems hat die Option, seinen 20 Prozent-Airbus-Anteil zu verkaufen.

Enders zeigte sich glücklich, dass EADS vor Jahren gegründet wurde. Angesichts der Diskussion über „Wirtschaftspatriotismus“ frage er sich, ob die übernationale EADS-Gründung heute noch möglich wäre. Besonders Frankreich schottet seine Märkte nach außen hin ab. So hat die Regierung dem italienischen Versorger Enel Steine in den Weg gelegt, als dieser beim französischen Konkurrenten Suez einsteigen wollte.

Doch nicht nur die Regierung in Paris rüstet sich immer häufiger zur Abwehrschlachten. Auch in anderen Hauptstädten Europas lösen die transnationalen Fusionspläne großer Unternehmen nationalistische Reflexe aus. Madrid will die Übernahme des Energieversorgers Endesa durch den deutschen Eon-Konzern verhindern, Warschau sperrt sich gegen den Einstieg der italienischen Bank Unicredito in den polnischen Finanzmarkt, Luxemburg und Paris wettern gegen den Verkauf des Stahlkonzerns Arcelor an die indische Mittal-Gruppe.

Vergessen ist das Bekenntnis von Europas Regierungschefs, man wolle die Bildung „europäischer Champions“ fördern, um den Wettbewerbern in den USA und Fernost Paroli zu bieten. Kaum lassen das Börsenklima und der Konjunkturaufschwung wieder große europäische Fusionen zu, fürchten sie den Ausverkauf ihrer heimischen Wirtschaft.

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