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23.01.2006

17:59 Uhr

Aktionstag

Conti-Mitarbeiter gehen gegen ihren Chef auf die Straße

Tausende Mitarbeiter des Autozulieferers Continental haben am Montag bundesweit gegen den Kurs von Konzernchef Manfred Wennemer protestiert. Sie werfen ihm Kahlschlag vor. Die Fronten sind verhärtet.

HB HANNOVER. In Betriebsversammlungen an allen 26 deutschen Conti-Standorten richtete sich der Protest gegen Stellenabbau sowie Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer und konkret gegen die Schließung der Pkw-Reifenfertigung am Conti-Stammsitz in Hannover-Stöcken. Höhepunkt des Aktionstages sollte am Nachmittag eine Kundgebung vor der Unternehmenszentrale in Hannover sein.

Alleine zu der Kundgebung erwartete die Gewerkschaft IG Berbau Chemie Energie (IG BCE) mehrere tausend Beschäftigte. Gewerkschaft und Conti-Betriebsrat befürchten nach dem angekündigten Aus für die Pkw-Reifenproduktion in Stöcken weitere Schließungen bei dem Autozulieferer. Am Dienstag wollen Conti-Vorstand und Arbeitnehmerseite erneut über die Schließung in Stöcken verhandeln.

Der Vorstand will die Pkw-Reifenproduktion dort spätestens Mitte 2007 stilllegen. Eine Rücknahme des Schließungsbeschlusses lehnt Conti-Chef Wennemer strikt ab. Gewerkschaft und Betriebsrat fordern zumindest einen zeitlichen Aufschub bis Ende 2007, wie dies in einer Betriebsvereinbarung im Frühjahr 2005 vereinbart worden sei. Zudem will die Arbeitnehmerseite eine konkrete Perspektive für die 320 Beschäftigten sowie ein Standortkonzept für Stöcken. Insgesamt arbeiten dort rund 3000 Conti-Beschäftigte.

Der Vorsitzende der IG BCE, Hubertus Schmoldt, äußerte erneut scharfe Kritik an Wennemer. „Wennemer ist dabei sich von dem zu verabschieden, was jahrelang Praxis bei Conti war: Offen und fair miteinander umzugehen“, sagte Schmoldt der „Bild“-Zeitung Hannover (Montagsausgabe). Er habe nur „begrenzte Hoffnung“, dass Wennemer in seinem Vorgehen noch gestoppt werden könne.

Das Unternehmen hatte im November angekündigt, die Pkw-Reifenfertigung in Stöcken zu schließen. Begründet wurde dies damit, dass das Wachstum in der Reifensparte geringer ausgefallen sei als erwartet. Die Produktion in Stöcken sei die kleinste und insgesamt auch die teuerste.

Gegen den Beschluss hatte es einen Proteststurm gegeben, weil die Produktion profitabel ist und die Beschäftigten erst im Frühjahr unter anderem längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich zugestimmt hatten. Der Continental-Konzern dürfte 2005 erneut einen Rekordgewinn eingefahren haben.

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