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26.06.2012

07:50 Uhr

AKW-Störfälle

Deutsche Energiekonzerne ignorierten russische Atomprobleme

Die großen deutschen Energiekonzerne hatten laut einem Medienbericht Hinweise auf massive Sicherheitsprobleme in der russischen Atombranche - und haben nichts unternommen. Der Hilferuf kam aus hohen politischen Kreisen.

Die Zusammenstellung zeigt die Logos der vier großen Energiekonzerne EnBW, RWE, Vattenfall, und Eon. dpa

Die Zusammenstellung zeigt die Logos der vier großen Energiekonzerne EnBW, RWE, Vattenfall, und Eon.

BerlinDie deutschen Atomkonzerne sollen nach einem Zeitungsbericht frühzeitig Hinweise auf Sicherheitsprobleme in der russischen Atombranche gehabt haben. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, erreichten die vier Atomkonzerne EnBW, Eon, RWE und Vattenfall Protokollen eines Geheimtreffens zufolge bereits 2004 eindringliche Warnungen aus Moskau. Bei einem Treffen in Berlin habe ein russischer Spitzenpolitiker führende deutsche Atommanager vor immensen und rasch zunehmenden Problemen gewarnt, hieß es weiter.

Die russische Regierung könne den Schutz der gut 200 Reaktoren und 2000 Lager radioaktiver Abfälle kaum noch leisten, heißt es in einem Protokoll, das der "SZ" vorliegt. Die Lage sei "in mehrfacher Hinsicht besorgniserregend". Binnen eines Jahres seien die Unregelmäßigkeiten in der russischen Nuklearindustrie um 47 Prozent gestiegen, die Zahl der Störfälle beim Betrieb von Kraftwerken und Brennstofffertigungseinrichtungen gar um 84 Prozent. Konsequenzen für die Geschäftsbeziehungen nach Russland oder eventuelle Hilfsmaßnahmen hatte die Warnung den Angaben zufolge aber nicht, wie die "SZ" weiter berichtet.

Die Papiere kamen demnach in der Affäre um Geschäfte des EnBW-Konzerns mit dem russischen Geschäftsmann Andrej Bykow ans Licht. Nach weiteren Informationen spielte der Lobbyist derweil für den Konzern eine deutlich größere Rolle als bislang bekannt, wie es in dem Bericht heißt. Über Bykow und seine Firmen sollen internen Unterlagen zufolge Geschäfte über mehr als 400 Millionen Euro eingefädelt worden sein. Bislang habe der Konzern ein Geschäftsvolumen von 280 Millionen Euro eingeräumt, berichtet die "SZ".

Von

afp

Kommentare (7)

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EDBxx

26.06.2012, 08:26 Uhr

Etwas wirr! Was haben deutsche Energiekonzerne mit russischen Atomanlagen zu tun? Worin die Gefährdung besteht bzw. bestand geht aus dem Artikel nicht hervor. Als souveräner Staat würde sich Russland jede Einmischung von wem auch immer verbieten!

Wieder mal pure substanzlose Stimmungsmache um die Gutmenschen wieder zu instrumentaliesieren den Öko-Gott anzubeten?

Nuke

26.06.2012, 08:46 Uhr

Es geht um den "Restmüll", der bei der Wiederaufarbeitung anfällt und endgültig gelagert werden muss. Der wird bislang nach Russland geschickt und z.T. völlig ungesichert unter freiem Himmel gelagert.

vandale

26.06.2012, 08:52 Uhr

In den meisten Ländern ist es unüblich "Probleme", auch solche in Kerntechnischen Anlagen, nach aussen zu tragen. Abgesehen davon hätten die Deutschen Versorger kaum etwas daran ändern wollen/können da es nicht ihr Geschäft betrifft. Die Aussage ist etwas seltsam und es würde nicht verwundern wenn hier bekannte Allgemeinplätze und die Phantasie des SZ Journalisten (etwas gegen Atom zu schreiben) zusammengekommen ist.

Grundsätzlich hatte die UDSSR das weltweit grösste militärische und zivile Atomprogramm. Dutzende kommerzieller Reaktoren, eine Unzahl von Prototypen, militärische Schiffsreaktoren, Kernwaffen, zahlreiche Anlagen des Brennstoffkreislaufs, Nuklidbatterien...

Die USA mussten zum Ende des kalten Krieges einen hohen Aufwand treiben um die Hinterlassenschaften der ersten Phase der Nuklearrüstung zu beseitigen. Selbst wenn man in Russland pragmatischer handelt, wird es noch viele Hinterlassenschaften geben.

Zahlreiche Staaten haben kommerzielle russische WWER Kernkraftwerke errichtet. Nach Aussagen aus der DDR und Finnland sind diese sehr robust und funktionell, die Leit- und Sicherheitstechnik ist verbesserungsfähig, die Dampferzeuger haben Dichtigkeitsprobleme. Die RBMK Reaktoren (Tschernobyl) konnten mit einigen Massnahmen sicherheitstechnisch sehr verbessert werden, konnten jedoch leider die Sicherheitsanforderungen der EU nicht erfüllen (Litauen). Insofern wird das Betriebssicherheitsniveau und das Sicherheitsniveau unter dem in den OECD Staaten liegen, allerdings eher über dem allgemeinen Sicherheitsniveau Russlands. Warum man sich in Deutschland ausgerechnet über Kernkraftwerke mit ihrem sehr geringen Risikopotential derart erregt bleibt ein Geheimnis.

Vandale

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