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19.01.2017

13:00 Uhr

Allianz für grüne Energie

Lichtblick tut sich mit Niederländern zusammen

VonJürgen Flauger

Deutschlands führender Ökostromanbieter Lichtblick gibt 50 Prozent an den niederländischen Versorger Eneco ab. Gemeinsam haben die beiden Unternehmen große Ziele bei der Energiewende – nicht nur in Deutschland.

Der Ökostromanbieter wächst auch im Bereich der Energiedienstleistungen. dpa

Lichtblick

Der Ökostromanbieter wächst auch im Bereich der Energiedienstleistungen.

HamburgEnde der 90er-Jahre wagte sich Lichtblick als einer der ersten neuen Wettbewerber auf den deutschen Energiemarkt – und hat sich in knapp zwei Jahrzehnten als größter unabhängiger Ökostromanbieter etabliert. Jetzt holt sich das Unternehmen einen Partner aus dem Ausland dazu: Das niederländische Energieunternehmen Eneco übernimmt 50 Prozent der Anteile.

Das Lichtblick-Management sieht in dem Investor den idealen Partner, um den Energiemarkt weiter aufzumischen: Die Niederländer setzen ebenfalls auf erneuerbare Energien und haben eine ähnliche Philosophie. Die Partner wollen nun gemeinsam grüne Energieprodukte und Dienstleistungen anbieten – in Deutschland, den Niederlanden, aber auch in anderen europäischen Ländern.

Gas aus Strom: ein Durchbruch für die Energiewende?

Wie funktioniert „Power to gas“?

Das Verfahren ist simpel und Manchem vielleicht noch aus dem Physik- oder Chemieunterricht in Erinnerung: Mit Strom lässt sich in einer Lösung per Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff trennen. Der Wasserstoff kann in einem zweiten Schritt mit CO2 zu Methan weiterverarbeitet werden, das sich kaum von natürlichem Erdgas unterscheidet. Modernere Elektrolyse-Verfahren wie das in der RWE-Anlage funktionieren mit einer Membran aus einem Material ähnlich wie Teflon.

Was ist der Vorteil?

Gas lässt sich problemlos speichern und transportieren: Theoretisch stünde dafür das gesamte deutsche Gasnetz von rund 400.000 Kilometern Leitung mit zahlreichen unterirdischen Gasspeichern bereit. Laut dem Gasfachverband DVGW könnte allein in den Speichern der deutsche Strombedarf für 2000 Stunden, also fast drei Monate, in Gasform gelagert werden. Bei Bedarf lässt sich das Gas mit bewährter Technik wieder zu Strom umwandeln. In der RWE-Anlage treibt der Wasserstoff ein Blockheizkraftwerk für das Ibbenbürener Strom- und Fernwärmenetz an. Außerdem kann man den Wasserstoff direkt verbrauchen, um mit Brennstoffzellen Autos anzutreiben, oder in geringerer Menge dem Gasnetz beimischen.

Wo liegen die Probleme?

Bisher ist die Technik nicht effizient genug. Bei einem Elektrolyse-Wirkungsgrad von rund 70 Prozent ist nach einer anschließenden Rückverstromung schon rund die Hälfte der Energie verloren. Eine weitere Umwandlung in Methan würde noch deutlich mehr Energie schlucken. Außerdem rechnen sich derzeit schon Kraftwerke mit natürlichem Gas nicht - künstlich erzeugtes Gas habe da erst recht keine Chance, sagen Kritiker. Wirtschaftlich arbeitet auch die Anlage des RWE-Konkurrenten Eon im brandenburgischen Falkenhagen nicht.

Was sagen die Befürworter?

Der Kostenvergleich führt aus ihrer Sicht in die Irre, da für „Power to gas“ überschüssiger Strom verwendet werden soll - also vor allem die mehreren hundert Gigawatt Windkraft pro Jahr, die derzeit mangels Speicher gar nicht erst gewonnen werden. Wenn Deutschland 2050 seinen Energiebedarf zu 80 Prozent aus regenerativen Quellen deckt, gehe an den Gasspeichern ohnehin kein Weg vorbei. Deshalb solle die Politik die Speicheranlagen zumindest als Startanreiz finanziell fördern, sagt der DVGW. Das lehnen Kritiker als Doppelsubventionierung ab, da schon der Strom aus Windkraft und Photovoltaik subventioniert wird.

Und was ist mit den Kunden?

Umweltbewusste Kunden unterstützen die Technik. Der Energieversorger Greenpeace Energy, der im Dezember 2014 einen „Pro-Windgas“-Gastarif an den Markt brachte, fand in der kurzen Zeit laut einem Sprecher bereits 10 500 Kunden - trotz eines Preises über Marktniveau mit einem „Innovationsaufschlag“ von 0,4 Cent pro Kilowattstunde für die Weiterentwicklung der Technik.

Quelle: dpa

„Mit der Partnerschaft zwischen Eneco und Lichtblick entsteht eine starke Kraft im europäischen Energiemarkt“, sagte Jeroen de Haas, CEO der Eneco Group: „Gemeinsam verfügen wir über substantielle Investitionsmittel, Erfahrungen in wichtigen Energiemärkten Europas und eine breite Kundenbasis.“ Sein Unternehmen habe bewusst nicht die Mehrheit übernehmen. „Es ist eine Kooperation – und dafür sind 50 Prozent ideal.”

Wilfried Gillrath, der gemeinsam mit Gründer Heiko von Tschischwitz Lichtblick führt, betonte auf einer Pressekonferenz die Gemeinsamkeiten: „Wir haben ein Unternehmen gefunden, das dieselben Visionen und Werte hat wie wir.“ Bei den Geschäftsaktivitäten gebe es „eine große Übereinstimmung”. „Wir mögen eine unterschiedliche Geschichte haben, aber wir haben dieselben Ziele”, ergänzte de Haas. Zum Kaufpreis wollten die beiden Parteien keine Angaben machen.

Lichtblick ist mit 650.000 Kunden nach eigenen Angaben Deutschlands größter unabhängiger Ökostromanbieter. Das Unternehmen setzt jährlich knapp 700 Millionen Euro um und schreibt nach eigenen Angaben seit Jahren schwarze Zahlen. 2015 erreichte es ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 36,2 Millionen Euro und einen Überschuss von 16,8 Millionen Euro.

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Eneco ist in den Niederlanden Marktführer in der Erzeugung und im Handel nachhaltiger Energie und versorgt mehr als zwei Millionen Kunden. Das Unternehmen ist komplett in Besitz von gut 50 niederländischen Kommunen, darunter Rotterdam und Den Haag. Es ist auch in Belgien, Frankreich und Großbritannien aktiv und setzt etwas mehr als vier Milliarden Euro um. 2015 erreichte das Unternehmen einen Nettogewinn von 208 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter ist mit 6700 gut zehn mal so hoch wie die von Lichtblick.

Lichtblick war bislang im Besitz der Gründer Michael Saalfeld, der noch gut 25 Prozent hielt, und Heiko von Tschischwitz, der knapp fünf Prozent besaß, sowie vermögender Kaufleute. Alle Gesellschafter gaben nun die Hälfte der Anteile ab, bleiben aber engagiert. Eneco übernimmt zwar die Hälfte, aber nicht die Mehrheit. Denn Lichtblick soll unabhängig bleiben. Der Vorstand bleibt im Amt, der Verwaltungsrat wird paritätisch besetzt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

19.01.2017, 17:51 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

"Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Eibel,Ebsel, Dirnberger,Trautmann....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

SPIEGEL

Danke

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