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23.06.2014

12:28 Uhr

Alstom, Siemens und GE

Was das Kartellamt übrig ließ

Siemens ist mit dem Kauf von Teilen des französischen Industriekonzerns Alstom gescheitert, dennoch hat Chef Joe Kaeser eine Hoffnung: Das Kartellamt könnte Teile des Deals zwischen GE und Alstom nicht genehmigen.

Der Kampf um Alstom

Das bedeutet die Niederlage für Siemens

Der Kampf um Alstom: Das bedeutet die Niederlage für Siemens

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MünchenNach der Niederlage im Alstom-Übernahmekampf hofft Siemens wenigstens bei einem Verkauf von Teilbereichen des französischen Industriekonzerns zum Zuge zu kommen. Experten rechnen fest damit, dass vor allem die europäischen Wettbewerbshüter dem neuen Alstom-Eigner General Electric (GE) Auflagen machen werden.

Insbesondere das Geschäft mit großen Gasturbinen und Generatoren dürfte die EU-Kommission genau unter die Lupe nehmen. Siemens-Chef Joe Kaeser will unterdessen genau beobachten, wie es in Frankreich weiter geht. „Wir sind weiter gesprächsbereit“, sagte Kaeser der „Bild“-Zeitung. „Unsere Türen stehen Alstom und der französischen Regierung offen.“ Sollten die Kartellwächter GE und Alstom zur Abgabe von Unternehmensteilen zwingen, könnte Siemens als lachender Dritter bereitstehen.

Was GE mit Alstom vorhat

Das GE-Gebot

Der US-Industriekonzern bewertet das Alstom-Energie- und Netzgeschäft mit 12,35 Milliarden Euro. Doch anders als ursprünglich geplant werden die gewünschten Teile nicht komplett bei General Electric landen – teilweise wird es auch Joint-Ventures geben.

Staatsbeteiligung

Die französische Regierung steigt parallel zum GE-Angebot bei Alstom ein. Der Staat übernimmt 20 Prozent, die zuvor dem Konzern Bouygues gehalten hat. Laut Vereinbarung kann Paris binnen 20 Monaten nach Abschluss der geplanten Operationen bis zu 20 Prozent der Alstom-Anteile von Bouygues oder am Markt erwerben. Kauft die Regierung direkt bei Bouygues, sind der Marktwert oder mindestens 35 Euro pro Aktie fällig. Gleichzeitig räumt Bouygues der Regierung bereits mit Abschluss der geplanten Kooperation 20 Prozent der Stimmrechte bei Alstom ein.

Was bei Alstom verbleibt

Zu 100 Prozent behält Alstom das Bahngeschäft. Die Sparte baut etwa Nahverkehrszüge, aber auch den Schnellzug TGV. Die Sparte macht jährlich 6,2 Milliarden Euro Umsatz und zählt 28.200 Mitarbeiter.

Es wird eine globale Kooperation im Vertrieb mit GE geben und einen gemeinsamen Einkauf. In einzelnen Ländern wird Alstom GE-Diesellokomotiven fertigen.

Das Gegengeschäft

Alstom übernimmt im Zuge der Transaktion das Geschäft mit Signaltechnik von General Electric und stärkt damit das Eisenbahngeschäft. Die Sparte erzielt jährlich einen Umsatz von 400 Millionen Euro und beschäftigt etwa 1200 Mitarbeiter.

Was komplett an GE geht

Die Amerikaner integrieren die – auch bei Siemens heiß begehrten – Gasturbinen, die in effizienten Kraftwerken zum Einsatz kommen.

Was GE in Joint-Venture einbringt

Mit der komplexen Transaktion entstehen drei Joint-Venture (jeweils 50% Alstom und 50% GE):
- Netztechnik (bestehend aus den Segmenten „Alstom Grid“ und „GE Digital Energy“)
- Erneuerbare (bestehend aus Wasserkraftwerktechnik und Offshore-Windkraft)
- Nukleartechnik (weltweit) und Dampfturbinen (Frankreich-Geschäft)

An der Börse reagierten die Anleger zunächst zurückhaltend. Die Siemens-Aktien gaben knapp ein Prozent nach.

Unabhängig vom Scheitern des Alstom-Deals will Kaeser die Zukunft der Zugsparte neu regeln. „Wir wollten nie unser Bahngeschäft verkaufen, sondern zusammen mit Alstom einen europäischen Champion mit globaler Durchsetzungskraft bauen. Das Ziel bleibt, der Weg dahin wird jetzt ein anderer“, sagte der Manager.

Kommentare (2)

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23.06.2014, 13:21 Uhr

"Die französische Regierung hat hier eindeutig nationale Eigensinnigkeiten, französische einseitige Interessen vor die europäischen Interessen gestellt“, sagte Ramsauer. Kritisch sei auch, dass der französische Staat sich trotz massiver Schuldenprobleme eine Alstom-Beteiligung leiste.d

Die Deutschen sind ja tatsächlich so dämlich. Glauben doch, den Franzosen ginge es um Europa und Harmonie zwischen Frankreich und Deutschland. Die Franzen versuchen euch auszubooten, wo sie nur können. Eure Volksvertreter sind total vernebelt in ihrem europäischen Einheitswahn unnd ihr folgt ihnen unbedarft wie neugeborene Lämmer.

Die deutsche Selbstkasteiung ist pathologisch und aufs dringendste behandlungsbedürftig.

Account gelöscht!

23.06.2014, 13:42 Uhr

Was gibt es da zu meckern. Siemens hat da noch einmal unheimlich Glück gehabt, daß sich jetzt der Hauptkonkurrent an Alstom verschluckt - und sich darüberhinaus noch mit einer der beiden letzten rein sozialistischen Regierungen der Welt (neben Nordkorea) herumschlagen darf. Zudem kommen US-Manager erfahrungsgemäß ganz besonders wunderbar mit der französischen Mentalität klar.

Ein Problem für Siemens ist natürlich immer noch das offenbar an Fusionitis erkrankte Management der Firma (ein Fall von "German dumb money"). Diese Nieten in Nadelstreifen sollten sich zur Heilung einmal die (glücklicherweise) mißglückten Fusionspläne der Deutschen Börse (zuerst mit Euronext, dann mit NYSE-Euronext) vor Augen führen. Kürzlich wurde Euronext für einen Bruchteil des damaligen Preises an die Börse verscherbelt.

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