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21.05.2014

12:00 Uhr

Alstom-Übernahmeangebot

Siemens-Offerte dürfte mehr Zeit beanspruchen

Nach zehn Tagen stand fest: Siemens unterbreitet Alstom ein Übernahmeangebot für die Energiesparte. Doch das Angebot wird mehr Zeit in Anspruch nehmen, als vorerst vermutet wurde.

Windrad von Alstom: Siemens greift nach der Energiesparte des französischen Konzerns. Reuters

Windrad von Alstom: Siemens greift nach der Energiesparte des französischen Konzerns.

München Siemens wird sein Gebot für die Alstom-Energietechnik wohl später vorlegen als erwartet. Nachdem Vorstandschef Joe Kaeser mehr Informationen von den Franzosen angefordert hat, werde es in der laufenden Woche voraussichtlich nichts mehr mit der Offerte, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Münchner müssten zunächst die Antwort von Alstom -Chef Patrick Kron abwarten. Sollte er weitere Akten öffnen, müssten die wiederum geprüft und bewertet werden. Es sei daher unwahrscheinlich geworden, dass Siemens wie zunächst angepeilt am Freitag seine Pläne präsentiere. Erst Mitte nächster Woche sei mit einer Entscheidung zu rechnen. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme ab.

Für ein Gegenangebot zu dem Vorstoß des US-Rivalen GE hatte sich Siemens zunächst vier Wochen Zeit bis Ende Mai erbeten. Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg machte am Dienstagabend öffentlich, dass Siemens Alstom aufgefordert hat, einen tieferen Blick in die Bücher zu gewähren. Die Datenqualität sei noch nicht ausreichend, hieß es aus dem Umfeld der Münchner. In Frankreich fiel die Reaktion irritiert aus. Siemens habe die gleichen Daten bekommen wie die rivalisierenden Amerikaner. Alstom-Chef Kron werde Siemens höflich antworten, das Begehren aber abschmettern, hieß es in Verhandlungskreisen. Die Schritte gehörten zum üblichen Geschacher bei Großübernahmen.

Die Übernahmeschlacht um Alstom

Harter Kampf

In nur wenigen Tagen hat sich um den französischen Industriekonzern Alstom ein Übernahmekampf zwischen den Rivalen Siemens und General Electric entwickelt. Beide Konzerne wollen sich das Energiegeschäft der Franzosen einverleiben. Die Entwicklung der Ereignisse.

Erste Gerüchte

Am 24. April wird durch einen Medienbericht bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Die Rede ist von einem Angebot von mehr als 13 Milliarden Dollar. Alstom weist den Bericht zurück.

Regierung reagiert

Die Übernahmegerüchte rufen die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf des Industriekonzerns in die USA mit allen Mitteln verhindern. Die Regierung arbeite an „anderen Lösungen und Szenarien“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg der Zeitung „Le Monde“.

Siemens zeigt Interesse

Siemens greift in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert, erklärt das deutsche Unternehmen am 27. April. Es soll vorgeschlagen haben, Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen an Alstom abzugeben, wenn Siemens im Gegenzug das Energie-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte.

Der Präsident vermittelt

Frankreichs Staatspräsident François Hollande schaltet sich am 28. April in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE, Jeff Immelt und Joe Kaeser, über die Pläne. Siemens will schnell über eine mögliche Offerte für Alstom entscheiden.

Siemens bietet mit

Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung kündigt Siemens am 29. April ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Medienberichten zufolge will der Alstom-Verwaltungsrat allerdings General Electric bevorzugt behandeln.

Vorentscheidung für GE

Der Verwaltungsrat von Alstom empfiehlt den Aktionären am 30. April eine bindende Offerte des US-Konkurrenten General Electric (GE). Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Damit sinken die Chancen für Siemens, bei den Franzosen zum Zuge zu kommen.

GE bietet bisher 12,35 Milliarden Euro für das Hauptgeschäft der Franzosen. Die Offerte stößt aber auf Widerstand der Regierung in Paris. Alstom will die Offerte bis zum 2. Juni prüfen. Frankreich hatte Siemens um Hilfe gerufen, weil es das Werben der Amerikaner um Alstom skeptisch sieht und Arbeitsplatzverluste in Frankreich befürchtet. Unter diesem Druck hat Alstom seine Bücher auch für Siemens geöffnet. Der Elektronikkonzern hat bislang noch kein Gebot vorgelegt.

Im Gespräch ist, dass die Münchner im Tausch für das Energiegeschäft von Alstom ihre Zugsparte abgeben. Frankreich hatte sich in dem Übernahmepoker in der vergangenen Woche das letzte Wort gesichert. Die Regierung veröffentlichte am Donnerstag ein Dekret, das ihr das Recht gibt, einen Kauf heimischer Firmen in strategisch wichtigen Branchen wie Energie, Wasser, Telekommunikation und Gesundheit durch Ausländer zu blockieren. Experten zufolge dürfte der Erlass Siemens in die Karten spielen, da die Regierung Präferenzen für die Münchner durchblicken ließ. Allerdings meldete EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier Bedenken an und will prüfen, ob das Dekret gegen EU-Recht verstößt.

Siemens-Chef Kaeser hatte zuletzt betont, dass es ihm mit einer Offerte ernst sei. Aus dem Konzernumfeld hieß es jüngst, er sei an einem Geschäft sehr interessiert. Die Siemens-Pläne sehen eine Tausch- und eine Kaufpreiskomponente vor: Die Deutschen bekommen die Energietechnik, die Franzosen im Gegenzug die Zugsparte von Siemens. Die Wertdifferenz wird ausgeglichen. Diese Konstellation mache einen Vergleich mit dem GE-Angebot schwierig, hieß es. Zudem habe Siemens kartellrechtlich Bauchschmerzen, da über den geplanten Weg faktisch ein Monopolist für Hochgeschwindigkeitszüge in Europa entstehe. Dieses Risiko bestehe bei einem Kauf durch GE nicht.

Experten zweifeln ohnehin, ob Siemens-Chef Kaeser sich mit letzter Entschlossenheit auf einen milliardenschweren Poker mit dem US-Rivalen um das verhältnismäßig renditeschwache Geschäft der Franzosen einlässt. Die IG Metall hat ihm bereits signalisiert, dass sie einen Kauf um jeden Preis nicht mittragen wolle.

Von

rtr

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