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05.05.2014

10:13 Uhr

Alstom-Übernahmepoker

Uneinigkeit bei Siemens

Manche Aufsichtsräte bei Siemens sollen GE im Übernahmekampf um Alstom die Daumen drücken. Sie stellen sich damit gegen Firmenchef Joe Kaeser. Mit Spannung wird erwartet, ob sich die Politik weiter einschaltet.

Übernahmepoker um ALSTOM

Gibt es noch eine Chance für Siemens Alstom zu übernehmen?

Übernahmepoker um ALSTOM: Gibt es noch eine Chance für Siemens Alstom zu übernehmen?

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München/ParisBei Siemens gehen nach „Spiegel“-Informationen einzelne Aufsichtsräte auf Distanz zum beabsichtigten Einstieg beim französischen Konkurrenten Alstom. Das Nachrichtenmagazin zitiert einen Aufsichtsrat mit den Worten: „Für uns geht die Welt nicht unter, wenn wir den Zuschlag nicht bekommen“, davon hänge die Zukunft von Siemens nicht ab. Außerdem berichtet der „Spiegel“, einige drückten die Daumen, dass der US-Rivale General Electric (GE) bei dem spektakulären Übernahmekampf obsiege – und stellen sich damit gegen Firmenchef Joe Kaeser.

In Siemens-Kreisen hieß es dazu am Sonntag, die Zustimmung des Aufsichtsrats zu einem Übernahmeangebot sei einstimmig gefallen. Siemens hatte nach einer Sitzung des Kontrollgremiums am Dienstag ein eigenes Angebot im Übernahmepoker um Alstom angekündigt - allerdings unter der Voraussetzung, „dass Alstom Siemens einen Zeitraum von vier Wochen mit Zugang zu Daten des Unternehmens und erforderlichen Managementinterviews einräumt, damit Siemens eine angemessene Prüfung des Alstom-Geschäfts durchführen kann“. Wie eine Übernahme von Teilen des Konzerns oder sogar des kompletten Unternehmens im Detail aussehen könnte, wurde nicht offenbart.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Tags darauf hatte der Verwaltungsrat von Alstom den Aktionären allerdings eine bindende Offerte von GE empfohlen. Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Alstom versicherte indes, wenn auch Siemens ein konkretes Angebot vorlegen wolle, werde das Unternehmen einen fairen Zugang zu den notwendigen Informationen bekommen.

GE hat auch Offerten für zwei Indien-Töchter des französischen Rivalen abgegeben. Die Amerikaner boten umgerechnet insgesamt 280 Millionen Euro für eine Beteiligung in Höhe von 25 Prozent an Alstom T&D sowie 26 Prozent an Alstom India, wie aus einer Mitteilung an die indische Börse am Montag hervorging. GE will die Gebote demnach jedoch nur dann tatsächlich umsetzen, wenn es mit seiner Offerte für Alstoms Energietechniksparte Erfolg hat.

Kommentare (9)

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05.05.2014, 09:01 Uhr

Dass Patrick Kron kein grosser Freund Deutschlands und der Deutschen ist, kann man menschlich verstehen u. muss es akzeptiern. Warum soll aber ein Unternehmen aus einem Land in dem Atomenergie "Teufelszeug" ist, stolz (borniert) grosser "Vorreiter"(niemand reitet hinter ihm her, auch nicht Japan!) beim Atomausstieg usw. usf. ist, die Energiesparte eines Unternehmens eines Landes, das auf Atomenergie setzt uebernehmen? Es waere vielleicht eine Chance Europa weiterzubringen, da aber auch in dieser Hinsicht, Dank Lucke und seiner AfD u. anderen "Gscheidles" man dagegen (Europa mein' ich) ist, sieht alles leicht schizophren aus.

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05.05.2014, 09:46 Uhr

Übernahme eines Unternehmens im Milliardenbereich ohne vorher die Bücher genau geprüft zu haben? Womöglich noch die Übernahme von "Altlasten" (Atommüll?) und utopischen Pensionszusagen an altgediente Politiker mit Beraterfunktionen?

Das erinnert doch sehr an die Aufnahme Griechenlands in die EU!

Account gelöscht!

05.05.2014, 09:52 Uhr

Wer längere zeit das vergnügen hatte mit französischen Großfirmen zusammenzuarbeiten, wird sich für siemens wünschen, dass eine Übernahme scheitert. Dies liegt in erster linie an der Arroganz des französischen mangements auch als Juniorpartner vom 1. Tag nur die eigenen Interessen im Focus zu haben und nur die eigene Dominanz zu akzeptieren.
Wir sollten uns einfach in Ruhe anschauen, wie die Amis dieses problem lösen werden, vielleicht kann man ja etwas lernen daraus.

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