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02.12.2015

13:16 Uhr

Alstom und Bombardier

Frankreich will Allianz der Siemens-Konkurrenten

Westliche Zughersteller fürchten sich vor der erstarkten Konkurrenz aus China. Frankreich bringt deshalb eine mögliche Allianz von Alstom und Bombardier ins Spiel. Diese Zusammenarbeit würde Siemens hart treffen.

Siemens hatte im Poker um das Kraftwerkssegment von Alstom den Franzosen seine Zugsparte angeboten. Das Geschäft kam letztlich aber nicht zustande, da GE die Münchner ausstach. dpa

Zukunft ungewiss

Siemens hatte im Poker um das Kraftwerkssegment von Alstom den Franzosen seine Zugsparte angeboten. Das Geschäft kam letztlich aber nicht zustande, da GE die Münchner ausstach.

ParisFrankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hat für den Siemens-Konkurrenten Alstom einen Schulterschluss mit dem kanadischen Flugzeug- und Zug-Hersteller Bombardier ins Spiel gebracht. Macron sagte vor Senatoren, es gebe einen scharfen Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen. Dort haben sich die größten Zug-Produzenten in diesem Jahr zusammengeschlossen. Ein Bündnis mit Bombardier könnte deswegen erforderlich werden.

Macron regte zugleich an, dass Alstom den Verkauf des Energiegeschäfts für zwölf Milliarden Euro an den US-Mischkonzern General Electric (GE) zu Akquisitionen im Ausland nutzen könnte. „Alstoms Herausforderung ist es zu wachsen“, so der Minister. „Die Reduzierung der Schulden sollte dabei helfen, ausländische Konkurrenten zu kaufen.“

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

Eine Allianz von Alstom und Bombardier würde für Siemens die Perspektiven im Bahngeschäft einschränken. Die westlichen Hersteller fürchten sich vor der erstarkten Konkurrenz aus China und loten schon seit einiger Zeit die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit aus. Bombardier lehnte vor einigen Monaten einen Einstieg der Chinesen ab und fand mit dem Pensionsfonds CDPQ einen neuen Ankerinvestor.

Siemens hatte im Poker um das Kraftwerkssegment von Alstom den Franzosen seine Zugsparte angeboten. Das Geschäft kam letztlich aber nicht zustande, da GE die Münchner ausstach. Seither brüten die Siemens-Manager über der Zukunft des eigenen Bahngeschäfts. „Das Beste für Alstom ist, den Status Quo in der Industrie zu erhalten, bei dem drei große Anbieter den europäischen Bahnmarkt dominieren“, urteilten die Analysten der Großbank Barclays zuletzt.

Von

rtr

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