Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2014

16:53 Uhr

Alternative Pannenhilfe

Ein Leben ohne ADAC

VonLukas Bay

Nach dem Manipulationsskandal drohen selbst langjährige Mitglieder dem ADAC mit Kündigung. Doch wie sähe das Land ohne den größten deutschen Autoclub aus? Die Alternativen für Autofahrer.

Bei der nächsten Panne muss nicht unbedingt der ADAC kommen.

Bei der nächsten Panne muss nicht unbedingt der ADAC kommen.

DüsseldorfDie Wut gegen die Gelben Engel entlädt sich im Netz: Auf der Facebook-Seite drohen langjährige ADAC-Mitglieder mit ihrer Kündigung seit bekannt wurde, dass die Abstimmung zum „Lieblingsauto der Deutschen“ manipuliert wurde. Andere verteidigen den größten deutschen Automobilclub: Die Gelben Engel auf der Straße hätten schließlich nichts mit dem Abstimmungsbetrug zu tun. Doch wer nur eine Pannenhilfe braucht, muss kein ADAC-Mitglied sein.

Viele kleinere Automobilclubs versprechen einen ähnlichen Service zu günstigeren Preisen. Welcher Club der richtige ist, hängt vor allem davon ab, welche Leistung man erwartet. Was die eigene Flotte betrifft, kann allerdings keiner der Konkurrenten mit dem ADAC mithalten. Immerhin sind 1700 Pannenhelfer als Gelbe Engel im Einsatz, zusätzlich können die Münchener auf 5000 Pannenhelfer von 1100 Partnern zurückgreifen. Allerdings kann es durchaus auch vorkommen, dass ADAC-Partner für die konkurrierenden Automobilclubs fahren. „Ganz auszuschließen ist das nicht“, sagt eine Sprecherin des Automobil Club Europa (ACE) zu Handelsblatt Online.

Pannenhilfe der Autohersteller

Opel

Bei Opel gilt die Mobilitätsgarantie für die ersten 12 Monate und verlängert sich bei ordnungsgemäßer Wartung. Wirklich umfassend abgedeckt sind allerdings nur Pannenschäden, keine Unfallschäden. Im Falle eines Unfalls sind nur Soforthilfe vor Ort und Abschleppen abgedeckt. In den Nutzungsbedingungen heißt es klar „Das Abschleppen zu nicht von Opel autorisierten Werkstätten ist untersagt“. Hotelkosten werden übernommen, wenn der Wohnort mehr als 80 Kilometer entfernt wird. Allerdings wird das Hotel vom Opel Service gebucht. Für Rückflug oder Bahnfahrt werden bis zu 613 Euro erstattet.

Peugeot Citroën

Bei Peugeot gilt die kostenlose Mobilitätsgarantie für die ersten zwei Jahre, danach verlängert er sich jährlich beim Service in der Vertragswerkstatt. Neben der Pannenhilfe innerhalt von 30 Minuten sind auch die gängigen Services inklusive - allerdings mit deutlichen Grenzen Hotelkosten werden bis zu 90 Euro pro Nacht und Person übernommen, Taxifahrten bis 26 Euro. Partnerfirma Citroën bietet ebenfalls eine hauseigene Mobilitätsgarantie. Allerdings sind hier Kraftstoffmangel, Reifenschäden, Glasschäden, Scheinwerferbruch, falsch getankter Kraftstoff, Stecken bleiben des Fahrzeugs und Verlust des Schlüssels nicht abgedeckt. Flug- und Bahntickets werden bis zu 200 Euro pro Person übernommen, Taxikosten bis 35 Euro.

Renault

Seit 2003 gibt Renault für jeden Neuwagen eine lebenslange Mobilitätsgarantie. Europaweit sind Pannen- bzw. Abschleppdienst, Hotelübernachtungen und Ersatzwagen inklusive. Voraussetzung ist die regelmäßige Wartung. Es gibt allerdings auch einige Haken: Muss ein Wagen abgeschleppt werden, wird immer die nächste Renault- oder Nissanwerkstatt angesteuert, auch wenn diese mehr als 100 Kilometer entfernt liegt. Die Übernahme von Hotelkosten ist auf 76 Euro pro Nacht und Person, Kosten für die Rückreise mit Bahn, Flugzeug und Taxi auf 615 Euro pro Person begrenzt.

BMW

Kleinere Missgeschicke wie falsche Betankung sind auch bei BMW kein Problem. Die Pannenhilfe vor Ort ist durch BMW Mobile Care abgedeckt. Allerdings sind die Servicefahrzeuge nur von 7 bis 22 Uhr im Einsatz. Taxi- und Hotelkosten werden übernommen, wenn die Panne nicht vor Ort behoben werden kann und der Wohnort mehr als 50 Kilometer entfernt. Die ersten zwei Jahre ist die Mobilitätsgarantie für Neuwagen inklusive, durch regelmäßige Wartung kann sie bis auf fünf Jahre ausgeweitet werden. Danach bietet BMW einen eigenen Schutzbrief an, der zusätzlich auch Diebstahlschutz beinhaltet.

Volkswagen

Im Falle einer Panne oder eines Unfalls garantiert VW den Käufern eine Longlife Mobilitätsgarantie. Sie wird automatisch beim Kauf eines Fahrzeugs erworben und verlängert sich automatisch, wenn die Fahrzeuge laut Serviceplan in Vertragswerkstätten gewartet werden. Auch Gebrauchtwagen können wieder ins Longlife-Programm einsteigen. Ausgeschlossen sind Pannen durch eigenes Verschulden. Ansonsten ist der Leistungskatalog umfassend (Pannenhilfe, Abschleppkosten, Hotel- und Mietwagenkosten inklusive). Problem: Der Schutz ist auf ein Fahrzeug beschränkt.

Mercedes

Die Mobilitätsgarantie von Daimler heißt Mobilo ist für die ersten vier Jahre inklusive, kann danach bis zu 30 Jahre lang jährlich verlängert werden. Sollte das Fahrzeug nicht starten oder einen technischen Defekt haben, werden Reparaturkosten bis 150 Euro übernommen (exklusive Material). Taxi, Hotel und Mietwagen sind inklusive. Der Service gilt europaweit bei 3.000 autorisierten Mercedes-Benz Partner. Auch hier gilt: Geschützt ist nur, wer die Wartungsintervalle bei Vertragshändlern einhält.

Der ACE setzte sich nach dem ADAC-Skandal zuletzt besonders offensiv in Szene, warf den Gelben Engeln sogar „aufgeblasene Selbstinszenierung“ vor. Mit 580.000 Mitgliedern sind die Stuttgarter der drittgrößte Autoclub in Deutschland. Die Mitgliedsbeiträge fallen mit 62,80 Euro geringer aus als beim ADAC. Familienmitglieder sind automatisch mitversichert. Beim ADAC wäre dafür eine Plus-Mitgliedschaft notwendig (Kostenpunkt: 109 Euro im Jahr). Bei einigen Leistungen geht der ACE sogar weiter als der große Konkurrent: Glasbruch und Marderbisse am Auto sind beim kleineren Autoclubs inklusive. Beim ACE ist die Pannenhilfe unbegrenzt kostenlos, wenn die Panne über die hauseigene Hotline gemeldet wurde.

Der größte direkte Konkurrent des ADAC ist der Automobilclub von Deutschland (AvD). Mit 1,4 Millionen Mitgliedern sind die Frankfurter allerdings immer noch bedeutend kleiner. Für den Verein ist das aber ein Vorteil: „Wir möchten, dass unsere Mitglieder mehr sind als eine Nummer“, sagt eine Sprecherin. Die Zahl der Online-Anträge sei um ein Drittel höher als normalerweise. Die Mitgliedschaft gibt es ab 65 Euro, der Partner kann für 87 Euro mitversichert werden. Um sich abzugrenzen, setzen viele Anbieter auch auf zusätzliche Services. So übernimmt der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD) auch Schäden bis zu 300 Euro, die nicht von der Vollkaskoversicherung abgedeckt sind. Jedes Mitglied hat einen persönlichen Ansprechpartner. Versichert sind alle Fahrzeuge, die auf das Mitglied zugelassen sind – ob Wohnmobil, Motorrad oder Moped. Auch etliche andere Services sind inklusive.

„Mobil in Deutschland“ ist nicht nur Deutschlands jüngster Autoclub, sondern auch ein Preisbrecher in der Branche. Die Basismitgliedschaft kostet gerade einmal 24 Euro. „Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche“, sagt Präsident Michael Haberland. Der Verein bietet keine Versicherungen an, das Magazin erscheint nur vierteljährlich und auch etliche Serviceleistungen, die beim ADAC inklusive sind, gibt es beim kleinen Autoclub nicht. Nach dem ADAC-Skandal steigen die Mitgliedszahlen stetig, bestätigt Haberland. „Das Telefon steht nicht mehr still.“ Wie einige andere Automobilclubs setzt „Mobil in Deutschland“ auf die 1.700 Fahrzeuge der „Silbernen Flotte“, ein System von Pannenhelfern, die seit 2001 im Auftrag deutscher Versicherer unterwegs sind.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Aber_Hallo

21.01.2014, 17:18 Uhr

war noch nie Mitglied beim ADAC...

Account gelöscht!

21.01.2014, 17:30 Uhr

Der ADAC wäre sicher deutlich preiswerter, wenn er sich auf seinen Bereich Hilfsleistungen (Pannen-/Unfallhilfe, Luftrettung und Notrufzentralen) konzentrieren und einschränken würde. Dann würde die Mitgliedschaft auch in Zukunft v.a. für diejenigen Sinn machen, die sich ein Auto mieten.
Aber der ADAC hat sich eben nicht auf Hilfsleistungen beschränkt, sondern im Gegenteil zahlreiche andere Geschäftsfelder aufgebaut, sich zu einer Institution entwickelt. Dabei aber stets als Club mit einer eindeutigen Satzung die Teilhabe der Clubmitglieder, insbesondere die Befragung und Berücksichtigung der Meinungen der Clubmitglieder zu wichtigen Fragen der Verkehrs- und Umweltpolitik rund um´s Auto vernachlässigt und bewusst ignoriert. Und offensichtlich auch intern jegliche Kritik unterdrückt.
Das sind fatale, grundsätzliche Fehler des gesamten ADAC-Managements. Es bedarf einer Neustrukturierung des ADAC, um Vertrauen mittelfristig aufzubauen. Nur traut das dem bisherigen ADAC-Management keiner mehr zu. Es darf deshalb nicht verwundern, wenn auch langjährige Mitglieder ihre Kündigung bereits eingereicht haben bzw. noch werden.

Account gelöscht!

21.01.2014, 17:42 Uhr

Der ADAC hat mir schon mehrfach sehr gut geholfen.

Es ist mir völlig egal, ob völlig uninterssante Umfragen gefaked wurden weil vielleicht zu wenige Leute abgestimmt haben.

Mich hat er kostenlos von der Autobahn geholt - und nur das zählt!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×