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11.06.2011

15:53 Uhr

Alternative Treibstoffe

Deutschlands Luftfahrtbranche will grüner werden

VonSilke Kersting, Markus Fasse

Schwindende Ölreserven und der Pflicht-Kauf von Klimazertifikaten ab 2012 zwingen die Luftfahrt-Branche, grüner zu werden. Ein Verein soll nun entsprechende Forschungen vorantreiben.

Die Luftfahrtindustrie will schrittweise herkömmlichen Treibstoff gegen Biosprit ersetzen. Quelle: dapd

Die Luftfahrtindustrie will schrittweise herkömmlichen Treibstoff gegen Biosprit ersetzen.

Berlin, MünchenDie deutsche Luftverkehrsbranche will grüner werden. Forschungseinrichtungen, Airlines, Flugzeugbauer, Triebwerkshersteller und Kraftstoffproduzenten haben deshalb am Mittwoch in Berlin den Verein "Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany" - kurz Aireg - gegründet. Ziel ist das Vorankommen bei der Erforschung und dem Einsatz klimafreundlicher Kraftstoffe im Luftverkehr, vor allem Biosprit. Künftig soll nicht mehr nur mit Kerosin geflogen werden. Sojaöle, Algenmassen und sogar Schlachtabfälle sollen künftig zu Sprit gemacht werden.

Die Branche hat dazu keine Alternative. Der Zusammenschluss ist getrieben von einer der drängendsten Herausforderungen für die Luftfahrt: Denn Flugzeugsprit wird in Zukunft knapp und die Belastung der Atmosphäre wegen des verpflichtenden Kaufs von Klimaverschmutzungsrechten teuer. "Wir müssen uns intensiv Gedanken darüber machen, wie wir Treibstoff sparen können", sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz in Berlin. Deutschlands größte Fluggesellschaft gehört ebenso wie die Nummer zwei, Air Berlin, zu den 20 Gründungsmitgliedern. "Mit einem Anteil von 25 bis 30 Prozent an den Gesamtkosten war und ist Treibstoff mit Abstand der größte Posten", so Franz.

1000 Tankwagen pro Tag

Allein die Lufthansa verbrennt pro Jahr elf Millionen Liter Sprit in den sechs Fluglinien ihrer Gruppe. Pro Tag entspricht das einer Menge von 30000 Kubikmetern oder 1000 Tankwagen. Schon kleinste Änderungen im Ölpreis schlagen bei dem Konzern daher sofort in die Bücher. Ab 2012 kommt dann noch der Handel mit Klimazertifikaten dazu. Nach ersten Berechnungen der Lufthansa müsste der Konzern ab diesem Zeitpunkt für seinen derzeitigen Ausstoß 350 Millionen Euro pro Jahr berappen.

Flugzeuge gelten als eine der größten CO2-Schleudern. Tatsächlich liegt der Anteil der Luftfahrt an den weltweiten klimaschädlichen Emissionen nach eigenen Angaben bei etwa zwei Prozent. Doch das Potenzial ist beachtlich: Ohne Gegensteuern, so der künftige Aireg-Präsident Klaus Nittinger, Ex-Vorstandsmitglied der Lufthansa, würde sich der CO2-Ausstoß in der wachsenden Branche bis 2050 verdreifachen. Aus diesem Grund habe sich die Industrie verpflichtet, ihr Wachstum ab 2020 ohne zusätzliche Emissionen zu bewerkstelligen und bis 2050 ihren CO2-Ausstoß im Vergleich zum Jahr 2005 zu halbieren.

Kommentare (3)

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Nachwuchs

11.06.2011, 19:18 Uhr

Es wird auch Zeit! Wo bleibt die Treibstoffsteuer für Flugzeuge, wie bei den KFZs? Wieso gibt es immer noch den Schwachsinn, Benzin sinnlos ab zu lassen bei Schwierigkeiten? Man stelle sich vor, jedes KFZ lässt Treibstoff bei Schwierigkeiten ab! Es reicht auch, wenn die Schiffe den strengen Vorschriften, wie bei PKWs, einhalten müssen. Wieso Entsorgung auf Hoher See? Nur weil die Kapitäne eine goldene Nase haben wolllen?

anonym

12.06.2011, 18:23 Uhr

Ich finde es beunruhigend das die Luftfahrtbranche auf Biokerosin setzt. Also ich habe kein E10 getankt, nicht weil ich Angst hatte, dass mein Auto kaputt geht, sondern weil ich es falsch finde überall Ethanol Pflanzen anzubauen. Vor allem wurde das Ethanol auch aus Brasilien eingeflogen, da in Europa gar nicht so viel gibt. Der Lebensmittelpreis steigt und wir neben es um damit Flugzeuge fliegen zu lassen. Ich dachte mit der Geschichte „Food vs. Fuel“ wären wir durch.
Ich habe gehört, dass Lufthansa ihr Biokerosin (Ethanol) von Neste Oil bezieht, die dafür bekannt sind Regenwälder abzuholzen um ihre Ethanol Pflanzen anzubauen. Also Nachhaltigkeit sieht für mich anders aus.

Armin_Ulrich

27.09.2011, 23:22 Uhr

"Ab 2012 kommt dann noch der Handel mit Klimazertifikaten dazu."
Liebe Luftfahrer, dann spielen Sie doch endlich die Klimaskeptikerkarte. Denken Sie daran, daß Sie eine Verantwortung für Ihre Kunden haben - diese haben weiterhin ein Recht auf Langstreckenflüge zum Urlaubsziel - "also den Traum vom Fliegen".
Möglichkeiten sich zu informieren gibt es genug.

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