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11.05.2015

14:30 Uhr

Alternative zu Niedrigzinsen

Vaillant wirbt für die Heizung als Sparkasse

VonMartin Wocher

Viele Anleger sind enttäuscht über magere Zinsen. Der Heizungsbauer Vaillant wirbt nun für eine Alternative: Eine Investition in die eigene Heizungsanlage. Die Rendite dank eingesparter Energiekosten: vier Prozent.

Der Hersteller will Hausbesitzern die Modernisierung finanziell schmackhaft machen. Pressefoto

Der Hersteller will Hausbesitzern die Modernisierung finanziell schmackhaft machen.

DüsseldorfBanken gelten ja schlechthin seit Jahrhunderten als der beste Ort für Rücklagen und Erspartes. Die Institute sind ja im Regelfall sicher und sie arbeiten auch mit dem Geld, was den Kunden in Form von Zinsen gutgeschrieben wird. Vor Dieben und Einbrechern sind die großen und kleinen Vermögen ja immer noch gut geschützt. Nur mit der Verzinsung hapert es seit geraumer Zeit. Dank der offenen Geldschleusen der Europäischen Zentralbank ist Geld so billig wie nie, mehr als ein Prozent für die kurzfristige Anlage auf Sparbücher oder Terminkonten springt derzeit nirgendwo heraus.     

Die Notsituation von Millionen renditesuchender Bankkunden will der Heizungsbauer Vaillant aus dem bergischen Land nun nutzen, um seinerseits das Geschäft anzukurbeln. „Tragen Sie ihr Geld in den Keller“, fordert  das Familienunternehmen potenzielle Kunden auf – und meint damit kein geheimes Depot für Banknoten, versteckt irgendwo in einer dunklen Ecke hinter Gerümpel und Vorräten. Nein, es geht um den Austausch einer alten Heizung, von denen es in Deutschland noch jede Menge gibt: Rund 75 Prozent aller Anlagen sind älter als 20 Jahre und jagen reichlich ungenutzte Energie durch den Schornstein.

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Vaillant-Chef Carsten Voigtländer macht dabei ein einfache Rechnung auf: Mit einer modernen Heizung können Hausbesitzer ihre Energiekosten um 15 Prozent oder mehr senken. Bei durchschnittlichen Heizkosten eines Einfamilienhauses von etwa 1.900 Euro lassen sich so knapp 300 Euro pro Jahr einsparen. Bei einer Investition von rund 8.000 Euro für ein energiesparendes Gas-Brennwertgerät liegt die jährliche Rendite bei gleichbleibenden Kosten für Erdgas bei rund vier Prozent – also rund vier Mal so viel, wie ein Sparbuch hergeben würde. Steigen die Energiekosten, erhöht sich die Rendite für den Hausbesitzer sogar noch. „Gerade in Zeiten historisch niedriger Zinsen ist die Investition in ein effizientes Heizsystem eine profitable Geldanlage“, wirbt Voigtländer.

Nun ist der Chef eines Heizungsbauers nicht dafür angestellt, Kunden rentierliche Geldanlagen zu verkaufen. Aber die Ansprache über den Geldbeutel lohnt sich auch für Vaillant. Schließlich laufen die Geschäfte gerade in Deutschland und Europa alles andere als prächtig und ein frischer Schub neuer Aufträge – aus welchen Motiven auch immer – kann da nicht schaden. Zumal es auch was obendrauf gibt: ein gutes Gewissen. Denn je weniger Energie verheizt wird, desto geringer die Belastung mit CO2 beispielsweise. „Denn 40 Prozent der Primärenergie in Europa wird in Gebäuden verbraucht“, weiß Voigtländer. Neue Heizungsanlagen könnten den Anteil deutlich reduzieren.

Kommentare (3)

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Marcus Gröber

11.05.2015, 14:52 Uhr

Das ist mal eine nette Milchmädchenrechnung:

1. Eine jährliche Ersparnis von 300 EUR wären bei 8000 EUR genau gerechnet nur noch 3,75%
2. Viel wichtiger ist aber, dass hier die Abschreibung des Geräts selbst fehlt. Wenn man mal von einer Lebensdauer von 20 Jahren ausginge, wären das (linear) 400 EUR im Jahr.
3. Vermutlich müsste man auch noch die Kosten für jährliche Wartung und/oder Reparaturen nach ein paar Jahren einkalkulieren

Unterm Strich bliebe also wohl eine leicht negative Rendite übrig...

Diese Rechnung finde ich selbst überraschend, weil ich eigentlich Modernisierungen zum Energiesparen für eine volkswirtschaftlich sinnvolle Sache halte. Aber könnte es sein, dass wir hier schon den Grund haben, warum die Geschäfte gerade "alles andere als prächtig" laufen?

Herr Johann Löning

11.05.2015, 15:40 Uhr

.... was sagt Vaillant und die ganze Branche denn dazu, dass vergleichbare Produkte z.B. in den Niederlanden ca. 2/3 günstiger zu haben sind ?

Die Renditeverteilung zwischen Hersteller und Kunden haben da ein gewisses Ungleichgewicht. Aber immerhin länge die Rendite bei niederländischen Einkaufspreisen nach der Vaillant Rechnung dann bei einem soliden 10%.

Überhaupt bei dem niederländischen Preisniveau gäbe es in Deutschland sicher nicht den gewaltigen Investitionstau und der Ruf der Branche nach staatlichen Sanierungsbeihilfen hätte sich auch gleich erledigt.

Und wie funktioniert diese Marktabschottung? Die deutschen Hersteller üben sich in technischem Protektionismus mittels der immer wieder in der Kritik stehenden DVGW.

Politiker die nach TTIP rufen, sollten erst einmal den Binnenmarkt in der EU von solcherlei Barrieren befreien.

Herr Manfred Zimmer

11.05.2015, 15:44 Uhr

"Die Rendite dank eingesparter Energiekosten: vier Prozent. "

Hier wird einiges vermischt, was man nicht vermischen darf. Einmal sind es die eingesetzte Energie und einmal sind es die Kosten. Letztlich ist das Ergebnis von der Planungssicherheit abhängig.

Ich selbst rüstete vor Jahren auf eine Luft-Wärmepumpe um. Die Investitionsrechnung wäre positiv geblieben, hätten sich nicht die Energiekosten negativ, also gegen mich entwickelt. Aber auch die Energiekosten wären nicht der springende Punkt gewesen. Es war das EEG, bzw. dessen Preismechanismus.

Je mehr alternative Energie produziert wurde, desto größer war das Angebot an der Strombörse in Leipzig. Der Preis für Strom musste so reagieren wie dies in der Marktwirtschaft funktionieren soll. Der Preis fiel aufgrund des Überangebots.

Der Mechanismus des EEG ist - nach Hans-Jürgen Fell, ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen - aber so geschneidert, dass dem Produzenten alternativer Energien die Differenz zwischen dem Börsenpreis und dem garantierten Erzeugerpreis über das EEG erstattet wird. Über diesen staatlichen Eingriff fällt jede Investitionsrechnung hinten herunter.

Planungssicherheit in Deutschland? Das können Sie vergessen.

Eine neue Heizung spart also Energie, aber nicht zwangsläufig Kosten.

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