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16.10.2014

11:28 Uhr

Alternativer Kautschuk

Wie der Löwenzahn den Regenwald retten soll

VonLukas Bay

Der Autozulieferer Continental will in spätestens zehn Jahren erste Reifen aus Löwenzahn auf die Straße schicken. Im Interview erklärt Entwicklerin Carla Recker die Chancen der neuen Technologie.

Continental-Entwicklerin Carla Recker erklärt die Vorzüge des russischen Löwenzahns für die Reifenproduktion.

Continental-Entwicklerin Carla Recker erklärt die Vorzüge des russischen Löwenzahns für die Reifenproduktion.

DüsseldorfUnter dem Projektnamen „Rubin“ arbeitet der Reifenhersteller Continental gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie daran, Kautschuk aus dem Russischen Löwenzahn zu gewinnen und ihn industriell zu verarbeiten. Ein Projekt, das auch schon mit dem „Green Tec Award“ ausgezeichnet wurde. Im Interview mit Handelsblatt Online verrät Projektleiterin Carla Recker von Continental, warum der Löwenzahn den Regenwald retten könnte.

Für ihren Arbeitgeber Continental wollen Sie den ersten Reifen aus Löwenzahn entwickeln? Wie sind Sie ausgerechnet auf den Löwenzahn gekommen?
Carla Recker: Wir haben die ersten Reifen mit Löwenzahnkautschuk sogar bereits gebaut; wir sind momentan in der Testphase! Wenn man sich nach Alternativen zum Kautschukbaum umschaut, gibt es gerade einmal drei Pflanzen, mit denen sich eine gleichwertige Qualität herstellen lässt. Es ist darum nicht besonders neu, dass Löwenzahn zur Kautschukproduktion verwendet wird. Erste Patente gab es bereits im Jahr 1905.

Und warum hat man den Löwenzahn dann bisher nicht genutzt?
Man ist in der Vergangenheit an dem Ertrag der Pflanzen und den Randbedingungen gescheitert. Der Anbau war eine Herausforderung. Man braucht auch eine ganz andere Technologie, um den Kautschuk aus der Löwenzahnwurzel herauszubekommen. Daher ist der Löwenzahnkautschuk bisher an den ökonomischen Bedingungen gescheitert und hat sich nicht durchgesetzt.

Warum sind Sie so optimistisch, dass sich das nun ändert?
Zum einen können wir die Pflanze heute durch die verfeinerten Züchtungsmethoden einfacher kultivieren, darum kann sie als neue Kulturpflanze in der Landwirtschaft genutzt werden. Zum anderen haben sich die Technologien weiterentwickelt, mit denen der Löwenzahnkautschuk aus der Pflanze gewonnen und verarbeitet wird. Vor 110 Jahren war das anders. Deswegen sind wir heutzutage überzeugt, dass wir Löwenzahnkautschuk erfolgreich etablieren können. Die Entwicklung auf den Märkten kommt uns entgegen.

Wie ist denn die Situation auf dem Kautschukmarkt?
Es gibt durchaus unterschiedliche Szenarien. Wir gehen davon aus, dass der Bedarf an Kautschuk weltweit weiter wächst – unter anderem getrieben durch die zunehmende Motorisierung in den Wachstumsmärkten Asiens – und allein durch den klassischen Kautschukbaum kaum zu decken sein wird. Da müssen wir uns nach neuen Quellen umsehen. Der Kautschuk kommt heute aus den klassischen Anbauländern, in Südostasien sind das Thailand, Malaysia und Indonesien. Für den Kautschukbaum braucht man ein spezielles Klima, darum wird er besonders in den Ländern rund um den Äquator angebaut – und dort ist das Flächenangebot begrenzt. Wenn man nicht irgendwann neue Anbauflächen zu Ungunsten des tropischen Regenwaldes erschließen will, braucht man Alternativen.

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