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10.01.2007

12:19 Uhr

Amerikanischer Automarkt

Toyota bricht in die letzte US-Domäne ein

Light trucks heißen jene Kleinlastwagen, mit denen die amerikanischen Autohersteller bei der heimischen Kundschaft bisher noch ziemlich unangefochten punkten konnten. Damit soll jetzt Schluss sein: Toyota hat Ford und GM auf diesem Teilmarkt den Kampf angesagt - Analysten sehen schon ein Opfer.

Toyota Tundra. Foto: ap ap

Toyota Tundra. Foto: ap

ebe/mwb DETROIT. Die japanischen Autohersteller Toyota und Honda wollen ihren Vormarsch in den USA unbeeindruckt von den Problemen einheimischer Konzerne fortsetzen. In einem vermutlich leicht schrumpfenden US-Markt werde man 2007 um sechs Prozent wachsen, sagte der Toyota-Chef von Nordamerika, Jim Press. Auch Honda will immerhin um drei Prozent zulegen. Die beiden größten japanischen Autobauer wollen vor allem vom anhaltenden Trend zu spritsparenden Fahrzeugen profitieren.

Während die Modellpalette der US-Konkurrenz noch immer zu mehr als 60 Prozent aus schweren Geländewagen sowie Kleinlastwagen besteht, punkten die Japaner in den USA mit ihren verbrauchsärmeren Modellen. Toyota machte auf der Detroit Motorshow aber auch deutlich, dass der Konzern 2007 auch die letzten Domänen der US-Konzerne angreifen will. Japans Vorzeigeunternehmen stellte auf der Messe einen neuen großen Pickup vor und bedient damit ein überaus wichtiges Marktsegment der US-Wettbewerber General Motors und Ford.

„Unser jährliches Absatzziel liegt bei 200 000 Fahrzeugen“, sagte Toyota-Manager Jim Lentz. 2006 hatte Toyota 124 500 Fahrzeuge des Modells Tundra in den USA verkauft. Mit der neuen Modellvariante konkurriert Toyota in einem Segment, das bisher von GM und Ford dominiert wird. Ford verkaufte 2006 fast 800 000 Modelle seiner F-Serie. In den beiden vorangegangenen Jahren hatte der Absatz des Modells noch bei mehr als 900 000 Fahrzeugen gelegen.

Für Toyota soll der neue Tundra neben den Hybrid-Fahrzeugen 2007 das Wachstum ankurbeln, sagte Lentz. Einige Analysten erwarten, dass Toyota Ford in den USA im laufenden Jahr als Nummer zwei – gemessen am Absatz – ablösen wird. Die Toyota-Führung wollte sich in Detroit jedoch nicht zum erwarteten Marktanteil in den USA 2007 äußern. 2006 lag die Kenngröße bei 13,3 Prozent. Ford beendete das Jahr nach einem neuerlichen Absatzeinbruch bei gut 17 Prozent Marktanteil. Der schwer angeschlagene US-Konzern will den Japanern das Feld der Kleinlastwagen allerdings nicht kampflos räumen. „Es wird zugehen wie beim Sumo-Ringen“, sagte ein Ford-Manager.

Schritt für Schritt haben sich die Japaner in den USA bis in die Schwergewichtsklasse vorgekämpft. Die kleineren PKW-Klassen dominiert Toyota bereits. Das Modell Camry wurde im Vorjahr 450 000-mal verkauft und führt damit zum fünften Mal in Folge die Bestenliste in den Vereinigten Staaten an. Auch das kleinere Modell, Corolla, wurde 2006 fast 400 000 Mal verkauft.

Hondas Wachstum wird ebenfalls von den kleineren Modellen wie dem Kompaktwagen Fit getrieben. Gemeinsam verkauften Toyota und Honda 2006 genauso viele Fahrzeuge wie der wankende Marktführer GM, dessen Absatz um knapp neun Prozent einbrach.

Vor allem der Erfolg in den USA bringt Toyota das höchste Finanz-Rating aller Automobilhersteller in der Welt. Die Agentur Standard & Poor’s bewertet die Japaner als einzige mit der Bestnote AAA, während die Kreditwürdigkeit von GM und Ford von den Analysten äußerst kritisch gesehen und auf Ramschstatus eingestuft wird. An der Börse ist der Konzern über 200 Mrd. Dollar wert – etwa so viel wie die drei Wettbewerber Honda, Daimler-Chrysler und Nissan zusammen. „Toyota und Honda zeigen sich immun gegen die schrumpfende US-Nachfrage“, sagte Tsuyoshi Mochimaru, Analyst der Deutsche Securities. Allerdings liegt die geplante Toyota-Wachstumsrate 2007 deutlich unter dem Vorjahresniveau von 16 Prozent.

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