Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2013

13:09 Uhr

Amprion-Chef zur Energiewende

„Man kann Akzeptanz nicht kaufen“

VonDana Heide

ExklusivAmprion-Chef Hans-Jürgen Brick wehrt sich gegen mehr Eingriffe des Staates. Die Finanzierung des Netzausbaus sei auch so gesichert. Die Akzeptanz für neue Stromtrassen will er mit Transparenz schaffen.

Amprion-Chef Hans-Jürgen Brick. PR

Amprion-Chef Hans-Jürgen Brick.

Amprion ist einer der vier Stromnetzbetreiber in Deutschland. Das Leitungsnetz umfasst 11.000 Kilometer Hochspannungsleitungen im Westen Deutschlands von Niedersachsen bis zum Bodensee. Vorstandschef Hans-Jürgen Brick über die Energiewende und den Ausbau der Stromleitungen.

Wegen der Verzögerung des Netzausbaus wurden in letzter Zeit die Rufe nach dem Staat lauter. Was halten Sie etwa von dem neuesten Vorschlag der Grünen, die Stromnetzbetreiber mit dem Staat in einer deutschen Netzgesellschaft zusammenzuführen?

Wir sehen in diesem Vorhaben keinerlei Mehrwert. Ein solcher Zusammenschluss würde die Probleme, die wir jetzt mit dem Netzausbau haben, nur in einer zentralen staatlichen Verwaltungsstelle bündeln, ohne dass dezentrale Lösungen mit dem notwendigen Tempo weiter umgesetzt werden. Hauptbahnhof Stuttgart und Flughafen Berlin zeigen, dass Planungskompetenz und erfolgreiches Werben um Akzeptanz bei Projekten staatlicher Gesellschaften nicht per se unterstellt werden können.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Wenn man sich den deutschen Netzausbau derzeit anschaut, sieht man Verzögerungen – auch bei Projekten von Amprion – wie kann ein zügiges Tempo beim Netzausbau gewährleistet werden?

Wir setzen große Hoffnungen in das Bundesbedarfsplangesetz. Mit dem Netzentwicklungsplan gibt es ja bereits so etwas wie einen Masterplan für den notwendigen Ausbau. Wenn das Gesetz jetzt zügig umgesetzt wird, dann erreichen wir eine Beschleunigung des Netzausbaus – insbesondere weil die länderübergreifenden Projekte nun von einer einzigen Genehmigungsbehörde bearbeitet werden.

Und die Verzögerungen bei Amprion? Wenn man sich die aktuelle Auswertung der Bundesnetzagentur zum Stand des Netzausbaus anschaut, findet man auch Projekte von ihnen, die nicht im Plan sind.

Unser Netzausbau ist seit Verabschiedung des Energieleitungsausbaugesetzes (EnLAG) in vielen Bundesländern weitestgehend im Plan und mit der richtigen Unterstützung der Politik und Behörden sind wir zuversichtlich, dass wir auch den massiven zusätzlichen Netzausbau im Rahmen der Energiewende hinbekommen.

Woran liegen denn diese Verzögerungen?

Es gab in der Vergangenheit Verzögerungen, da der Bedarf für neue Leitungen grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Durch das EnLAG und den Netzentwicklungsplan ist hier ein wesentlicher Schritt gemacht worden. Es gibt noch Verzögerungen durch langsame Genehmigungsverfahren, auch weil die zuständigen Behörden nicht ausreichend mit Personal ausgestattet sind. Und natürlich wirft es uns im Zeitplan zurück, wenn es Klagen gibt, die dann erst vor Gericht geklärt werden müssen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

juergen

23.01.2013, 14:10 Uhr

Die Überschrift zum dritten Teil lautet "Die Sorge vor Stromausfällen ist unberechtigt“. Im Text steht dann "die Sorge ist derzeit nicht unberechtigt". Da stimmt wohl etwas nicht...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×