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18.01.2006

11:20 Uhr

Analysten kritisieren Milliarden-Zahlungen

Gazprom kauft ominösen Gaszwischenhändler

VonMathias Brüggmann

Der russische Gasgigant Gazprom, der dieser Tage durch den rasanten Anstieg seines Aktienkurses zum weltweit siebtteuersten Unternehmen geworden ist, will den russisch-ukrainischen Gaszwischenhändler Rosukrenergo kaufen.

MOSKAU. Das teilte der Chef der Gazprom-Exportabteilung, Alexander Medwedjew, in Moskau mit. Analysten kritisieren, dass Gazprom so Milliarden ausgebe für den Kauf eines eigentlich nutzlosen Unternehmens.

Rosukrenergo (RUE) wickelt nach einem Abkommen Gazproms mit der Ukraine die Gaslieferungen aus Zentralasien und Russland in die Ukraine ab. Diese Monopolstellung für den Trader war der wichtigste Bestandteil des Kompromisses, auf den sich beide Länder geeinigt hatten, nachdem Gazprom am Neujahrsmorgen die Gaslieferungen in die Ukraine eingestellt hatte. Das Nachbarland hatte sich geweigert, die deutlich höheren Preise zu zahlen, die Gazprom ab dem 1. Januar 2006 haben wollte. Jetzt zahlt die Ukraine weniger als die Hälfte des geforderten Preises, und RUE wickelt exklusiv die Lieferungen ab.

Die Gazprombank will nach einem Aufsichtsratsbeschluss vom Montag ihre 50-prozentige Beteiligung an RUE an den Mutterkonzern zum Marktpreis verkaufen – bevor die Dresdner Bank in Kürze für mindestens 800 Mill. Dollar ein Drittel der Anteile der Gazprombank übernimmt. Dadurch solle laut Medwedjew vermieden werden, dass der Einfluss von Gazprom auf RUE nach dem Einstieg der Deutschen sinkt.

Als „denkbar schlechte Zeit zum Kauf“ bezeichnete Steven Dashevsky, Research-Chef der Moskauer Investmentbank Aton, die geplante Übernahme. Denn im vorigen Jahr habe RUE nur 370 Mill. Dollar Gewinn gemacht, während es in diesem Jahr durch das Ukraine-Monopol 1,5 Mrd. Dollar würden. „Noch vor einem Jahr hätte RUE 2,5 bis 3,5 Mrd. Dollar gekostet, heute dagegen fünf bis sieben Mrd. Dollar“, sagt Dashevsky: „Da wird viel Geld aus Gazprom umgeleitet.“ Wadim Klejner vom Investmentfonds Hermitage Capital kritisiert, dass Gazprom das lukrative Transitgeschäft ohne Not aus der Hand gegeben hat. Statt RUE könne der russische Gasriese selbst Erdgas aus Zentralasien in die Ukraine pumpen, vor allem da ohnehin ausschließlich das Gazprom-Pipelinenetz benutzt werde.

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