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30.04.2014

02:27 Uhr

Angebot für Alstom kommt

Siemens zeigt General Electric die Zähne

Siemens steigt offiziell in den Bieterkampf um den französischen Konkurrenten Alstom ein: Der Industriekonzern hat ein Angebot abgegeben. Wann die Entscheidung fällt, ist jedoch ungewiss.

Siemens-Chef in Paris

Poker um Alstom

Siemens-Chef in Paris: Poker um Alstom

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Paris/MünchenUm den französischen Industriekonzern Alstom entbrennt ein Bieterkampf: Siemens reiche ein Übernahmeangebot ein, sagte der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Dienstag vor der Nationalversammlung in Paris. Ein konkretes Angebot wurde nicht bekannt.

Inzwischen kündigte auch das Unternehmen selbst ein Angebot an – Voraussetzung sei aber ein Einblick in die Bücher des Konzerns, um Details einer möglichen Offerte zu klären, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Eine abschließende Entscheidung über eine konkrete Offerte werde dann innerhalb der nächsten vier Wochen getroffen.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte den Wert der Alstom-Energieaktivitäten, für die sich Siemens interessiert, auf zehn bis elf Milliarden Euro beziffert. Für eine Teilübernahme interessiert sich auch der US-Konkurrent General Electric (GE).

Laut den französischen Behörden sollen die Alstom-Aktien ab Mittwoch wieder an der Pariser Börse gehandelt werden. Die Börsenaufsicht AMF erklärte am Dienstagabend in Paris, sobald die Marktteilnehmer über Inhalt und Modalitäten der Offerten informiert worden seien, solle die Handelsaussetzung beendet werden.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Doch das könnte nicht der einzige Siemens-Deal in den kommenden Wochen werden. Insider-Informationen zufolge hat der Münchner Konzern ein Auge auf Teile der Energiesparte des britischen Industriekonzerns Rolls Royce geworfen. Beide Seiten bestätigten am Dienstagabend entsprechende Verhandlungen. Dabei gehe es unter anderem um das Geschäft mit Gas-Turbinen, teilte Rolls Royce mit. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Zu gegebener Zeit werde aber eine weitere Mitteilung folgen.

Siemens erklärte, das Vorhaben gehöre zur neuen Strategie des Unternehmens, die am 7. Mai vorgestellt werden solle. Das Interesse gelte vor allem dem Geschäft mit Ausrüstung für die Gas- und Ölindustrie sowie der Produktion von Notstromaggregaten, hatten zuvor mit der Angelegenheit vertraute Personen gesagt. Siemens könne dafür knapp eine Milliarde Euro zahlen. Die Gespräche von Siemens über das Rolls-Royce-Energiegeschäft außerhalb der Atom-Industrie liefen den Eingeweihten zufolge schon lange, bevor die Diskussion um eine Übernahme von Alstom aus Frankreich aufkam.

Offenbar will sich Alstom mehrere Optionen offen halten. Der Verwaltungsrat werde die Unternehmensleitung ermächtigen, „die Verhandlungen mit GE fortzusetzen, ohne die Tür für Siemens oder andere Bewerber zu schließen“, berichteten die Zeitung „Le Monde“ und die Nachrichtenagentur Bloomberg übereinstimmend. Dieser Aufschub, der den Kaufinteressenten vermutlich mehrere Wochen zusätzlich Zeit geben werde, um ihre Angebote auszufeilen, komme vor allem Siemens zugute, betonte das Blatt – der deutsche Konzern war viel später als GE in die Kaufverhandlungen eingestiegen.

Kommentare (9)

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29.04.2014, 13:25 Uhr

Zitat : Alstom will Verkaufsentscheidung verschieben

- Die könnten auch noch ABB fragen......die Energiesparte dieses Ladens schreibt zur Zeit auch rote Zahlen....:-)

Wenn Regierungen ( Dilettanten ) sich in Wirtschaftsfragen einmischen, so dauert die Zeit bis zur Pleiteerklärung nicht mehr lange !

Account gelöscht!

29.04.2014, 13:30 Uhr

Siemens sollte hier sehr vorsichtig agieren. Ein Merger zw. GE und Alstom könnte auch Vorteile für Siemens haben, denn es ist davon auszugehen, dass das gemergte Unternehmen ersteinmal bis auf weiteres mit sich selbst zu tun haben wird, was Siemens zusätzliche Marktanteile ganz von allein einbringen könnte. Man schaue sich nur den Merger von Alcatel und Lucent an ... davon hat vor allem der Wettbewerb profitiert.

Außerdem lehrt das Beispiel EADS/Airbus, dass Frankreich immer versuchen wird, Managementeinfluss nach Frankreich zu verschieben.

Das einstige Gemeinschaftswerk EADS ist mittlerweile eine französisch dominierte Firma mit deutschen Produktionsablegern ... und die Bundesregierung schaut zu.

Account gelöscht!

29.04.2014, 14:29 Uhr

das ist doch so gewollt. Brüssel diktiert und Berlin pariert.

Und der dicke Gabriel hat auch schon Initiative ergriffen und mit Hollandaise telefoniert.

Die Herrenpolitiker vom Sonnenstaat Europia fühlen sich ganz weltmännisch - ganz große Bühne der Weltpolitik geht da ab.

Jetzt zeigen sie uns, wie man richtig Big Business macht :D

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