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09.01.2013

09:00 Uhr

Angeschlagener Autobauer

Opel lässt Hoffnungsträger„ Adam“ vom Band

Der Absatz bröckelt, die Verluste häufen sich an: Doch Opel will nicht resignieren. Der angeschlagene Autobauer geht mit neuen Modellen in die Offensive. Nun rollt das kleine Lifestyle-Auto „Adam“ vom Band.

Beim Autosalon Paris wurde der Opel Adam vorgestellt. dpa

Beim Autosalon Paris wurde der Opel Adam vorgestellt.

Eisenach/RüsselsheimTrübsal in Bochum, Freude in Eisenach: An diesem Donnerstag startet der Autobauer Opel in seinem Thüringer Werk die Serienfertigung des Kleinwagens Adam. Das sichert erstmal Arbeitsplätze im jüngsten deutschen Opel-Werk - während am 50 Jahre alten Standort im Ruhrgebiet erst vor wenigen Wochen das Aus der Autofertigung für 2016 angekündigt wurde. Geht es nach dem Opel-Management, haben die Jobs in Eisenach lange Bestand. Denn der 3,70 Meter kleine Stadtflitzer ist ein Hoffnungsträger, betont ein Sprecher der Adam Opel AG: „Der Adam wird kein Nischenmodell sein. Er wird ein Volumenmodell für Opel werden.“

Absatzprognosen gibt es bei Opel nicht. Experte Ferdinand Dudenhöffer traut dem Adam etwa 50.000 Verkäufe pro Jahr zu: „Das ist nicht der ganz große Durchbruch, aber ein wichtiges Puzzle-Teilchen für die Zukunft.“ Das Fahrzeug mit den vielen Gesichtern - Opel spricht von zigtausenden Variationsmöglichkeiten innen wie außen je nach Kundengeschmack - ist Teil des Unternehmensplans „Drive Opel 2022“. Interims-Chef Thomas Sedran prophezeite: „Wir werden eine ganze Reihe von neuen Fahrzeugen in den Markt bringen, mit denen wir Lücken in unserem Portfolio schließen und in Wachstumssegmente vorstoßen.“

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Der Adam ist nach dem kompakten SUV (Sportgeländewagen) Mokka und vor dem Cabriolet Cascada der zweite Wagen, der die Lücken im Opel-Angebot schließen soll - und vor allem junge Käufer ansprechen. Das Unternehmen bewirbt den Kleinwagen als Lifestyle-Stadtflitzer, der mit Modellen wie Mini oder Fiat 500 um die Gunst der Kunden kämpfen werde. „Das Auto signalisiert die Aufbruchsstimmung bei Opel“, betont ein Sprecher. Keine Frage: Der Adam soll auch das angestaubte Image der Marke verbessern.

Dudenhöffer sieht Opel mit dem Stadtwagen im Vorteil gegenüber anderen Herstellern wie VW, Ford oder Japanern und Franzosen, die nichts Vergleichbares hätten: „Das bringt Selbstvertrauen und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Natürlich macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, aber mehr Schwalben á la Adam werden Opel helfen, sich als Unternehmen und Marke wieder stabiler aufzustellen.“

190 Millionen Euro investierte die schwächelnde Tochter des US-Riesen General Motors (GM) in Eisenach. Doch ob der Adam den Standort tatsächlich auf Dauer sichern wird, ist offen. Denn GM sprudelte schon lange kein Geld mehr aus Europa in die Kassen. Vielmehr erwartet der US-Riese wegen der tiefen Absatzkrise allein für 2012 einen operativen Verlust in Europa von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Auch 2013 soll nur etwas besser werden. Frühestens zur Mitte des Jahrzehnts rechnet GM mit einer schwarzen Null vor Sonderkosten.

Trotzdem gibt sich GM-Vize Steven Girsky zuversichtlich und strebt 2013 stabile Verkäufe über der Millionen-Marke an, obwohl der Markt weiter schrumpfen werde: „Wir haben neue Produkte, die uns helfen werden, den erwarteten Marktrückgang zu kompensieren.“ Auch aus einem anderen Grund könnte es nochmals eng werden: Die Verhandlungen zur Zukunft der deutschen Werke sind noch immer nicht abgeschlossen. Vehement fordert Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug endlich ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland: „Es geht um die langfristige Zukunft Opels. Ohne Fertigung in Deutschland wird es keinen Erfolg geben.“

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Die Arbeitnehmervertreter wollen die Jobs auch dadurch sichern, dass Wagen der Schwestermarke Chevrolet für den europäischen Markt in Opel-Fabriken statt in Korea gebaut werden. Auch den Mokka, der seit Oktober in den Autohäusern steht und für den Anfang Januar mehr als 67.000 Bestellungen vorlagen, will der Betriebsrat so bald wie möglich von Asien nach Europa holen.

Davon könnten erneut das 20 Jahre alten Werk Eisenach und seine 1600 Beschäftigten profitieren. Aktuell teilen sie sich die Corsa-Fertigung mit Kollegen im spanischen Saragossa. Wegen des Absatzeinbruchs in Europa läuft der Wagen seit Jahresbeginn allerdings nur noch in zwei Schichten vom Band. Zu hören ist, dass der Mokka künftig in Spanien gefertigt werden könnte - im Gegenzug würde Eisenach einen größeren Teil der Corsa-Produktion übernehmen.


Von

dpa

Kommentare (4)

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Schade

09.01.2013, 12:39 Uhr

Auf der Internetseite von Opel lese ich beim "Adam": ab 11.500 EUR. Beim VW Up lese ich: ab 9.975 EUR. Den Corsa bekommt man ab 11.890 EUR. Opel scheint der Ernst der Lage nicht klar zu sein. Der Trend immer kleinere Autos zu immer höheren Preisen zu bauen, wird sich nicht lange aufrecht erhalten lassen. Der pfiffig aussehende Adam soll junge Leute anziehen. Nur die haben kein Geld für so ein Auto. Und hätten sie es und pfeifen auf Image, dann nehmen sie wohl entweder die günstigere Alternative VW Up oder legen etwas drauf und bekommen ein viel größeres Auto zB. den Corsa. Die lustigen Farbkombinationen beim Adam sollen Mini-Kunden weglocken. Das wird aber nicht klappen. Wer einen Mini will, kauft auch einen Mini. Der Adam als günstiger Ersatz würde nur funktionieren, wenn er unter 10.000 EUR zu haben wäre. Daran hätte Opel alles setzen müssen. Die Vorbestellungszahlen sagen überhaupt nichts aus. Das sind alles Händlerzulassungen. Schade.
Das Design bei Opel ist gut. Die Qualität ist ok. Nur das Image ist angestaubt und angekratzt. Ja und leider ist der Preis nicht wettbewerbsfähig.

APO-Man

09.01.2013, 13:18 Uhr

Seit Jahren macht Opel keine Gewinne. Daran wird sich wohl auch nichts ändern, da Gewinne auch gar nicht im Interesse von GM liegen. Denn müsste Opel nämlich Steuern zahlen. Also transferiert man mögliche Gewinne lieber über Lizenz-, Patent- und sonstige Abgaben an GM in den USA.
Außerdem wäre ja auch zu beziffern, welchen Wert GM aus der Nutzung des Opel-Vertriebsnetzes für den Absatz von Chevrolet in Europa zieht, sowie aus den Leistungen der Rüsselsheimer Entwicklungsabteilung. Schließlich wird so manches bei Opel in Deutschland entwickeltes Automobil in Amerika oder sonstwo gebaut und mit dem Chevrolet-Emblem versehen. Wenn Opel GM nichts bringen würde, hätten die schon längst verkauft. Denn im Gegensatz zu den Deutschen, haben die Amerikaner keine emotionale Bindung an Opel, geschweige denn, an die in Deutschland/Europa tätigen Mitarbeiter. Letztendlich dient GM die Darstellung Opels als Verlustbringung dazu, den Mitarbeitern zugeständnisse abzuringen. Beipielsweise als man die englischen Werke bei der Produktion des Astra mittels Lohnzugeständnisse gegeneinander ausgespielt hat.

Theo

09.01.2013, 13:44 Uhr

@ Schade: Der AdAM ist kein Wettbewerb zum Up. Der Up zielt auf Low Budget Kunden die eine Kiste mit 4 Rädern möchten. Bei Opel wäre dies mit Agila und Basis Corsa vergleichbar. Der AdAM idt ein Lifestyle Auto das in den Wettbewerb zum Fiat 500 und Mini geht. Und in diesem Feld paßt sowohl der Preis und erst recht die Qualität und Ausstattung. Denn diesbezüglich können beide Mitbewerber nicht mithalten!

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