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25.11.2013

18:44 Uhr

Angeschlagener Autoriese

Ex-Renault-Manager soll PSA aus der Krise führen

Ausgerechnet Carlos Tavares soll dem kriselnden Autobauer Peugeot-Citroën helfen. Der künftige Chef hatte erst vor wenigen Monaten den Konkurrenten Renault verlassen. Aktionäre begrüßen den ungewöhnlichen Wechsel.

Damals noch bei Renault, bald beim Konkurrenten Peugeot: Carlos Tavares (r.) wechselt das Lager. Hier vor der Testfahrt eines Renaults in Monaco. Reuters

Damals noch bei Renault, bald beim Konkurrenten Peugeot: Carlos Tavares (r.) wechselt das Lager. Hier vor der Testfahrt eines Renaults in Monaco.

ParisBeim angeschlagenen französischen Autohersteller PSA Peugeot Citroën gibt es einen Führungswechsel. Der Aufsichtsrat des Konzerns teilte am Montag nach einer außerordentlichen Sitzung mit, der 55-jährige Carlos Tavares werde im Laufe des kommenden Jahres den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Philippe Varin ablösen. Demnach soll Tavares, der bisher die Nummer zwei beim Konkurrenten Renault war, vom 1. Januar 2014 an dem Vorstand angehören.

Der Vorstand habe mit Unterstützung des Aufsichtsrats mit verschiedenen Partnern Verhandlungen „über Projekte zur industriellen und geschäftlichen Entwicklung“ aufgenommen, hieß es in der Erklärung. In dieser Situation wolle Varin, dass „die nächste Etappe der Konsolidierung und der Eroberung unter der Leitung eines neuen Piloten“ erfolge. Varin werde die laufenden Verhandlungen aber zunächst fortführen, während sich Tavares mit dem Konzern vertraut mache.

Peugeot und der chinesische Konzern Dongfeng sind derzeit in Verhandlungen, um ihr bestehendes Gemeinschaftsunternehmen auszubauen. Zuletzt hatte Reuters von Insidern erfahren, Dongfeng habe klargemacht, dass die angestrebte engere Allianz beider Konzerne mit einem Managementwechsel einhergehen müsse. Varins Vertrag war jedoch erst im Mai um vier Jahre verlängert worden. „Ein Wechsel im Top-Management würde am Markt als positives Signal gewertet, dass PSA und die Peugeot-Familie bereit sind für weitreichende Veränderungen“, sagte Erich Hauser, Experte vom Analysehaus International Strategy & Investment.

PSA Peugeot Citroën hatte im vergangenen Jahr mit einem Minus von fünf Milliarden Euro den höchsten Nettoverlust seiner Geschichte hinnehmen müssen. Der Konzern, der eine Kooperation mit General Motors gestartet hat, steckt mitten in einer tiefgreifenden Umstrukturierung. Ein drastischer Sparplan, der die Streichung von insgesamt 8000 Stellen in Frankreich vorsieht, führte 2012 zu heftigen Auseinandersetzungen mit der sozialistischen Regierung in Paris.

Die zehn größten Autohersteller Europas

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,35 Millionen (-2,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,43 Millionen (- 2,0 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,56 Millionen (+5,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,62 Millionen (- 8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,64 Millionen (+ 0,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,75 Millionen (-4,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,8 Millionen (- 5,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 0,89 Millionen (+1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,11 Millionen (-10,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,49 Millionen (-2,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Schwierigkeiten hat PSA vor allem wegen seiner Abhängigkeit vom europäischen Markt. Wegen der Wirtschaftskrise stockt dort seit längerem die Nachfrage, zudem wird ein harter Preiskampf ausgefochten. Zwar erwartet das Unternehmen eine Besserung im laufenden Jahr und für 2014 sogar ein leichtes Wachstum, doch eine Ablösung Varins als Konzernchef war wiederholt im Gespräch. Der heute 61-Jährige leitete das Unternehmen seit Juni 2009.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Thierry Peugeot lobte Tavares am Montag als „bekannten Automobil-Profi“, mit dem bei der Strategie zur Bewältigung der Krise „die Kontinuität“ gewahrt werde. Der Wechsel von Tavares an die PSA-Spitze wurde von den Märkten positiv bewertet.

Tavares hat vor allem beim französischen Autokonzern Renault Karriere gemacht. Im August wurde er aber dort vom Vorstandsvorsitzenden Carlos Ghosn aus dem Amt gedrängt. Der aus Portugal stammende Tavares trat von seinen Funktionen als Vize-Chef zurück, weil er keine Hoffnungen mehr hatte, Ghosn als Konzernchef nachzufolgen. Er machte danach keinen Hehl daraus, dass er sich bei der Konkurrenz nach einem neuen Job umsehen werde.

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