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22.01.2009

10:44 Uhr

Angeschlagener Druckmaschinenbauer

Heidelberger Druck sucht Großinvestor

VonJens Koenen und Hans G. Nagl

ExklusivDie Situation bei Heidelberger Druckmaschinen spitzt sich offensichtlich zu: Der angeschlagene Maschinenbauer Heidelberger Druck ist auf der Suche nach einem Ankerinvestor. Das Management präsentiere sich und die Strategie bereits seit mehreren Wochen bei potenziellen Interessenten, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

Firmensitz in Heidelberg. Das Druckmaschinenunternehmen sucht nach Handelsblatt-Informationen einen Investor. Foto: ap ap

Firmensitz in Heidelberg. Das Druckmaschinenunternehmen sucht nach Handelsblatt-Informationen einen Investor. Foto: ap

FRANKFURT. Angesichts weiter eingetrübter Geschäftsaussichten, eines anhaltenden Kursverfalls sowie eines schwierigen Kreditmarkts sucht das Management nach Angaben aus Finanzkreisen sein Heil bei Finanzinvestoren. Sie sollen vor allem frisches Geld zuschießen, um das angeschlagene Unternehmen durch die Krise zu bringen. Angeblich geht es um einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Heideldruck soll diese Strategie bereits seit mehreren Wochen bei potenziellen Interessenten präsentieren. Das Unternehmen will die Informationen nicht kommentieren.

In Finanzkreisen gibt man sich skeptisch, ob das Management Erfolg haben wird. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die auf große Begeisterung stoßen", sagte ein hochrangiger Fondsmanager bei einem großen Finanzinvestor. Das Geschäft sei zyklisch, es stehe ein Technologiewandel bevor, und Heideldruck habe zum Teil die falschen Produktionsstandorte. Infrage kämen nur etwa ein Dutzend Investoren aus dem Nahen Osten, Familien und Private-Equity-Firmen. Wie in Finanzkreisen zu hören ist, sollen mehrere Aktienpakete gebündelt verkauft werden. Die Rede ist von 25 Prozent.

Heideldruck steckt in einem Dilemma, wirtschaftlich wie strategisch. Das Unternehmen hängt am Werbemarkt, da es vor allem mittelständische Druckereien beliefert. Die aber bestellen angesichts der Flaute derzeit kaum. Da Heideldruck traditionell viele Komponenten für die Maschinen vorproduziert, liegen diese nun ungenutzt in den Regalen und können nicht zu Umsatz gemacht werden. Dadurch steigen die Vorräte in der Bilanz.

Gleichzeitig ist durch die Vorfinanzierung dieser Zwischenprodukte die Verschuldung zum Ende der ersten Geschäftsjahreshälfte von 50 Mio. auf 347 Mio. Euro gestiegen. Dem stehen aber lediglich 86 Mio. Euro an liquiden Mitteln gegenüber. Auf das laufende Geschäft kann Heideldruck kaum setzen, um die Verschuldung zu reduzieren. Der freie Cash-Flow war nach den ersten sechs Monaten mit minus 260 Mio. Euro deutlich negativ.

Heideldruck braucht also frisches Geld. Verhandlungen mit Banken sind derzeit aber schwierig, zumal die Aktie des Unternehmens mit aktuell unter vier Euro auf einem Allzeittief notiert. Damit wird die einstige Perle des deutschen Maschinenbaus nur noch mit 300 Mio. Euro bewertet.

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