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30.11.2013

03:41 Uhr

Angeschlagener Stahlkonzern

Thyssen-Krupp will Kapital aufstocken

Thyssen-Krupp hat einen Berg an Schulden, und es dürften noch weitere hinzukommen. Nun will sich der Stahlkonzern mit einer Kapitalerhöhung Luft verschaffen. Zudem steht der Verkauf des US-Werks vor dem Abschluss.

Stahlwerk im US-Bundesstaate Alabama: ein Sorgenkind von Thyssen-Krupp. Reuters

Stahlwerk im US-Bundesstaate Alabama: ein Sorgenkind von Thyssen-Krupp.

EssenWichtige Weichenstellungen bei Thyssen-Krupp: Nach langen Verhandlungen verkauft der angeschlagene Industriekonzern sein verlustreiches Stahlwerk in den USA. Außerdem plant das Unternehmen eine Kapitalerhöhung von bis zu zehn Prozent, wie der Konzern am Freitagabend in Essen nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte.

Der Verkauf der Thyssen-Krupp-Edelstahltochter Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu wird überraschend zum Teil rückabgewickelt, dies führt zu finanziellen Belastungen. Thyssen-Krupp kappt zugleich alle Verbindungen zu Outokumpu.

Bereits an diesem Samstagmittag (30.11.) will Konzernchef Heinrich Hiesinger in Essen die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr erläutern. Ursprünglich war dies für den kommenden Montag (2.12.) geplant.

Käufer des US-Stahlwerks ist für einen Preis von 1,55 Milliarden Dollar (1,14 Mrd Euro) ein Konsortium aus den Stahlkonzernen Arcelor-Mittal und Nippon Steel, wie Arcelor-Mittal bereits mitgeteilt hatte. Die Transaktion sieht auch einen langfristigen Liefervertrag mit dem ThyssenKrupp-Stahlwerk in Brasilien vor.

Die Übersee-Stahlwerke von Thyssen-Krupp in Brasilien und den USA hatten sich für den Konzern als Milliardengrab erwiesen. Thyssen-Krupp hatte die gesamten Investitionskosten für die beiden Stahlwerke auf zwölf Milliarden Euro beziffert. Sie haben große Teile des Eigenkapitals aufgezehrt.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Thyssen-Krupp behält aber vorerst das ebenfalls zum Verkauf stehende Stahlwerk in Brasilien. Die dortige Produktion gilt als Hauptursache für die milliardenschweren Verluste. Aufgrund der Vereinbarung mit Arcelor-Mittal und Nippon sei das Werk in Brasilien allerdings verlässlich über mehrere Jahre zu mindestens 40 Prozent ausgelastet.

Vorstandschef Hiesinger sprach von einer „tragfähigen Lösung“. Mit dem Liefervertrag reduziere der Konzern sein Risiko und schaffe die Voraussetzung dafür, das Stahlwerk in Brasilien mittelfristig in die schwarzen Zahlen zu führen.

Neue Probleme brachte aber nun der Verkauf der Edelstahltochter Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu vom vergangenen Jahr. Die Essener hatten damals dafür eine Milliarde Euro in bar sowie 29,9 Prozent an dem finnischen Konzern erhalten. Zudem gewährten die Essener den Finnen einen Milliardenkredit.

Nun aber kommt es vor dem Hintergrund von Auflagen der EU-Kommission zu einer Neuordnung. Thyssen-Krupp nimmt das Edelstahlwerk im italienischen Terni und den profitablen Spezialhersteller VDM von Outokumpu zurück. Zugleich trennt sich ThyssenKrupp von dem 29,9 Prozent-Anteil an Outokumpu und beendet alle weiteren finanziellen Verbindungen zu Outokumpu.

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